Dürener Finanzexperte über „Grexit“, Eurozone und die Annakirmes

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
10388902.jpg
Der aus Düren stammende Finanzexperte hat die Kapitalmärkte immer fest im Blick. Derzeit beschäftigt er sich intensiv mit der Griechenland-Krise. Foto: Stock/Hannelore Förster

Düren. „Natürlich wünsche ich mir, dass dieser Wahnsinn mit Griechenland bald ein Ende hat. Aber es sind auch sehr spannende Zeiten. Wir betreten jeden Tag völlig neue Welten, ‚terra incognita‘ sozusagen.“ Der gebürtige Dürener Robert Halver (51) ist Kapitalmarktanalyst, arbeitet seit 1995 bei einer Bank in Frankfurt und ist gern gesehener Gast als Finanzexperte bei diversen Fernsehsendern.

„Ich bin zur Börse gekommen, wie die Jungfrau zum Kind“, sagt der Dürener, der gerne redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und selten ein Blatt vor den Mund nimmt. „Meine Familie hat ihr Brot immer mit Landwirtschaft verdient. Ich bin der erste, der Betriebswirtschaft studiert hat.“ Schon während des Studiums habe er seine Leidenschaft für Wertpapiere entdeckt. Und diese Leidenschaft hat den Vater einer Tochter nie mehr los gelassen.

„In meinem Beruf“, so Halver, „gibt es jeden Tag etwas Neues. Es gibt keine Muster, die sich wiederholen.“ Das sei bei der aktuellen Griechenlandkrise ganz genauso. „Es gibt keine historische Blaupause, kein vergleichbares Ereignis. Das ist einfach sehr spannend.“ Gebeten, die aktuelle Krise in einem Satz zusammenzufassen, muss Robert Halver nicht lange überlegen: „Eurozone: Pleiten, Pech und Pannen.“ Und schiebt noch hinterher: „Ohne die dauernden Kredite der Europäischen Zentralbank wäre die Eurozone schon längst am Ende. Der Versuch, über eine gemeinsame Währung ein einheitliches Europa zu schaffen, war nicht erfolgreich. Wenn wir so weitermachten, steht irgendwann die gesamte Eurozone vor dem Ruin.“

Halver redet sich fast ein bisschen in Rage. Man merkt dem Mann die Leidenschaft für Wertpapiere, die Leidenschaft für seinen Beruf deutlich an. Der Diplom-Kaufmann spricht sich deutlich für den „Grexit“ aus, also den Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone und die Wiedereinführung der Drachme. „Das Land braucht eine Perspektive, muss die Möglichkeit bekommen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Das geht aber nicht mit immer neuen Krediten.“

Eine neue, vergleichsweise schwache Währung würde Griechenland als Exportland interessant machen. „Nur so kann die Wirtschaft langsam wieder in Schwung kommen. Dem Land immer weiter Geld zu geben, hat den gleichen Effekt, wie Tomaten in der Sahara zu pflanzen: Sie finden keinen nährstoffreichen Boden.“ Trotz Krise kann der Börsen-Fachmann – wieder – gut schlafen. „Wenn ein Schwiegersohn jeden Tag zehn Mal das Wort Schwiegermutter sagt, tut es abends nicht mehr weh“, sagt er lachend. „Aber im Ernst: Wenn der ‚Grexit‘ kommt, sind wir darauf vorbereitet.“

Robert Halver liebt seine Arbeit, und das muss er auch, weil seine Arbeitstage oft erst um Mitternacht oder noch später enden. „Ja, ich arbeite viel, aber es macht mir Spaß. Wäre das nicht der Fall, würde ich etwas anderes machen. Sofort.“

Jedes Jahr zur Annakirmes

Seitdem seine Mutter nicht mehr an der Rur lebt, ist Halver, der es in der Leichtathletik-Abteilung von Düren 99 immerhin zum Vize-Kreismeister im Kugelstoßen gebracht hat, nur noch selten in Düren, einmal im Jahr aber immer. „Die Annakirmes lasse ich mir nicht entgehen, da treffen wir uns immer mit Leuten aus unserem Abiturjahrgang.“ Über den Rummel schlendern, quatschen und die kulinarischen Höhepunkte der Kirmes genießen, macht Halver immer noch Freude. „Drei Sachen dürfen für mich bei einem Kirmesbesuch nicht fehlen: ein Backfisch, so was können die Hessen nämlich nicht machen, ein leckeres Stück Pizza und ein Eis von der Bude gleich zu Beginn des Platzes. An meine Cholesterinwerte denke ich an diesem Tag nicht.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert