Dürener Frauenbüro will Hilfen geben und Mut machen

Von: Burkhard Giesen
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Das Themenspektrum der Arbeit von Christina van Essen ist vielfältig, wie auch die Plakate zu Veranstaltungen mit Undine Zimmer oder Rita Süssmuth dokumentieren. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Es gibt ja so herrliche, von Männern geprägte Klischees. Frauen, die trommeln, sind auf dem Selbsterfahrungstrip. Gibt es ganze Bücher drüber und noch mehr passende Workshops. Christina van Essen trommelt derzeit auch. Zumindest im übertragenen Sinn.

Die kommissarische Leiterin des Dürener Frauenbüros trommelt für ihre Veranstaltung am kommenden Dienstag, wenn der Internationale Frauentag gefeiert wird. Dabei ist diese Art von Trommeln gar nicht so sehr ihre Sache – Christina van Essen steht eher, wie sie es formuliert, für eine „unaufgeregte Amtsführung“. Den Frauenempfang zum Internationalen Frauentag schätzt sie besonders, weil die Veranstaltung eine wichtige Gelegenheit darstellt, den vielen Frauen in Düren für ihr Engagement zu danken. Nur dadurch, sagt sie, sind wichtige Schritte zur Gleichstellung möglich.

Familienphase beendet

Seit 2011 gehört Christina van Essen zum Team des Dürener Frauenbüros. Amtsvorgängerin Gilla Knorr hatte sie durch ihren Anstoß, das Team des Frauenbüros zu verstärken, auch motiviert, ihre Familienphase zu beenden und wieder ins Berufsleben einzusteigen. War sie vorher als Weiterbildungslehrerin und Dozentin tätig, ist es nun auch der direkte Kontakt in der Beratung, der einen Großteil ihrer Arbeit ausmacht. „Es gibt da viele Begegnungen mit Frauen, denen ich zur Seite stehen kann. Diese unmittelbaren Wirkungsimpulse sind es, die mich beflügeln.“

Zuhören ist dann wichtig, Hilfen anbieten, Informationen geben und Lösungen anregen. Zum Beispiel wenn es um Trennung und Scheidung geht. „Für viele Frauen ist das immer noch ein Trauma. Manche wissen nicht einmal, dass es ein Trennungsjahr gibt, oder sie sich ein eigenes Konto zulegen müssen“, erklärt Christina van Essen und schiebt hinterher: „Manche Frauen sind in solchen Situationen wie paralysiert“ – und das quer durch alle Schichten. „Es ist schon ein erster Schritt aus dieser Hilflosigkeit, wenn sie zu uns kommen“, sagt sie.

Ein anderes wichtiges Thema: Gewalt gegen Frauen. „Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass dieses Problem immer noch so erheblich ist. Oft schwingt das in Gesprächen zunächst nur im Hintergrund mit, weil es ein sehr angstbesetztes, tabuisiertes Thema ist.“ Hilfen geben und Mut machen, das klingt immer wieder bei den Themen durch, die Christina van Essen bearbeitet. Auch in einem ganz anderen Arbeitsfeld – der Chancengleichheit im Beruf. In Führungsetagen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert, auch in der Dürener Stadtverwaltung. „Arbeitsbedingungen müssen flexibler, moderner werden, sich an den Bedarfen der Familien orientieren“, fordert sie und hat dabei eine ganz praktische Idee: „Durch die Familienphase kommen Frauen in Teilzeit bei Führungspositionen weniger zum Zuge. Dabei könnten sich auch zwei Personen eine Führungsstelle teilen.“ Das hätte vielleicht noch den positiven Nebeneffekt der Führung in gemischten Teams.

„Jungs fördern sich gegenseitig besser. Das ist tradiert“, sagt Christina van Essen. Dabei herrsche immer noch eine überstarke „Präsenzkultur“. „Männer finden sich super klasse, wenn sie mindestens zehn Stunden im Büro sind. Ich sehe das eher so: Die können sich schlicht ihre Arbeit nicht einteilen. Effizienz hat nicht nur mit Präsenz zu tun.“ Optimistisch ist Dürens Frauenbeauftragte dennoch, gerade auch mit Blick auf die eigene Verwaltung: „Da werden Taten folgen, weil sehr viele Frauen nachrücken.“

Sorgen bereitet ihr eher, dass sich immer weniger jüngere Frauen engagieren: „Während wir noch für Gleichberechtigung kämpfen mussten, empfinden sich junge Frauen heute eher als gleichberechtigt. Dass das nicht stimmt, spüren sie oft erst im Berufsalltag, wenn sie eine Familie gründen oder wenn sie erfahren, was sie später an Rente erhalten.“

„Ich würde gerne Möglichkeiten finden, mehr junge Frauen in die Arbeit unseres Frauenbüros einzubinden“, sagt Christina van Essen. Dafür wird sie auch weiterhin trommeln.

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