Dürener „Folienfall“: Angeklagte bestreiten Gewalttaten

Von: Wolfgang Schumacher
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Wegen erpresserischen Menschenraubes müssen sich sieben Angeklagte vor dem Aachener Landgericht verantworten. Symbolfoto: dpa

Aachen/Düren. Anders als im Vortrag der Staatsanwaltschaft ging es am Donnerstag bei den ersten Einlassungen der Angeklagten im Dürener „Folienfall“ nur noch um bescheidene 80 Euro. Wegen dieser geringen Summe soll ein junger Mann aus Düren mehrfach geschlagen, in Folie eingewickelt und in der Badewanne einer Wohnung von Bekannten ansatzweise gefoltert worden sein.

Wegen der Vorfälle am 16. Oktober 2016 stehen seit Mittwoch sieben Angeklagte im Alter zwischen 22 und 36 Jahren vor der 9. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht und müssen sich dort wegen erpresserischen Menschenraubes in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung verantworten. Drei der Angeklagten wird „nur“ Beihilfe zu diesen Taten vorgeworfen.

Kern der Anklage sind die Geschehnisse in einer Dürener Wohnung, in der mittags eine Party gefeiert wurde, bei der sich die Teilnehmer wechselweise in einem Nebenzimmer vermutlich auch an Amphetaminen bedienen konnten. Joints seien ebenso im Spiel gewesen, sagten drei der Beschuldigten aus, die sich am Donnerstag vor der Vorsitzenden Richterin Melina Theiner zu den Vorwürfen äußerten.

In diese Wohnung, behauptet jedenfalls die Staatsanwaltschaft auf Grundlage der Aussagen des Opfers, hätten die fünf Männer und zwei Frauen den Schüler gebracht, nachdem sie ihn aus der Berufsschule gelockt und in ein Auto verfrachtetet hatten. Dort sei er dann massiv und gewalttätig unter Druck gesetzt worden.

Der 32-jährige Angeklagte Antonio N. aus Düren bestritt am Donnerstag nachdrücklich, überhaupt irgendetwas von Gewalttätigkeiten bemerkt, geschweige denn selber welche ausgeübt zu haben. Sicher seien die Schulden des Opfers zur Sprache gekommen. Doch Vorwürfe, er habe dem Opfer bereits im Auto Schläge verpasst, bestritt er. „Wir haben einträchtig auf dem Sofa gesessen“, beschrieb er die Situation in der Wohnung. Dann habe er genug gehabt und sei mit der wegen Beihilfe mitangeklagten Sonja G. (22) weggefahren.

Ein weiterer Angeklagter konnte sich wegen der vielen Drogen an wenig erinnern, während der Beschuldigte Julius H. (23) ebenfalls beteuerte, keine Gewalt gegen das vermeintliche Opfer ausgeübt zu haben. Auch er habe bereits früher als andere die Wohnung verlassen.

Aufklärung soll die Aussage des Opfers bringen. Der Berufsschüler soll am Mittwoch, 16. August, gehört werden.

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