Düren und Gradačac feiern ihre 15-jährige Städtepartnerschaft

Von: Ingo Latotzki
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Bürgermeister Paul Larue und sein Kollege aus Gradačac, Edis Dervisagic (3. und 4. von rechts), neben Vertretern aus Düren und der bosnischen Partnerstadt. Die Freundschaft besteht 15 Jahre und wurde dieses Wochenende im Rahmen des Pflaumenfestes in Gradačac gefeiert. Foto: Ingo Latotzki

Gradacac/Düren. Auf dem Rathausflur hängt ein Poster des Dürener Künstlers Rolf Lock: eine Ansicht von Düren. Draußen, an der Fassade, ist die Dürener Fahne zu sehen, neben der von Gradačac und dem Kanton Tuzla, in dem sich Dürens Partnerstadt befindet. 15 Jahre besteht diese Freundschaft nun fast auf den Tag, und deshalb gab es an diesem Wochenende eine kleine Feier.

Edis Dervisagic, der Bürgermeister von Gradačac, empfängt eine Delegation aus Düren, der neben Bürgermeister Paul Larue, die Fraktionsvorsitzenden Stefan Weschke (CDU), Bernd Essler (AfD), Fraktionssprecherin Verena Schloemer (Grüne) und SPD-Stadtrat Andreas Isecke angehören.

Feier zum Pflaumenfest

Es ist ein sonniger Tag, in der 42.000-Einwohnerstadt ist Betrieb, weil das Pflaumenfest gefeiert wird. Die Stadt Düren ist mit einem Stand vertreten und verteilt Broschüren und kleine Werbegeschenke. Passend zum Stadtfest stehen auch beim Empfang zur 15-jährigen Partnerschaft Pflaumen auf dem Tisch. Edis Dervisagic erzählt, wie froh er auch heute noch ist, dass Düren seine Stadt nach dem Bosnienkrieg „so intensiv unterstützt hat“.

Der Gradačacer Bürgermeister erwähnt die Siedlung, die mit Hilfe der Stadt Düren Mitte der 1990er Jahre errichtet wurde und Material, das die Dürener Feuerwehr damals nach Bosnien brachte. Dervisagic ist erst seit ein paar Jahren Bürgermeister. „Es gibt niemanden hier, der nicht von Düren gehört hat“, sagt er, „wir sind immer noch sehr dankbar“.

Der frühere Dürener Bürgermeister Josef Vosen hatte die mehr als 200 bosnischen Flüchtlinge, die vor über 20 Jahren in den alten Belgier-Häusern an der Euskirchener Straße lebten, mit finanzieller Hilfe und dem Bau einer Siedlung in Gradačac unterstützt. Vosen, der vor vier Jahren starb, machte mit diesem Projekt damals bundesweit Schlagzeilen. Dürens Bürgermeister Paul Larue sagte beim Empfang, dass damals der gesamte Dürener Rat hinter Vosens Initiative gestanden habe.

Die heutige Partnerschaft sei durch „das Miteinander der Menschen geprägt“. Es gebe einen Austausch von Mitarbeitern aus den beiden Stadtverwaltungen und von Schulen. Eine Delegation aus Bosnien nimmt regelmäßig am Dürener Stadtfest teil. Larue sagt, dass derartige Freundschaften zwischen Orten „im Kleinen auf die große Politik ausstrahlen“ könnten, weil sie zeigten, dass Partnerschaft gelingen kann, auch zwischen unterschiedlich geprägten Orten und Ländern. Im Mittelpunkt stünden immer die Menschen.

Schon jetzt Hilfen der EU

Einer, der das lebt, ist Ferhat Mustafic. Er war Mitte der 1990er Jahre Bürgermeister, als die Flüchtlinge aus Düren nach Gradačac kamen. Mustafic ist auch zum Empfang anlässlich des Partnerschaftsgeburtstages gekommen. Er sagt, die Dürener Politiker seien Freunde, was „das Wichtigste“ sei.

Er setzt auf Zusammenarbeit zwischen den Staaten und bezeichnet die Europäische Union als „bedeutendstes Projekt des Jahrhunderts“. Bosnien will Mitglied der EU werden, das Land hat einen Beitrittsantrag gestellt. In einigen Jahren ist es womöglich soweit, schon jetzt hat Gradačac beispielsweise finanzielle Hilfe für den Bau von Trinkwasserbrunnen von der EU erhalten.

Sollte Bosnien Mitglied werden, was Bürgermeister Larue dem Staat beim Empfang wünschte, hängt vielleicht bei einem der nächsten Partnerschaftsjubiläen neben der Gradačacer und der Dürener auch die europäische Flagge an der Fassade des Rathauses.

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