Dürener Imker erntet Honig im Dschungel

Von: Stephan Johnen
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honig düren
Wissensvermittlung in tropischer Umgebung: Imker Frank Schmutzler (erstes Bild, mit Landwirt Sanogo Mamadou) und sein Sohn Mark (drittes Bild) waren zu Gast an der Elfenbeinküste. Fotos: privat
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Wissensvermittlung in tropischer Umgebung: Imker Frank Schmutzler (erstes Bild, mit Landwirt Sanogo Mamadou) und sein Sohn Mark (drittes Bild) waren zu Gast an der Elfenbeinküste. Fotos: privat
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Wissensvermittlung in tropischer Umgebung: Imker Frank Schmutzler (erstes Bild, mit Landwirt Sanogo Mamadou) und sein Sohn Mark (drittes Bild) waren zu Gast an der Elfenbeinküste. Fotos: privat

Birgel/Abidjan. Das deutsche Lebensmittelrecht ist nicht unbedingt leichte Kost. „Aber wer es befolgt, hat überall gute Chancen“, sagt Frank Schmutzler. Der Imker ist aus Afrika zurückgekehrt. Eine Woche lang war er an der Elfenbeinküste, in der Provinz Mé. 30 Kilometer von der Stadt Abidjan entfernt, stand er in Schutzkleidung mitten im Dschungel – und hat bei schweißtreibenden Temperaturen Bauern in die Imkerei eingewiesen.

Und in die Abfüllung von Honig, der alle Qualitätskriterien für eine Direktvermarktung erfüllt. „Ich habe mich schon immer für das Imkern im Dschungel interessiert“, sagt der in Birgel lebende Familienvater. Er war in Afrika Schüler und Lehrer zugleich. In naher Zukunft könnte er auch noch Dozent sein.

Der 51-Jährige ist der einzige Berufsimker im Dürener Land und war Kreisvorsitzender der rund 150 organisierten Imker an der Rur. Den Kontakt an die Elfenbeinküste stellten der gebürtige Ivorer Carlos Aje, der in Düren lebt, und der Merzenicher Bernd Ohlemeyer her. Beide sind seit zehn Jahren mit (Hilfs-)Projekten in dieser Provinz aktiv (Infokasten). Dort gibt es viele Kakao-Plantagen, und einige Bauern hatten sich an die Männer gewandt. Sie suchten ein Mittel, um die Erträge zu steigern und die Qualität zu verbessern. Frank Schmutzler hatte eine Idee: Bienen zur Bestäubung einsetzen. Klingt einfach, ist es aber nicht.

„Die wilden Bienen siedeln in Afrika ganzjährig in hohlen Bäumen“, erklärt Schmutzler. Um Platz für Plantagen zu schaffen, verschwinden diese Bäume jedoch – und somit auch die Bienen. In Deutschland hatte der Imker eine „Brutkiste“ gezimmert, die kostengünstig herzustellen ist – und diese an den ivorischen Landwirt Sanogo Mamadou verschickt.

Zur Vorbereitung hatte der Imker auch Besucher aus der Elfenbeinküste in Birgel. „Es ist allerdings etwas schwierig, die Imkerei in einem zweistündigen Crashkurs zu vermitteln“, sagt er augenzwinkernd. Also flog der Diplom-Biologe selbst an die Elfenbeinküste. Neben Bernd Ohlemeyer und Carlos Aje begleitete ihn auch sein Sohn Mark, der in Bonn Agrarwissenschaften studiert.

Zehn Kisten waren mittlerweile im Dschungel im Einsatz. „Ich war hochgradig nervös, schließlich haben wir Hoffnungen geweckt“, gibt Schmutzler im Gespräch mit der DZ zu. Umso erfreuter war er, dass sich in einigen Kisten Völker angesiedelt hatten – und sogar Honig geerntet werden konnte.

Vor Ort haben Frank Schmutzler und die Landwirte unter anderem daran gearbeitet, bessere Stellplätze für die acht ungenutzten Kisten zu suchen, damit diese auch angenommen werden. Auch praktische Übungen gehörten zum Programm sowie der Umgang mit und die Pflege von Bienenvölkern.

Mit dem „Institut für tropische Landwirtschaft“ in der Provinz Mé, einer Art Landwirtschaftsschule mit universitärem Zweig, will Schmutzler in Zukunft zusammenarbeiten. Er stellt Technik und Wissen zur Verfügung, damit Imker ausgebildet werden können. Gleichzeitig soll eine Werkstatt aufgebaut werden, um die Imker mit den Kisten zu versorgen. „Honig ist ein hochwertiges Lebensmittel, das sehr begehrt, aber rar ist“, bilanziert Schmutzler.

Durschnittlich 100 US-Dollar verdient ein Landwirt an der Elfenbeinküste im Monat. Für ein Kilo Honig seien vier Euro pro Kilo leicht zu erzielen, pro Kiste, die etwa 15 Euro kostet, könne ein Imker mit 15 Kilogramm Ertrag rechnen. Jeder Nebenerwerb könne den Menschen vor Ort helfen.

Der Großteil des Honigs werde aber wohl für den eigenen Bedarf produziert, mutmaßt Schmutzler. „Das Interesse an der Imkerei ist bei den Menschen sehr groß“, hat er erfahren. Es wird vermutlich nicht sein letzter Flug an die Elfenbeinküste gewesen sein.

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