Dürener Schüler gastieren im Berliner Admiralspalast

Von: Sandra Kinkel
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Aus einer Vision wird Realität: Peter Baur und „seine“ Schüler führen „Der überaus starke Willibald“ im Berliner „Admiralspalast“ auf. Foto: S. Kinkel

Düren/Berlin. „Man kann nicht früh genug damit anfangen, dass Kinder sich mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandersetzen. Man muss ihnen dieses schwierige Kapitel deutscher Geschichte nur kindgerecht rüberbringen.“ Peter Baur (64), weiß genau, wovon er spricht. .

Der frühere Leiter der Nikolausschule im Dürener Stadtteil Rölsdorf hat vor drei Jahren mit den Grundschülern das Musical „Der überaus starke Willibald“ uraufgeführt. Nun gastieren die Kinder, mittlerweile zwischen zehn und 13 Jahre alt, mit ihrem Stück auf der Studiobühne des Admiralspalastes in Berlin. Zwei Vorstellungen (Montag und Dienstag) spielen die Jungen und Mädchen, insgesamt können 1000 Zuschauer dabeisein

„Es war meine Vision, das Stück in Berlin, Dresden oder Leipzig aufzuführen“, sagt Baur, „weil diese drei Städte extrem unter dem Nationalsozialismus gelitten haben.“ Seit 2010 hat er daran gearbeitet, seine Vision von einem Gastspiel zu verwirklichen, unzählige Gespräche geführt und irgendwann Kontakt zu Ditmar Gatzmage vom Verein „Westwind – Wir Nordrhein-Westfalen in Berlin“ bekommen. Das Projekt kam ins Rollen. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann ist die Schirmherrin.

Jugendliche der Lehrwerkstatt „Manege“ des Don-Bosco-Zen­trums Berlin-Marzahn haben für die Nachwuchsschauspieler aus Düren die Kulissen gebaut, auch die Verantwortlichen des Admiralspalastes haben die Dürener bei ihren Vorbereitungen tatkräftig unterstützt. „Der Admiralspalast ist schon ein sehr besonderer Ort. Hier treten Stars wie Max Raabe auf, aber es gibt auch einen sehr interessanten geschichtlichen Hintergrund. Während des Nationalsozialismus war der Admiralspalast ein Propagandahaus“, sagt Baur.

Für ihre Aufführungen in Berlin haben die Schauspieler aus Düren nach den Sommerferien wieder mit den Proben begonnen. „Alle, denen ich von Berlin erzählt habe, waren absolut begeistert. 20 Kinder sind mit in die Hauptstadt gefahren“, sagt der frühere Schulleiter. Wie schon bei der Premiere in Düren spielen Luca Zähringer und Nicole Stumpf die Hauptrollen. „Wir mussten wieder ziemlich viel Text lernen“, sagt Luca. „Aber es ist natürlich toll, in Berlin aufzutreten.“ Bauer ergänzt: „Meine Kinder haben für diese Aufführung in Berlin gekämpft.“

Die Kinder verbringen vier Tage in der Hauptstadt. „Diese Reise nach Berlin ist auch eine Belohnung für die vielen Proben und das überaus große Engagement der Kinder. Nicht nur in den vergangenen Wochen, sondern auch bei der Uraufführung im Haus der Stadt in Düren“, sagt Baur. Unter anderem haben die Rölsdorfer Kinder sich das Holocaust-Mahnmal angeschaut. Nicole Stumpf: „Ich finde es schlimm, wenn Menschen ausgegrenzt werden, weil sie anders sind. Und dass das nicht mehr passiert, daran soll das Mahnmal erinnern. Aber auch unser Stück.“

Das Buch erzählt die Geschichte des Nationalsozialismus auf kindgerechte Art. Der überaus starke Willibald nutzt die Angst vor der Katze, um sich zum Boss des Mäuserudels aufzuschwingen. Nur die kleine Lillimaus wagt sich gegen Willibald aufzulehnen. Aber sie ist anders als die anderen Mäuse, Lillimaus ist eine Albinomaus. Sie wird in die Bibliothek verbannt, wo es nichts zu fressen gibt ...

Übrigens: Baur hat in Berlin schon die nächsten Kontakte geknüpft – zum Schlosspark-Theater, an dem Dieter Hallervorden Intendant ist. „Und der setzt sich ja auch sehr für Projekte gegen den Rechtsradikalismus und Nationalsozialismus ein“, sagt Baur, der auch für Düren Pläne hat. „Ich plane, das Stück noch einmal mit jüngeren Kindern einzustudieren.“ Und da ist der frühere Schulleiter wieder bei seinem großen Anliegen: „Man kann nicht früh genug mit dem Thema anfangen.“

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