Dürener Serhat Cokgezen hat im ZDF den Durchbruch geschafft

Von: Stephan Johnen
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Ein Polizist mit einem Händch
Ein Polizist mit einem Händchen für Menschen: Serhat Cokgezen als Tarik Coban, hier mit Schaustellerin Renate Schroeter. Foto: ZDF/bola

Düren/Hamburg. Serhat Cokgezen war kein schlechter Schüler. Eigentlich lief alles sogar ganz gut: Nach der Grundschule wechselte der im Dürener Norden geborene Deutsch-Türke aufs Gymnasium. Seine Eltern waren stolz auf ihn.

Nur hatte der junge Serhat irgendwie keine Lust auf Schule. Vielleicht entwickelte er zu diesem Zeitpunkt seine Leidenschaft für dramatische Auftritte und das Theaterspiel. Zwei Rollen hatte der Junge perfekt sitzen: Ekelpaket und Charmeur.

Beide Rollen kamen von Herzen, manchmal klappte es jedoch nicht ganz mit der Ausgewogenheit. „Was willst du eigentlich mit deinem Leben anfangen?”, lautete die Frage eines Lehrers, auf die Serhat ausnahmsweise keine pfiffige Antwort wusste.

Es war eine Freundin, die ihn auf den Weg brachte. Sie war älter als er, sie war Schülerin einer Schauspielschule. Sie war die Antwort auf eine brennende Frage. Serhat wollte auf die Schule! Also auf die Schauspielschule. Das Engagement bei anderen Bildungseinrichtungen hätte er am liebsten mit 16 Jahren schon beendet.

Serhat Cokgezen hat es geschafft: Er ist Schauspieler geworden. Nach mehreren kleineren Engagements in der Türkei hat der heute 27-Jährige in Deutschland den Durchbruch geschafft. „Von Norddüren ins Zweite Deutsche Fernsehen”, sagt er. Die Rolle des Charmeurs beherrscht er noch immer perfekt.

Dass er auch weiter recht impulsiv sein kann, beweist er in der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante”. Dort spielt er seit März den deutsch-türkischen Polizeimeister Tarik Coban, einen Beamten frisch von der Polizeischule. „Coban ist zwar integriert, aber er hat noch seine Wurzeln”, erklärt Cokgezen, warum ihm die Rolle so sympathisch ist. Coban ist als Figur ein Typ mit Ecken und Kanten.

Nächste Woche wird in Hamburg wieder gedreht. „Disziplin ist alles beim Dreh”, sagt Cokgezen. „Und ich hatte in der Schule immer Probleme mit der Disziplin”, fügt er mit einem schelmischen Grinsen hinzu. Ja, die Einstellung zu manchen als preußisch geltenden Tugenden habe er an der Schauspielschule in Köln grundlegend geändert.

Theater ist nunmal kein Spiel. Es ist harte Arbeit. Und es war auch nicht gerade leicht, überhaupt Einlass zu erhalten, berichtet Cokgezen. Nur gut, dass er ein echter Sturkopf sein kann.

„Lern erstmal ein bisschen die Welt kennen”, lautete damals der Rat, als sich der junge Mann bei einem Probekurs an der Schauspielschule vorstellte. Cokgezen muss heute noch den Kopf schütteln, wenn er an diesen Satz denkt.

„Ich kannte die Welt”, sagt er. Er hat gekocht, als Kellner gejobbt, an der Seite seiner Mutter geputzt und Pizza ausgeliefert. Cokgezen konnte kochen, bügelte Hemden wie ein Ass und wusste auch mit Nadel und Faden umzugehen. Er hatte schon viele Rollen im Leben übernommen.

Cokgezen: „Ich wusste auch, dass ich Talent habe.” Das sahen andere auch so. Der junge Mann wurde schließlich an der Schauspielschule angenommen.

Um das Schulgeld zu bezahlen, arbeitete er zum Teil im Theater-Café. Die Eltern halfen ihm, soweit es der finanzielle Spielraum zuließ: Die Mutter ist Putzfrau, der Vater Gabelstaplerfahrer. „Vier Jahre Geld bezahlen, anstatt etwas zu verdienen - meine Eltern wussten nicht, was Schauspielerei für eine Arbeit sein soll”, sagt er. Dass sie ihn dennoch unterstützt haben, dafür sei er ihnen unendlich dankbar.

Der erste Rückschlag kam bei einer Prüfung im klassischen Sprechunterricht. „Wenn Dir jemand sagt, dass dein Deutsch Mist ist und es nicht ausreicht, dann tut einem das schon weh”, berichtet Cokgezen. Es kam, wie es kommen musste: Der Schüler zeigte zunächst Emotionen und fand anschließend deutliche Worte. „Ich bin schon ein Macho-Typ”, räumt er ein.

Aber letztlich wurde sein Ehrgeiz geweckt. Er nahm zusätzlichen Sprachunterricht, arbeitete mit einer Logopädin. Und er spielte gegen die Klischees an, indem er sich auf klassische Theaterrollen fokussierte. „Ich wollte nicht den Kleinkriminellen mit türkischem Akzent in einem Gangster-Ghetto-Film spielen”, sagt er. Er wollte etwas lernen - und zugleich zeigen, wozu er selbst in der Lage ist. Da zeigte sich wieder seine neue Liebe zur Disziplin.

„Schönen Stress” nennt Cokgezen es. Bereits vor seinem Abschluss spielte er die Rolle des Ferdinand in Shakespeares „Der Sturm”. Später trat er als Don Carlos und als Hauptmann Deveroux in Wallenstein auf die Bühne. „Alter, ich kann auch Shakespeare”, sagt Cokgezen mit einem Augenzwinkern.

Was jedoch zuletzt fehlte, war ein festes Engagement. Die Filmauftritte in der Türkei machten ihn zwar bekannter, aber nicht reich. In den vergangenen vier Jahren erhielt Serhat Cokgezen immer wieder Unterstützung von der Jobcom des Kreises Düren. Es sei nicht immer leicht gewesen, als Hartz-IV-Empfänger seine Rolle zu erklären, sagt er diplomatisch.

„Du darfst dich nie unterschätzen lassen”, sagt er. Aber in der entscheidenden Phase habe „das Amt” zu ihm gestanden: Die Jobcom finanzierte ein Demo-Band. Ein befreundeter Regisseur stellte mit Cokgezen acht Minuten Szenen zusammen - eine Bewerbung in Filmform. Mit diesem Band bewarb sich Cokgezen beim ZDF.

Was daraus wurde, kann seit März im Fernsehen verfolgt werden. „Ich muss meiner Sachbearbeiterin noch zum Dank einen Strauß roter Rosen vorbeibringen”, sagt Serhat Cokgezen. Da ist er wieder, der perfekte Charmeur.

Serhat Cokgezen wurde am 22. Januar 1984 in Düren geboren. Von 2002 bis 2005 erhielt er seine Ausbildung an der Arturo-Schauspielschule in Köln und von 2006 bis 2007 an der Akademie für Kino, Film und TV in Istanbul.

Seit März 2011 spielt er die Rolle des deutsch-türkischen Polizisten Tarik Coban in der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante”. Tarik wird vom ZDF wie folgt beschrieben: Er ist ein smarter, gutgelaunter, emotionaler Typ mit großer Klappe. Er hat ein Händchen für Menschen.

Je nach Situation gibt er auch einmal den „Klischee-Türken”. Das Demo-Band zur Bewerbung wurde Serhat Cokgezen von der Jobcom des Kreises bezahlt.

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