Dürener Musiktage: Wie viel Jazz steckt noch in den Jazztagen?

Von: sj
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Oliver Mark (links) und Professor Wolfgang Breuer haben Zweifel, ob die Jazztage derzeit ihrem Namen gerecht werden. Foto: Stephan Johnen

Düren. „Der Großteil des Programms der ‚Dürener Jazztage‘ ist auf Partymusik ausgerichtet“, blickt Wolfgang Breuer, in Kreuzau lebender Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln, auf die vergangenen Jahre zurück.

Es ist kein Vorwurf, den Breuer da erhebt. „Die Stadt ist voll, auch wenn viele Menschen den regen Gesprächen während der Konzerte nach die dargebrachte Musik nicht wirklich zu interessieren scheint“, sagt er. Allerdings wisse er nicht, warum die Veranstaltungsreihe noch mit „Jazztage“ überschrieben ist. „Ein passenderer Titel wäre ‚Dürener Musiktage‘“, fügt er hinzu. „Das wäre wenigstens konsequent.“

Die Frage, wie viel Jazz noch in den Jazztagen steckt, geht Wolfgang Breuer nicht aus dem Kopf. Lange Zeit war er Vorsitzender des Jazz-Clubs, doch mit der derzeitigen Entwicklung des Festivals kann er sich nicht anfreunden. „Jazz in Düren wird mit einem Event verbunden, nicht mit einem kulturellen Ereignis“, sagt Breuer. Das ist schon eher ein Vorwurf, denn im Laufe der Jahre seien die Jazztage „verwässert“, der „musikalischen Beliebigkeit“ preisgegeben worden.

„Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder das Festival wird umbenannt, oder Organisatoren und Sponsoren machen sich gemeinsam Gedanken, wie der Jazz wieder tonangebend sein kann“, skizziert Oliver Mark, Mitorganisator der Konzertreihe „Planet Jazz“ in Düren, mögliche Wege. Eine dritte Möglichkeit fällt ihm auch noch ein: Das Festival setzt unter neuem Namen jeden Tag einen anderen musikalischen Schwerpunkt, von denen einer Jazz sein könnte.

Andere Städte lebten vor, wie ein Jazz-Festival weit über die Stadtgrenzen hinaus auch zum Marketinginstrument werden kann. „Wenn wir damit zufrieden sind, die Dürener und die direkten Nachbarn in die Stadt zu locken, können wir alles so lassen. Wollen wir aber auch Menschen aus anderen Regionen gezielt nach Düren holen und das Festival als bekannte Marke etablieren, muss sich etwas ändern“, sagt Oliver Mark.

Der erste Schritt müsste die Ausarbeitung eines Programms mit klar definiertem künstlerischen Anspruch sein. Ein roter Faden, bei dem beispielsweise jeder Abend auf dem anderen aufbaut, in einem Jahr gewisse Spielweisen im Vordergrund stehen, im nächsten Jahr eine Nische für experimentelle Musik geschaffen wird.

„Die Jazztage sollen keine Elite-Veranstaltung werden“, betont Oliver Mark. Aber er plädiert für eine Mischung aus konzertanten Abenden an kleineren, intensiveren Spielorten und großen Open-Air-Konzerten mit verbindenden Elementen wie „Lounge-Konzerten“, bei denen nicht nur die Musik im Vordergrund steht. Mark und Breuer sind überzeugt, dass nicht alles gratis sein muss. „Dies ist auch eine Frage der Wertschätzung“, findet Breuer, schließlich habe auch Kunst ihren Wert. Er kann sich vorstellen, dass in Kooperation mit Sponsoren Open-Air-Konzerte kostenlos sein könnten und bei kleineren Saalkonzerten mit „hochkarätigen und überregional bekannten Musikern“ Eintritt zu bezahlen wäre.

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