Birkesdorf/Freetown - Dürener Kinderärztin im Ebola-Gebiet: „Keine Zeit, Angst zu haben“

Dürener Kinderärztin im Ebola-Gebiet: „Keine Zeit, Angst zu haben“

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Kontraste: Sara Hommel auf der Frühchen-Intensivstation im St.-Marien-Hospital und der Station in Freetown. Foto: smb

Birkesdorf/Freetown. Als Sara Hommel sich entschied, für ein halbes Jahr in einem Kinderkrankenhaus in Freetown, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes Sierra Leone zu arbeiten, war Ebola noch weit weg. Die Ärztin des Birkesdorfer St.-Marien-Hospitals hatte sich entschlossen, Kindern zu helfen, die unter Malaria leiden oder Lungenentzündungen haben.

Frühchen, die um das Überleben kämpfen. Kindern, die an Krankheiten sterben, die in Europa gut geheilt werden können. Aber irgendwann war sie mittendrin im Ebola-Gebiet, und sie blieb.

Viele Kinder sterben

Dabei war die Situation schon ohne Ebola schlimm. Die Stationen für die Frühchen in Freetown und in Birkesdorf könnten unterschiedlicher nicht sein. In Europa gibt es Inkubatoren und Hightech, in Freetown Bettwanzen und Mäuse. Um Kindern das Leben zu retten, muss häufig improvisiert werden. „Dass an einem Tag fünf Kinder sterben, ist keine Seltenheit“, schildert Sara Hommel. Das laute Trauern der Mütter geht ihr nicht mehr aus dem Kopf.

Trotz der schwierigen Bedingungen oder gerade deswegen hat sich die Ärztin für einen Arbeitsaufenthalt in Afrika entschieden. Das wollte sie schon seit ihrer Kindheit machen. Damals hatte sie einen Artikel über eine Frau gelesen, die in Burkina Faso ein Kinderheim aufgebaut hat. Jetzt, mit abgeschlossener Facharztausbildung, bot sich über die Kölner Organisation „Cap Anamur“ die Gelegenheit.

„Es gab viele Kinder, denen wir das Leben retten konnten. Das hat uns immer wieder aufgebaut und motiviert“, schildert die 33-Jährige. Der Austausch im Team, Sport und die Rückmeldungen aus der Heimat gaben ihr Kraft für die schwierige und belastende Arbeit.

Ebola kam immer näher. Die Ärzte entwickelten einen Fragebogen, um Betroffene rechtzeitig abzufangen. Bei der ersten Patientin, einem elf Jahre alten Mädchen, klappte das gut, sie wurde auf eine behelfsmäßige Isolierstation gebracht. Dann landete ein mit Ebola infiziertes Kind in einem Bett mit zwei anderen Kindern. „Der Vater hatte beim Aufnahmegespräch gelogen“, erzählt Sara Hommel. Die Klinik musste schließen. „Das war ein schlimmer Tag. Es waren noch 127 kranke Kinder vor Ort. Aber es war niemand mehr da, der sie versorgen konnte oder wollte.“

Auch wenn „Cap Anamur“ immer wieder angeboten hat, die Ärztinnen auszufliegen: Sara Hommel und ihre Bonner Kollegin Noah Freudenthal entschieden sich, zu bleiben. Zunächst ohne die Schutzanzüge, die man aus dem Fernsehen kennt. Nur mit Handschuhen, Kitteln und Mundschutz. „Wir haben uns schon Sorgen gemacht“, beschreibt die Medizinerin. An dem entscheidenden Montag hatten die Ärztinnen aber kaum Zeit, ängstlich zu sein. Aber sie waren froh, als die Inkubationszeit nach drei Wochen vorbei war.

Mut und Motivation verließen die Ärztinnen und ihre Mitstreiter nicht. Mit Handbüchern und Einrichtungsprogrammen begannen sie, eine Isolierstation zu planen und aufzubauen, damit in der Kinderklinik wieder Patienten behandelt werden können. „Jetzt ist ein neues Team vor Ort. Die Klinik ist offen, die Isolierstation läuft“, erzählt die Kinderärztin. „Wir konnten etwas Bleibendes schaffen.“ Die Ärztinnen haben Freetown früher als geplant verlassen, aber da war die Zahl der Ebola-Fälle noch überschaubar. Seitdem ist sie enorm angestiegen. Viele Menschen sterben aber auch an anderen Krankheiten, weil ihnen nicht geholfen werden kann.

„Dankbarkeit“ schöpft Sara Hommel vor allem aus ihrer Erfahrung. „Dankbarkeit dafür, dass es uns so gut geht und wir eine so gute Versorgung haben.“

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