Dürener Prozess um Gewalt gegen Polizei: Noch 18 Zeugen

Von: wos
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Der jüngere der angeklagten Brüder beim Prozessauftakt im Aachener Landgericht. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Seit Ende Mai müssen sich im sogenannten Knöllchenstreit drei Mitglieder einer Familie aus der Scharnhorststraße vor dem Aachener Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung gegenüber einer Reihe von Polizeibeamten verantworten.

Unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme versucht die 5. Große Strafkammer das Chaos aufzuklären, das sich am 12. November 2016 vor dem Haus der Familie ereignet hat. Auslöser war der Streit um ein Knöllchen eines Mitarbeiters des Ordnungsamtes, der von dem Familienoberhaut der Familie angepöbelt und bedroht wurde.

Vor der jetzt anstehenden Sommerpause im Prozess haben bereits 47 Zeugen vor der Kammer, vor der sich der 47-jährige Familienvater und die beiden 28 und 29 Jahre alten Söhne verantworten müssen, ausgesagt. Das Ergebnis sind immer wieder in Nuancen verschiedene Einschätzungen der Taten, die in dem Chaos stattfanden. Der Hauptvorwurf betrifft den Vater und den 29-jährigen Sohn. Letzterer soll auf den Streifenführer des Polizeifahrzeuges, das damals zuerst vor Ort eintraf, mit einem Radmutterschlüssel so hart eingeschlagen haben, dass dem 37-jährigen Beamten die Knochen der Augenhöhle zerbarsten, er ist bis heute dienstunfähig.

Ein Rechtsmediziner ordnete jetzt allerdings die Verletzung des Polizisten Alexander Z. möglicherweise als Folge eines Faustschlages ein, konnte aber eine Verletzung mit einem „stumpfen Werkzeug“ auch nicht ausschließen. Die Angaben der Zeugen waren hier nicht eindeutig. Der verletzte Polizist hatte ausgesagt, zunächst habe sich der Vater mit hoch erhobenem Radmutterschlüssel auf ihn gestürzt.

Als er den Angriff mit Reizgas abwehren wollte, sei der ältere Sohn auf ihn zugestürzt und habe ihm Faustschläge ins Gesicht verpasst. Beides ist, wie man nun weiß, mit dem vom Rechtsmediziner festgestellten Verletzungsbild vereinbar. Als dann weitere Polizeikräfte zu Hilfe kamen, gab es auch an anderen Stellen auf der Scharnhorststraße tätliche Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Familienmitgliedern.

So werden nach der Sommerpause ab dem 16. August 18 weitere Zeugen gehört werden – 65 sind bislang geladen. Das muss nicht das Ende sein, denn weitere Anträge der Verteidiger könnten diese Zahl noch erhöhen. So wird das Mammutverfahren wegen eines simplen Knöllchens die Justiz in Aachen mindestens noch bis Ende Oktober beschäftigen.

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