„Dürener Gehörlosen-Verein“ feiert 100. Geburtstag

Von: kin
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Die beiden Vorsitzenden Brigitte Rothkopf (l.) und Stefan Dondorf feierten mit Hannelore Viehöver-Braun von der Selbsthilfe-Kontaktstelle und Käthe Hofrath (r.) vom Inklusionsbeirat den 100. Geburtstag des Gehörlosen-Vereins. Foto: Sandra Kinkel

Langerwehe/Düren. „Wir haben keine Nachbarn, mit denen wir uns mal eben so unterhalten können. Deswegen ist der Verein für uns so unglaublich wichtig.“ „Der Verein“, das ist der „Dürener Gehörlosen-Verein“, dessen Vorsitzende Brigitte Rothkopf aus Langerwehe kommt.

Rund 40 Mitglieder treffen sich einmal im Monat im Pfarrheim der Töpfergemeinde. Am Wochenende hat der Verein 100-jähriges Bestehen gefeiert.

Reden mit Mimik und Händen

Die Stimmung im Pfarrheim ist fröhlich, fast schon ausgelassen. Die Menschen lachen viel, sie reden mit Mimik und Händen und genießen das Zusammensein sichtlich. „Das, was heute zum Glück selbstverständlich ist“, sagt Dürens Bürgermeister Paul Larue bei der Geburtstagsfeier, „nämlich, dass Sie selbstverständlich ein Teil der Gesellschaft sind, war es vor 100 Jahren nicht. Als der Gehörlosen-Verein sich gegründet hat, lebten Menschen mit einer Hörschädigung in der Gefahr, isoliert zu sein.“ Die Vereinsgründung mitten im Ersten Weltkrieg, ergänzt Larue, sei damals ein starkes Signal gewesen. „Damals wie heute wollen Sie sich selbst helfen und die Gesellschaft auf Ihre Behinderung aufmerksam machen.“

Wichtigstes Ziel des „Gehörlosen-Vereins“ ist es, Menschen mit einer Hörschädigung Gelegenheit zum Treffen mit anderen Betroffenen zu geben. „Gehörlose Menschen brauchen Wertschätzung, Kontakte zu anderen Menschen“, erklärt Brigitte Rothkopf, die infolge einer schweren Krankheit im Alter von sechs Monaten selbst gehörlos ist. „Das war vor 100 Jahren so, und das ist heute immer noch so. Wir brauchen die Gemeinschaft, um uns unterhalten zu können, weil es für uns sehr schwer ist, mit Hörenden in Kontakt zu kommen und eine Unterhaltung zu führen.“

Der „Dürener Gehörlosen-Verein“ bringt eine eigene Zeitschrift heraus, in der die Mitglieder über politische und gesellschaftliche Themen informiert werden, beispielsweise über das geplante Bundesteilhabegesetz, das die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung regeln soll. Brigitte Rothkopf: „Natürlich gibt es mittlerweile Nachrichtensendungen, die von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt werden. Das geht allerdings manchmal so schnell, dass gerade ältere Gehörlose dem nur sehr schwer folgen können. Da helfen wir dann als Verein auch.“

Bereits in der Satzung von 1916 – damals hieß der Verein noch „Taubstummen-Verein-Düren-Rheinland“ haben die Gründer das „gesellige Zusammenkommen, die gegenseitige Information sowie viele gemeinschaftliche Wanderungen“ als Vereinsziele formuliert. „Diese Ziele sind immer noch gültig“, sagt Brigitte Rothkopf.

„Unsere monatlichen Treffen sind mit die wichtigste Aufgabe des Vereins.“ Seit 2001 hat der „Gehörlosen-Verein“ in Langerwehe eine neue Heimat gefunden. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Brigitte Rothkopf. „Vor allem, weil wir in Düren viele Jahre erfolglos nach geeigneten Räumen für unsere Treffen gesucht haben.“ Das Durchschnittsalter im „Gehörlosen-Verein“ beträgt 50 Jahre, vor allem auch deshalb, weil seit einiger Zeit der Kegelclub „Fidele Freunde“ dazugehört.

„Unsere Mitglieder“, erzählt Brigitte Rothkopf, „waren anfangs etwas skeptisch. Aber heute sind alle froh, dass die jungen Leute bei uns mitmachen.“ Gerade in der heutigen Zeit würden viele Vereine immer älter. „Der Nachwuchs bleibt fern. Umso mehr freuen wir uns über die jungen Kegler, die jetzt zu uns gehören.“ Bei der Vereinsgründung vor 100 Jahren, ergänzt Brigitte Rothkopf, habe es noch wesentlich mehr gehörlose Menschen gegeben als heute.

„Der medizinische Fortschritt macht viel möglich“, sagt sie. „Umso wichtiger ist es, dass unsere Belange nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden.“

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