Dürener hat Ticket für Paralympics in Rio 2016 schon gelöst

Von: Katharina Hütter und Ines Kubat
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Düren. Schwerer als gedacht liegt die Bronzemedaille in der Hand. „Die Silberne ist noch 100 Gramm schwerer. Und die Goldmedaille wiegt ein ganzes Kilogramm“, sagt Barbaros Sayilir. Die Bronzemedaille gewann er 2012 in London, als die ganze Welt auf die Sportler in Großbritannien schaute. Beziehungsweise als die Welt erneut nach Großbritannien schaute - nämlich zu den Paralympics.

Die Blindenschrift auf dem Metallkreis verrät, wo der 27-Jährige damals angetreten ist - und zwar in der Nationalmannschaft des Sitzvolleyballs. Mit seinem Erfolg geht der Dürener Sportler eher bescheiden um. Im Laufe seiner Karriere kamen viele Medaillen zusammen. Erst in diesem Oktober wurde sein Team in Warendorf Vize-Europameister.

Bei einem Autounfall im Alter von zwei Jahren verlor der junge Sportler sein Bein. Seitdem trägt er eine Prothese. Schon als Grundschüler hatte er den Drang, trotz Einschränkung so viel Sport wie möglich zu treiben. Also fing er an, im Verein zu boxen. Von Wettkämpfen war er jedoch wegen seines Handicaps ausgeschlossen. Als ihn irgendwann jemand zu einem Sitzvolleyballtraining einlud, war die Entscheidung schnell gefallen: „Von da an war ich infiziert.“

Jahrelang spielte Sayilir in der Sitzvolleyball-Mannschaft von Bayer Leverkusen und kam irgendwann in die Sportklasse des Vereins. Darin fördert der Verein Talente, indem er ihnen eine Ausbildung sowie Zeit für extensives Training ermöglicht. Schließlich wurde Sayilir Teil der Nationalmannschaft, ist heute Stammspieler.

Obwohl er den Sport schon so lange ausübt, muss er doch immer wieder die Regeln erklären: „Eine Pobacke muss beim Sitzvolleyball immer den Boden berühren“, erklärt Sayilir. Das Netz hänge tiefer, das Feld sei kleiner als beim bekannten Volleyball. Ansonsten unterscheiden sich die Regeln nur gering.

Unterschätzen solle man den Sport nicht: „Ab und zu laden wir Profivolleyballer ein und spielen in gemischten Teams. Die Gäste erreichen selten einen Ball, bevor der Punkt verloren ist“, sagt Sayilir. Denn im Sitzen über den Boden zu rutschen erfordere viel Training.

Obwohl sie bei den Paralympics starten, ist Sitzvolleyball auch ein inklusiver Sport: Der überwiegende Teil der Spieler hat eine körperliche Behinderung, allerdings dürfen auch „Minimals“, Spieler mit minimaler Behinderung, an Wettkämpfen teilnehmen.

Nur wenige deutsche Vereine haben eine Sitzvolleyballsparte, deshalb gibt es hierzulande auch keinen Ligabetrieb. „Ganz anders ist das in Ländern wie Bosnien-Herzegowina, dem Iran und in Russland.“ Dort genießt die Sportart viel größeres Interesse: „Wenn wir als Nationalmannschaft beispielsweise im Iran spielen, warten dort Kamerateams auf uns.“ Diese Länder seien die schwierigsten Gegner, sagt Sayilir. Die bosnische Nationalmannschaft hält derzeit den Weltmeistertitel.

In Deutschland fehle es nicht nur an Sponsoren, sondern auch an Nachwuchs und Bekanntheit. Deshalb macht die Nationalmannschaft an Schulen Werbung, zum Beispiel mit Probespielen gegen andere Teams. „Das stößt immer auf viel Begeisterung.“ Der Sportler hofft, dass möglicherweise der flächendeckende Inklusion helfe, seinen Sport ein wenig bekannter zu machen.

Statt sich aber allzu viel um den Nachwuchs zu sorgen, ist der Dürener mit dem Kopf schon beim nächsten großen Turnier: Denn die Nationalmannschaft hat ein Ticket für die Teilnahme an den Paralympics im nächsten September in Brasilien gelöst. „Wir trainieren sehr hart dafür. Und ich glaube, dass die Mannschaft auch Chancen hat, aufs Treppchen zu kommen. Aber Gegner wie Bosnien bleiben schwer zu besiegen.“ Ziel ist es aber dennoch, eine Medaille zu holen. Vielleicht sogar eine, die 100 oder gar 200 Gramm schwerer ist als die, die er gerade noch in der Hand hält.

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