Dürener gewinnt Boxkampf um „Internationale Deutsche Meisterschaft“

Von: Sandra Kinkel
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Jama Saidi (21, inks) aus Düren hat den Profi-Boxkampf um die „Internationale Deutsche Meisterschaft“ im Mittelgewicht klar mit Punkten gewonnen. Sein Gegner, der Berliner Ziso Poulitsa, war nahezu chancenlos. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Ich weiß nichts über meinen Gegner, aber ich bin ganz sicher, dass ich heute gewinne.“ Es ist Samstag, 17 Uhr, und Jama Saidi gibt sich selbstbewusst. Sehr selbstbewusst sogar. Saidi ist 21 Jahre alt und träumt von einer Karriere als Profiboxer. In sechs Stunden hat der gelernte medizinische Masseur, der mittlerweile seine eigene Boxschule betreibt, den vielleicht wichtigsten Kampf seiner bisherigen Karriere.

Jama Saidi boxt um die „Internationalen Deutschen Meisterschaften“ im Mittelschwergewicht (bis 72,5 Kilogramm). Sein Gegner ist der Berliner Ziso Poulitsa. Und Poulitsa ist am Samstag gegen den Dürener chancenlos. Nach zehn Runden holt Jama Saidi die Deutsche Meisterschaft mit 300 zu 273 Punkten an die Rur.

Jama Saidi ist ein junger Mann, der weiß was er will. Seine Familie stammt aus Afghanistan, der Boxer hat mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft. Für die Deutsche Meisterschaft hat er sich mit sieben gewonnenen Kämpfen (vier durch K.o.) qualifiziert und akribisch vorbereitet. Weil er alle sieben Qualifikationskämpfe gewonnen hat, ist er „Pflichtherausforderer“ und darf bestimmen, wo der Kampf um die Deutsche Meisterschaft stattfindet. „Für mich war klar, dass das in meiner Heimat Düren sein musste.

Saidi hat hart trainiert. „Unglaublich hart. Deswegen war ich mir auch so sicher, dass ich gewinnen würde.“ Gleichzeitig hat der 21-Jährige aber auch die komplette Veranstaltung in der Festhalle organisiert. Drei Monate haben die Vorbereitungen gedauert. Insgesamt 15 Kämpfe haben am Samstag stattgefunden, zum Hauptkampf um 23 Uhr waren rund 600 Zuschauer in Birkesdorf. „Das ist stressig“, sagt Jama Saidi. „Weil ich mich nicht nur auf den Kampf konzentrieren kann. Aber es funktioniert.“

In der Festhalle herrscht eine besondere Atmosphäre. Es ist stickig, es riecht nach Schweiß. Die Stimmung ist aufgeheizt. Die Zuschauer tragen entweder dunkle Anzüge mit Hemd und Krawatte oder Jogginghosen und T-Shirts. Die Männer sind deutlich in der Überzahl. Zwischen den Kämpfen ertönt laute, aggressive Musik.

„Das ist typische Box-Atmosphäre“, sagt Volker Specht, der aus Aachen nach Birkesdorf gekommen ist. „Genau so muss so ein Abend sein.“ Bei den Vorkämpfen ist der Geräuschpegel ziemlich hoch, die Menschen unterhalten sich. Immer wieder ist der Name Jama Saidi zu hören. „Die meisten sind wegen mir gekommen“, sagt der Dürener. „Die meisten gehören zu meiner Familie und meinem Freundeskreis.“

Um kurz vor 23 Uhr wird endlich die Deutschlandfahne in den Saal getragen, Ziso Poulitsa wird mit freundlichen Beifall empfangen. Dann kommt der Hausherr. Birkesdorf ist ein Heimspiel für Jama Saidi. Daran gibt es keinen Zweifel. Jamas Vater Burhanuddin Saidi ist im Ring und filmt. Kurz bevor es losgeht, küsst Saidi den Papa und die Deutschlandfahne. Seine Schwester Faro faltet die Hände. „Ich bin nervös“, sagt sie. „Hoffentlich gewinnt Saidi.“

Der Kampf beginnt. Sehr schnell wird deutlich, dass der Dürener der überlegenere Kämpfer ist. Saidi ist zwar viel kleiner als sein Gegner, dafür aber viel schneller, wendiger als Ziso Poulitsa. „Jama, das gewinnst Du!“, ruft Schwester Faro. „Pass‘ nur auf die Deckung auf.“

Gegen 23.45 Uhr ist der Kampf vorbei. Und Jama Saidi überglücklich. „Ich boxe seit meinem 13. Lebensjahr“, sagt er. „Das ist meine Welt.“ Der Deutsche Meistertitel soll nur eine Etappe auf dem Weg zu Saidis großem Ziel sein. „In spätestens fünf Jahren will ich in der Weltspitze boxen“, sagt er. Und da ist es wieder, sein riesiges Selbstbewusstsein.

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