Dürener Autor schreibt Satire über die „finsterste Provinz“

Von: Ingo Latotzki
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Zugespitzte Satire: Der Dürener Autor Andreas Drouve.

Düren. Wenn er mal wieder in Düren ist, dort, wo alles begann, läuft er gerne durch den Burgauer Wald. Zügig und ausdauernd, meist mehr als zehn Kilometer. Andreas Drouve joggt seit vielen Jahren, es ist sportlicher Ausgleich zum Arbeitsalltag, der ihn oft an den heimischen Schreibtisch im spanischen Pamplona fesselt.

Drouve ist Autor, er hat mehr als 100 Reise- und Kulturbücher geschrieben, zudem Reportagen und Essays für Magazine und Zeitungen. Der gebürtige Dürener läuft nicht nur ausdauernd, er schreibt auch so – und, wenn man so will, geht er auch so auf Reisen.

Drouve, 52, zählt mittlerweile zu den renommiertesten deutschen Reisebuch-Autoren für die Iberische Halbinsel und Südamerika. Seit Jahrzehnten ist er unterwegs. Überall in der Welt, auf Recherche. Seine Reiseführer und Texte für Bildbände bieten neben der obligatorischen Information auch Reportagen, die den Leser teilhaben lassen an seinen Erlebnissen und Eindrücken.

Drouve ist ein genauer Beobachter, er schreibt dann oft mit einem Augenzwinkern und hat die Gabe, gleichsam zu informieren und zu unterhalten. Dieser Tage ist er in Düren. Am 10. November liest er im Hoesch-Museum (19.30 Uhr) aus seinem aktuellen Buch, für das er nicht Tausende Kilometer gereist ist. Vielmehr schickt er seinen Protagonisten auf eine Reise durch ein Berufsleben als Lokaljournalist.

Herausgekommen ist eine Satire („Den Letzten beißt der Grottenolm“), die einen intensiven Blick auf Land und Leute, vornehmlich in der deutschen Provinz, werfen soll. Drouve hat, wie er sagt, einen fiktiven Text geschrieben, der „an die Wirklichkeit angelehnt ist“. Er beschreibt viele Facetten des lokalen Lebens, es geht um Kommunalpolitik, Brauchtum, Vereinswesen, Lobbyismus – immer betrachtet durch die Brille des Lokalreporters, der von Berufs wegen auf der Zuschauertribüne sitzt und sich das Leben vor der Haustür ansieht. Drouve überspitzt, er bedient Klischees, er macht sich lustig, wie sich das für eine gute Satire gehört.

Vor vielen Jahren hat er selbst fürs Lokale gearbeitet, seine ersten Artikel schrieb er nach dem Abitur am Burgau-Gymnasium für diese Zeitung, später volontierte er bei der „Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen“. Der promovierte Germanist hat auch heute noch als freischaffender Autor im Norden Spaniens Kontakt zu Tageszeitungen, legt aber Wert darauf zu sagen, dass seine Satire „keine Autobiografie“ ist. Eher ein Episoden-Roman mit einem Ich-Erzähler, der eines Tages in die finsterste Provinz versetzt wird und sich mehr schlecht als recht mit seinem Schicksal arrangiert.

Das Buch, aus dem Drouve nächste Woche lesen wird, ist ein unterhaltendes Stück Literatur, zweifellos gut geschrieben, aber ohne den Anspruch zu erheben, Land und Leute vollständig so abzubilden, wie sie tatsächlich sind. Drouve kann auf den 270 Seiten trefflich übertreiben und ironisieren. „Ich möchte die Menschen an der Basis beschreiben“, sagt er, natürlich mit Substanz und pointiert. Sein Buch bezeichnet er als „netten Zerrspiegel, mit einem Körnchen Wahrheit“.

Nun ist er auf Lesereise und wird auf seiner Zwischenstation im heimischen Düren mit Sicherheit eines wieder machen: die Laufschuhe schnüren und durch den Burgauer Wald joggen.

„Den Letzten beißt der Grottenolm“, Schwarzkopf-Verlag, 9,99 Euro.

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