Düren - Dürener Fußballteam mischt in der Bundesliga mit

Dürener Fußballteam mischt in der Bundesliga mit

Von: Stephan Johnen
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Mit einem internationalen Blindenfußball-Turnier wurde vor einem Jahr der Kunstrasenplatz des Berufsförderungswerkes eingeweiht. Am 6. und 7. Juli findet dort erstmals ein Bundesliga-Doppelspieltag statt. Foto: fjs
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Bereit für den Anpfiff: Trainer Andreas Heiser, Spieler Marco Horbacher, Schirmherr Wilfried Hannes und RBSSV-Vize Christoph Granrath (v.l.). Foto: sj

Düren. Mit Fußball kennt sich Wilfried Hannes eigentlich aus. Mehr als 300 Mal stand der Dürener für Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 bei Bundesligaspielen auf dem Platz, acht Mal spielte er im Trikot der Nationalmannschaft. „Mit dem Begriff Blindenfußball konnte ich zunächst einmal wenig anfangen“, räumt Hannes ein.

Als er gefragt wurde, Schirmherr eines Doppelspieltags der Blindenfußball-Bundesliga zu werden, hat diese Spielart aber seine Aufmerksamkeit geweckt. Hannes recherchierte, schaute sich Spiele im Internet an. Und er zollte den Sportlern gestern im Berufsförderungswerk (Bfw) Respekt: „Was die Spieler leisten, ist gewaltig.“ Wenn am 6. und 7. Juli die Partien angepfiffen werden (Infokasten), möchte Schirmherr Wilfried Hannes kein Spiel verpassen.

Gastgeber ist der Rheinische Blinden- und Sehbehindertensportverein (RBSSV). Mit der SG PSV Köln haben die Dürener eine Bundesligamannschaft aufgestellt, die auf dem vierten Platz der Tabelle rangiert. Das doppelte Heimspiel an der Rur ist eine Premiere für das Team. „Wir wollen auch am Ende der Saison im oberen Drittel der Tabelle stehen“, gibt RBSSV-Vize Christoph Granrath den Kurs vor. Trainer Andreas Heiser unterstreicht, dass neben sportlichem Ehrgeiz auch die Freude nicht zu kurz kommt.

„Lange Zeit diente der Blindensport vor allem dazu, dass die Menschen fit bleiben und nicht einrosten“, sagt Dr. Hans-Joachim Zeißig, Geschäftsführer des Berufsförderungswerkes (Bfw). Vor einigen Jahren reifte der Plan, das Sportangebot für blinde Menschen auszubauen, die Zusammenarbeit aller Akteure zu verstärken und die Sportstätten miteinander zu verknüpfen. Bfw, Louis-Braille-Schule und der Rheinische Blindenfürsorgeverein gründeten den RBSSV.

„Der deutsche Blindenfußball entwickelt sich zu einer Erfolgsgeschichte“, unterstreicht Robert Voigtsberger, stellvertretender Sportdirektor des Deutschen Behindertensportverbandes. Die Liga sei aber auch noch ein „zartes Pflänzchen“, das gepflegt werden wolle. Seit den 60er Jahren hat sich Blindenfußball besonders in Südamerika etabliert. Zögerlicher war die Entwicklung in Deutschland. Eine Bundesliga gibt es seit fünf Jahren. Wie in Düren entstanden an den Standorten der Blindenhilfe viele Vereine. „So etwas wünsche ich mir noch für viele andere Orte in der Republik“, bedankt sich Voigtsberger für das Engagement vor Ort.

Gespielt wird auf einem Spielfeld in Handballgröße. Die Torhüter sind Sehende, die jeweils vier Feldspieler einer Mannschaft werden von einem Guide, einer Art Lotse, oder vom Trainer von der Mittellinie aus per Zuruf geführt. Ein weiterer Guide steht hinter dem gegnerischen Tor – und gibt jeweils Entfernung und die beste Torschussposition durch. Der Ball macht selbst auf sich aufmerksam: Er ist eine Art Rassel. Kleiner als ein Fußball, viel schwerer.

Während bei den Zuschauern mit Ausnahme des Torjubels vor allem Stille zu herrschen hat, dominiert eine rege Geräuschkulisse das eigentliche Spielgeschehen: Der Ball rasselt, die Spieler geben ihre Position durch den obligatorischen Ruf „Voy!“ („Ich komme!“) bekannt und die Torhüter weisen per Stimme die Verteidiger auf ihre Positionen. „Am Ende eines Spiels ist man konditionell am Ende“, sagt Dürens Spieler Marco Horbacher und lacht.

Vor seiner Augenerkrankung hat der 21-Jährige bereits Fußball gespielt, er kennt beide Varianten. „Was früher Beinarbeit war, findet heute im Kopf statt“, sagt er. Blindenfußball sei taktischer – und verlange zwei Mal 25 Minuten volle Konzentration. Doppelpässe, Zweikämpfe und Gegenangriffe inklusive.

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