Dürener Geschichtswerkstat erhält Horst-Konejung-Preis

Von: Stephan Johnen
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Achim Konejung, Vorstand der „Konejung Stiftung: Kultur“ (links), gratulierte Bernd Hahne von der Geschichtswerkstatt zur Verleihung des Horst-Konejung-Preises. Foto: Johnen

Düren. Wie sehr die Dürener ihr Stadtmuseum angenommen haben, zeigte sich einmal mehr am Samstagnachmittag: Die im größten Raum aufgestellten Stühle reichten bei Weitem nicht aus. Dicht an Dicht drängten sich die Gäste, um einer Preisverleihung beizuwohnen: Die Dürener Geschichtswerkstatt, deren ehrenamtliche Mitglieder durchaus auch als Motoren der Gründung des Stadtmuseums bezeichnet werden können, erhielt den mit 5000 Euro dotierten Horst-Konejung-Preis der gemeinnützigen „Konejung Stiftung: Kultur“.

„Vor allem die Aufarbeitung der Geschichte des jüdischen Lebens im Kreis Düren, die Publikation ‚Spuren‘ und das beispielhafte Engagement beim Stadtmuseum standen bei der Vergabe-Entscheidung im Vordergrund“, erklärte Stiftungsvorstand Achim Konejung.

Seit mehr als 25 Jahren setzt sich die Dürener Geschichtswerkstatt kritisch mit der Geschichte der Stadt Düren und der Region auseinander. „Die Geschichtswerkstatt hat die Aufarbeitung der NS-Geschichte in Düren angestoßen und wissenschaftlich aufgearbeitet, sie hat einen Dokumentenband zu den Rückriem-Stelen herausgegeben und eine Datenbank mit 6200 Namen jüdischer Bürger aus dem Kreis Düren zusammengetragen“, nannte Dr. Herbert Ruland, wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Grenzgeschichte an der Autonomen Hochschule der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, nur einige Beispiele. „Das alles ist kein Beruf, sondern Ehrenamt“ unterstrich der aus Düren stammende Historiker in seiner sehr kurzweiligen Laudatio, die mit vielen Anekdoten gespickt war.

Ruland drückte schließlich mit Bernd Hahne, dem Vorsitzenden der Geschichtswerkstatt und des Stadtmuseum-Trägervereins, die Schulbank, später waren sie Kommilitonen. Verdienst der Geschichtswerkstatt sei es auch, die Geschichte „von unten“ zu erzählen. Die Mitglieder erschlossen neue Quellen, interviewten Zeitzeugen. „Das konservative Geschichtsbild, das die Stadt prägte, wurde aufgebrochen.“ Um die Arbeit im Stadtmuseum zu unterstützen, überreichte Ruland gleich eine ganze Sammlung historischer Fotografien und mehrere Dokumente aus dem Familienbesitz.

„Wir bohren alle gemeinsam dicke Bretter. Sehr dicke Bretter“, sagte Bernd Hahne. Beispiel Zwangsarbeit in der NS-Zeit im Dürener Land. Ein Kapitel, das erst die Geschichtswerkstatt aufgeschlagen habe. „Auf die von der Industrie versprochene Aufarbeitung warten wir bis heute“, sagte Hahne. Ein Bewusstsein für diese Themen in der Öffentlichkeit zu schaffen gehöre zum Selbstverständnis der Werkstatt. Der Preis sei kein Schlusspunkt, sondern ein Ansporn. Stiftung und Geschichtswerkstatt wollen nun ein Symposium zum verantwortungsvollen Umgang mit Geschichte in der Region organisieren. „Wir bleiben auch in den kommenden 25 Jahren kreativ, produktiv und unbequem“, versprach Bernd Hahne.

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