Kreuzau - Dürener Straße: Bauarbeiten gefährden Händlerexistenz

Dürener Straße: Bauarbeiten gefährden Händlerexistenz

Von: Anne Wildermann
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Seit Mai dieses Jahres wird die L 249 in Kreuzau saniert. Die Kreuzung soll laut Bürgermeister Ingo Eßer Anfang Dezember fertig sein und für den Verkehr wieder freigegeben werden. Foto: Wildermann
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Das Unternehmerpaar Leo und Ute Lang macht seit Beginn des zweiten Bauabschnitts Verluste. Foto: Wildermann

Kreuzau. Für das Ehepaar Ute (53) und Leo Lang (65) aus Nideggen läuft es seit einigen Wochen wirtschaftlich schlecht. Seitdem der zweite Bauabschnitt zur Erneuerung der Dürener Straße (L249) in Kreuzau begonnen hat, kommen kaum noch Kunden zu dem Paar, das seit neun Jahren an der Straße mit Obst und Gemüse handelt.

„Früher kamen täglich 60 bis 100 Kunden zu uns. Mittlerweile sind es nur noch sechs bis 15“, sagt Leo Lang. Dadurch hat das Paar seit Mai (seit Beginn der Bauarbeiten) Einbußen zwischen 8000 und 10 000 Euro. Konsequenz: Sie mussten eine langjährige Aushilfskraft entlassen. „Die Fixkosten wie Autoleasing und Pacht laufen ja weiter. Das sind pro Monat 2500 Euro. Doch momentan nehmen wir nur an die 1500 Euro ein“, rechnet Lang vor. Der finanzielle Puffer, den sich er und seine Frau über Jahre anlegen konnten, ist bereits aufgebraucht.

Beinahe hätten sie ihr Geschäft für kommenden Monat schließen müssen. Doch durch das Engagement von André Claßen (49), der ein Motorradfachgeschäft in Düren führt, kann das Ehepaar Lang die nächsten zwei Monate weiter Obst und Gemüse verkaufen. „Ich habe im Radio von dem Problem der Zwei gehört und wollte sofort helfen“, sagt Claßen auf Anfrage unserer Zeitung. Am vergangen Wochenende veranstalte er Spendenparty. Wie viel dabei zusammengekommen ist, will er nicht sagen. „Nur so viel: Es ist sehr, sehr viel Geld. Und ich hoffe, dass das Ehepaar lang die Summe dafür nutzt, um über die Runden zu kommen. Es geht nicht darum, dass sie sich bereichern sollen“, betont Claßen.

Seit einer Woche gibt es eine separate Zufahrt zu den Gemüse- und Obstbüdchen der Familie Lang. Allerdings ist der kleine Schotterweg, der an Garagen vorbeiführt und parallel zu den Schienen verläuft, kaum zu sehen. Ute und Leo Lang haben eigenmächtig Schilder und Tafeln an die Baustellenabsperrschranken gehängt, damit Kunden, die mit dem Auto kommen den Weg finden. „Denn das Schild ‚Durchfahrt verboten‘, das an der Absperrschranke steht, hindert viele daran, einige Meter weiter zu fahren“, sagt Lang.

Bauherr ist das Land NRW

Kreuzaus Bürgermeister Ingo Eßer (CDU) weist daraufhin, dass der Landesbetriebs Straßenbau NRW der Bauherr ist und dafür sorgen muss, dass Händler für Kunden gut erreichbar ist. Nicht die Gemeinde. „Mir ist als Bürgermeister meiner Gemeinde selbstverständlich wichtig, dass auch kleine, bodenständige Betriebe ihr Dasein fristen können und mit ihrer Angebotsvielfalt Lebens- und Umfeldqualität bieten. Sie können versichert sein, dass mir all das sehr am Herzen liegt“, betont er.

Vor allem ein Satz erregt die Gemüter der betroffenen Händler. Eßer riet in einem Radiointerview, dass sich die Gewerbetreibenden Rücklagen zulegen könnten. „Es tut mir sehr leid, dass diese Aussage für manchen Hörer zynisch geklungen haben mag. Ich habe jedoch auf nichts anderes, als auf die geltende Rechtslage aufmerksam gemacht“, sagt er und ergänzt: „Es gehört leider zur Aufgabe eines Bürgermeisters, manchmal auch auf unangenehme Wahrheiten aufmerksam zu machen.“ Für Leo Lang kein Trost. „Wir haben im März aus der Zeitung erfahren, dass nach Pfingsten die Bauarbeiten beginnen. Das war ein viel zu kurzer Zeitraum, um noch Rücklagen anzusammeln“, sagt er.

Helmut Schneider (57), der nebenan die Kfz-Werkstatt betreibt, sind bis zu 30 Prozent seiner Kunden weggebrochen. „Eigentlich müssten zu uns jetzt sehr viele Autofahrer kommen und sich Winterreifen auf ihre Fahrzeuge ziehen lassen, aber die bleiben momentan weg.“ Der Unternehmer fühlt sich wie Familie Lang von der Gemeinde allein gelassen.

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