Düren - Dürener Jugendamt: Zwölf neue Mitarbeiter, um Kosten zu sparen

Dürener Jugendamt: Zwölf neue Mitarbeiter, um Kosten zu sparen

Von: Stephan Johnen
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Jugendhilfe. Foto: Johnen
Eine Qualitätsverbesserung, die Geld spart: Für Jugendamtsleiter Manfred Savelsberg, Sozialpädagogin Rebecca Mielke und Thomas Floßdorf, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses (von links), ist das Dürener Projekt ein Erfolgsmodell. Foto: Johnen

Düren. Was tun, wenn die Kosten für die Jugendhilfe aus dem Ruder laufen? Geld ausgeben! Der Rat der Stadt Düren hat sich trotz leerer Kassen für Investitionen entschieden: Anfang des vergangenen Jahres begrüßte das Jugendamt zwölf neue Mitarbeiter. Kostenpunkt: 600.000 Euro im Jahr.

Die nicht ganz neue, aber nur selten umgesetzte Theorie hinter dem zunächst auf zwei Jahre angesetzten Projekt lautet: Wer heute in der Jugendhilfe investiert, kann morgen Geld sparen. Mit einem Einsparpotenzial von einer Millionen Euro rechnete Amtsleiter Manfred Savelsberg damals. Doch was ist aus den Zielen geworden?

„Wir haben im Allgemeinen Sozialen Dienst 1,4 Millionen Euro eingespart, da sind die Personalkosten schon berücksichtigt. Und bei den Einnahmen haben wir die Situation um 375.000 Euro verbessert”, rechnet Savelsberg im Gespräch mit der DZ vor. Im aktuellen Jahr sei die Entwicklung ebenfalls positiv. Von einem „klaren Erfolg” spricht Thomas Floßdorf (CDU), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, mit Blick auf die Statistik.

Doch bedeuten Einsparungen in der Jugendhilfe nicht eine Standardsenkung? „Im Gegenteil”, beteuert Manfred Savelsberg. Es habe eine „Qualitätsverbesserung” gegeben. Im Allgemeinen Sozialen Dienst bearbeiten die Mitarbeiter nicht wie bisher jeweils 80 bis 90 Fälle, sondern aufgrund der Personalaufstockung nur noch 60. Viele Akten wurden erst gar nicht angelegt, da schnell Hilfe geleistet oder vermittelt wurde.

„Wir haben eine Bugwelle vor uns hergeschoben, konnten Fälle nicht so bearbeiten, wie wir es wollten”, sagt Manfred Savelsberg. Seit vergangenem Jahr hingegen liegt die Zahl der abgeschlossenen deutlich über der Zahl der neuen Fälle. „Wir haben jetzt eine engere Anbindung an die Familien, können genauer hinsehen”, berichtet Savelsberg. Weil das Jugendamt besser wisse, was in einer Familie geschieht, sei auch besser abzuwägen, welches (günstigere) Hilfsangebot passt. So wurde beispielsweise früher, um die Gesundheit des Kindes zu schützen, im Zweifelsfall direkt eine Heimunterbringung angeordnet. Kostenpunkt: rund 50.000 Euro im Jahr. Die Zahl der Heimfälle hat sich im vergangenen Jahr von 147 auf 127 reduziert. Zur eigenen rechtlichen Absicherung habe das Amt früher eher die Unterbringung angeordnet als zunächst eine andere Hilfe auszuprobieren.

Mitarbeiter sind auch stärker direkt in die Beratungsarbeit eingestiegen anstatt Familienhilfen von Partnern der Jugendhilfe zu finanzieren. „Wir arbeiten im Alltag der Familien, mit den Familien”, berichtet Rebecca Mielke. Die 25 Jahre alte Sozialarbeiterin gehört zur Verstärkung des Teams. „Super-Nanny” will sie nicht genannt werden. Es gehe darum, die Familien zu stabilisieren, den Alltag zu strukturieren - und manchmal auch nur darum, kleine Tipps zu geben. Ein Einsatz, der sich später nicht nur im Stadthaushalt auszahlt, ist der Amtsleiter überzeugt.

Zu den Einsparungen kamen Mehreinkünfte hinzu, weil das Jugendamt Kostenbeiträge schneller heranzog, Unterhaltsverpflichtungen besser überprüfen und Kostenübernahmen von anderen Ämtern schneller bearbeiten konnte.

„Wir sind schon da, wo andere hinwollen”, sagt Manfred Savelsberg mit Blick auf das Bundeskinderschutzgesetz. So gebe es in Düren bereits Angebote der frühen Hilfen, einen Neugeborenenbesuchsdienst und eine fortgeschrittene Vernetzung aller Akteure der Jugendhilfe. Der Projektstart sei gut gewählt gewesen: Viele ältere Kollegen könnten so ihre Erfahrungen mit den jungen teilen. Die größere Personaldecke habe zudem Schulungen und Fortbildungen erlaubt. Savelsberg bedankt sich für das Vertrauen der Politik. „Wir können schneller und genauer arbeiten”, sagt er.

Diese Entwicklung möchte Thomas Floßdorf nicht bremsen. „Der gewünschte Effekt ist erzielt. Jetzt müssen wir den Mitarbeitern eine Perspektive bieten”, will sich der Jugendhilfepolitiker dafür einsetzen, die Befristung des Projekts aufzuheben und den Mitarbeitern eine Zukunft in Düren zu ermöglichen. Das Projekt sei nicht auf kurzfristige Effekte aus, sondern es beweise Weitsicht. Zumal es in Zukunft deutlich schwieriger werden dürfte, gut ausgebildetes und erfahrenes Personal zu finden, wenn auch andere Städte Nachfrage anmelden. Gleichzeitig würden auch die Anforderungen „massiv ansteigen”. Düren dürfe seine Trümpfe jetzt nicht aus der Hand geben.
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