Dürener Krankenhaus: Teilzeitausbildung für Eltern

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
ausbildung_bu
„Es ist nie zu spät, eine Ausbildung zu beginnen”, sagt Schulleiter Heinz Lönneßen. Helene Fischer ergreift die Chance. Foto: Johnen

Düren. Diagnose Pflegenotstand. Spätestens seit den 60er Jahren wird dem deutschen Gesundheitswesen in immer kürzer werdenden Abständen ein personeller Mangelzustand attestiert. Will heißen: Auf immer mehr pflegebedürftige Kranke kommen immer weniger Fachkräfte.

Schenken wir als Patienten von morgen den Wissenschaftlern von heute Glauben, droht der nächste akute Pflegenotstand spätestens im Jahr 2030. Dann könnte, bildlich gesprochen, das Gesundheitswesen personell am Tropf hängen. „Früher oder später können wir dann freie Stellen nicht mehr besetzen”, wagt Heinz Lönneßen, Leiter der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege, einen Ausblick. Doch soweit soll es nicht kommen.

„Wir gehen neue Wege”

„Das Krankenhaus Düren geht mit einer Teilzeitausbildung neue Wege”, stellt Lönneßen ein Pilotprojekt vor, das im April startet (siehe Infokasten). Während in der Vergangenheit laut Lönneßen bundesweit 50.000 Stellen im Pflegebereich abgebaut wurden, und damit folglich auch die Zahl der Ausbildungsplätze sank, werden in Düren 20 neue Plätze geschaffen.

Zielgruppe sind besonders junge Eltern - Mütter und Väter. Ganz bewusst ein anderes Klientel als die klassischen Schulabgänger. „Wir haben mit Eltern bisher sehr gute Erfahrungen gemacht”, berichtet Lönneßen aus den Klinikalltag. „Eine gestandene Mutter von zwei oder drei Kindern verfügt beispielsweise über Fähigkeiten und Erfahrungen, von denen die jüngeren Mitarbeiter profitieren können”, nennt Lönneßen einen Vorteil, auch 30- oder 40-Jährigen eine Ausbildung anzubieten.

„Sie haben ja auch noch 25 Jahre Berufsleben vor sich - da ist es für einen Neuanfang nie zu spät.” Positiver Nebeneffekt für die Klinik: Kein Personalchef muss wohl damit rechnen, dass plötzlich die Familienphase eines Mitarbeiters beginnt.

In der fünf Jahre dauernden Ausbildung kann ein qualifizierter Abschluss erworben werden - und es bleibt dennoch ausreichend Zeit für Familie und Kinder, sagt Lönneßen. So soll der Unterricht in der Schule spätestens um 13 Uhr enden und in der praktischen Ausbildung können die Teilnehmer zwischen einer Drei- und Viertagewoche frei wählen.

Die Azubis sollen zudem besonders begleitet werden, um eventuelle „schwierige Lebenssituationen” zu überbrücken. Fünf Jahre sind schließlich eine lange Zeit. „Wir wollen die Auszubildenden dabei unterstützen, damit sie nichts aus der Bahn wirft”, versichert Lönneßen. Die Schule stellt zudem eine weitere Lehrkraft zur Betreuung des Kurses ein.

Eine künftige Auszubildende, die im Dürener Krankenhaus das Neuland Teilzeitausbildung betreten wird, ist Helene Fischer. Die 33-Jährige ist verheiratet und dreifache Mutter, der Älteste ist 15, die Kleinste acht Jahre alt. „Ich wollte von Jugend an in der Pflege arbeiten. Aber es ergab sich bislang nicht”, sagt sie. Menschen zu helfen - das sei eine Aufgabe, der sie sich gerne auch beruflich annehmen möchte. Erfahrungen sammelte sie nach einem Schwesternhelferinnenkurs im Altenheim.

Rückendeckung für ihren Entschluss, mit 33 eine Ausbildung anzufangen, gibt es aus der Familie. „Wenn nicht jetzt, wann dann?” lautete das Motto. „Wir haben in die Zukunft geschaut”, sagte sie. Wenn die Mutter ihre Ausbildung beendet hat, werden zwei der drei Kinder wohl selbst kurz vor dem Schritt ins Berufsleben stehen. „Vielleicht werde ich eine schwere Zeit haben, aber mit Gottes Hilfe schaffen wir das als Familie”, ist sie überzeugt. Die angehende Auszubildende will auch anderen Müttern und Alleinerziehenden Mut machen, einen solchen Schritt zu wagen.

Bislang ist die Ausbildung als Pilotprojekt angelegt. „Dies ist ein neuer Weg, der sich erst noch beweisen muss”, urteilt Heinz Lönneßen. Er selbst ist davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist. Der drohende Pflegenotstand ist dabei nur ein Argument, das aus seiner Sicht für eine Teilzeitausbildung spricht.

Es gibt noch freie Ausbildungsplätze

Die Teilzeitausbildung zum Gesundheits- und Krankheitspfleger im Dürener Krankenhaus startet am 1. April. Insgesamt stehen 20 Stellen zur Verfügung, es werden noch Bewerber gesucht. Voraussetzung für die Teilzeitausbildung ist ein sehr guter 10-A-Hauptschulabschluss, sagt Heinz Lönneßen, Leiter der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege. Auch Ausdauer sei gefragt, schließlich erstreckt sich die Ausbildung über fünf Jahre.

Weitere Informationen zum Ausbildungsangebot und zur Bewerbung erteilt die Pflegeschule unter Telefon 02421/301546.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert