Düren - Dürener Aktivisten: Essen aus der Mülltonne

Dürener Aktivisten: Essen aus der Mülltonne

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
Joghurt, Gemüse, Konserven: M
Joghurt, Gemüse, Konserven: Mülltaucher suchen in Containern nach Lebensmitteln, die noch genießbar sind. Foto: Imago/Sabine Gudath

Düren. Was in den großen Müllcontainern der Supermärkte landet, kommt später bei Elena, Valerie und Rocco auf den Teller. Die drei ernähren sich von dem, was andere nicht mehr haben wollen.

Wenn die Geschäfte ihre Türen schließen und das Personal die Parkplätze verlassen hat, ziehen die Mülltaucher los, zum Containern. Und weil das je nach den genauen Umständen Hausfriedensbruch und/oder Diebstahl sein kann, haben Elena, Adriana und Rocco diese Namen bekommen. Sie wollen unerkannt bleiben.

Dass die drei Aktivisten das meiste, was sie zum Leben brauchen, im Mülleimer suchen, ist für sie nicht nur eine Frage des Geldes. Es geht ums Prinzip. Containern ist für sie Systemkritik - wider der Normgurke und der Wegwerfgesellschaft. Die Kritik richtet sich an die Produzenten genauso wie an die Konsumenten.

„Früher haben sich die Menschen auf ihre Sinne verlassen. Sie haben geschaut, gerochen und geschmeckt, ob die Milch und das Brot noch gut waren”, sagt Adriana. „Heute schauen sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum und schmeißen den Joghurt ungeöffnet in die Tonne.”

In den Geschäften werde dieses Prinzip auf die Spitze getrieben. Eine faule Tomate in der Packung, eine Delle im Getränkekarton oder eine kurze Haltbarkeit würden ausreichen, damit etwas im Müll landet. „Manchmal ist es auch nur das Ende eines Gewinnspieles auf der Verpackung”, kritisiert Elena. Und auch Rocco ärgert sich: „Es wird zu viel produziert, um zu jeder Zeit alles verfügbar zu haben. Entsprechend viel landet im Müll.”

Der junge Mann berichtet von Backfabriken in Großstädten, die ganze Container mit frischem Brot füllen. Dieses System wollen Elena, Valerie und Rocco nicht mit Einkäufen stützen. Es diene nicht mehr dazu, den Hunger der Menschen zu stillen, sondern dazu, Konzerne reich zu machen. „Menschen und die Natur werden ausgebeutet”, sagt Ellena.

Mehrmals pro Woche ziehen die jungen Leute los, sonntags oder nach Ladenschluss. Manchmal müssen sie über Zäune klettern, an anderen Märkten stehen die Container auf freier Fläche. Elena zeigt, was sie bei einer ihrer Meinung nach nicht besonders ergiebigen Tour ergattert haben: mehrere Fenchelknollen, ein Sack Kartoffeln, Paprika, Bananen einige Packungen gerade abgelaufener Schmand, zwei Packungen Milchschnitte (noch zwei Wochen haltbar), Eiskonfekt ohne Aufdruck eines Datums, eine Packung frische Champignons mit einem schimmligen Pilz, zwei Kräutertöpfchen und Kaffeesahne.

Nach guten Touren könne man problemlos mehrere Familien ernähren. „Wir können uns nur nicht vorher überlegen, was wir kochen wollen”, sagt Rocco schmunzelnd. Obst, Gemüse, Milchprodukte und Aufschnitt landen häufig im Container. Haltbare Lebensmittel wie Sprudelwasser, Nudeln und Reis seltener - wenn die Packung beschädigt ist. Manchmal fände man auch Kleidung, Dekoartikel oder Kosmetik.

Elena hat kein Problem damit, auch einen Kopfsalat aus dem Müll zu holen, „wenn er nicht im Siff liegt”. Es gebe sehr saubere Tonnen und dreckige. Da müsse jeder selbst wissen, was er noch essen will. Im Winter könne man auch Fleisch containern.

Der Umgang der einzelnen Mitarbeiter mit den Mülltauchern sei sehr unterschiedlich. „Manche stellen uns den Salat neben den Container”, erzählt Valerie. Dass das Containern in Gerichtsverfahren und Sozialstunden enden kann, ist für die Dürener Containerer nicht wirklich nachvollziehbar. „Es ist Müll”, sagt Rocco kopfschüttelnd.
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