Düren möchte eine „inklusive Hauptschule“ auf den Weg bringen

Von: Stephan Johnen
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Düren überlegt, neue Wege zu gehen: Die Cornetzhofschule könnte mit der Hauptschule Burgauer Allee zu einer „inklusiven Schule“ verschmelzen. Foto: Johnen

Düren. Wer über Inklusion redet, meint das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen. Es ist das Ziel der Landesregierung, die Inklusion in den Schulen des Landes auszubauen. Die Förderung auch von Schülern mit unterschiedlichen Handicaps soll in den allgemeinen Schulen der Regelfall werden, der Unterricht in Förderschulen auf Wunsch der Eltern aber weiterhin möglich bleiben.

Die Stadt Düren möchte sich auf den Weg machen und dabei einen Mittelweg beschreiten. Kurz gesagt: Die Skizze einer möglichen Schulentwicklung sieht vor, dass die Förderschule Cornetzhofschule mit der Hauptschule Burgauer Allee zu einer Art „inklusiven Hauptschule“ verschmilzt. Die offizielle Bezeichnung lautet: „inklusive Schwerpunktschule für den Sekundarbereich I“. Die Bürgewaldschule soll als reine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen erhalten bleiben und womöglich erweitert werden.

„Der Gedanke ist richtig. Aber die Umsetzung geht zu schnell“, ging Barbara Kuhn-Röhl, Leiterin der Dürener Cornetzhofschule, im Schulausschuss auf die Inklusionspläne im Land ein. Es müsse das Anliegen aller Beteiligten sein, eine Förderschule für alle Kinder zu erhalten, „die nicht inkludierbar sind“. So gebe es im bisherigen Alltag einer Förderschule Kinder mit Handicap, die kaum der deutschen Sprache mächtig sind oder Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten, die sich nicht mehr als 15 bis 20 Minuten am Stück konzentrieren könnten. „Diese Kinder gehen im System sonst unter“, gibt Barbara Kuhn-Röhl zu bedenken. Inklusion könne dann zur Exklusion werden.

In den vergangenen Monaten habe es seitens der Verwaltung viele Gesprächsrunden mit den Schulleitungen, Eltern und Schülern zur künftigen Schulentwicklung gegeben. Ein Themenschwerpunkt sei dabei die weitere Entwicklung der beiden Dürener Förderschulen Cornetzhofschule und Bürgewaldschule gewesen. Sollte das derzeit in Vorbereitung befindliche Gesetz zur Umsetzung der Inklusion in Kraft treten, wird für den Fortbestand einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen eine Mindestschülerzahl von 144 vorgegeben. Laut Stadtverwaltung bestehe die Gefahr, dass beide Förderschulen diese Zahl zum Stichtag 1. August 2014 nicht werden vorweisen können.

„Im Bemühen um ein solides Gesamtkonzept ergaben sich Überlegungen, die Dürener Hauptschulen mit einzubinden“, sagte Bürgermeister Paul Larue. Aufgrund der mit Förderschulen bestehenden Kooperationen habe es bereits Schnittmengen gegeben. „Wir sind schon weit gekommen, aber entschieden ist noch nichts“, betonte Larue, dass es sich um Überlegungen handele, die im Schulausschuss erstmals vorgestellt wurden. „Intensive und konstruktive Gespräche“ habe es schon mit den Schulleitungen und Vertretern der Gemeinden Niederzier und Merzenich gegeben, die mit Düren Träger der Bürgewaldschule sind.

Welche Entwicklungen werden in der Skizze umrissen? Die Cornetzhofschule könnte ab dem Schuljahr 2014/15 mit der Haupzschule Burgauer Allee eine inklusive Schule mit dem Angebot verschiedener Förderschwerpunkte bilden. Auch eine schulformübergreifende Arbeit sei denkbar. Möglich wäre auch eine Kooperation oder darüber hinaus ein Verbund mit der Hauptschule Gürzenich. Das Gebäude der Cornetzhofschule wird dabei weiter genutzt. Die neue Schulform soll allen Kindern in kleineren Klassen ein gemeinsames, intensives Lernen ermöglichen. Die drei Grundschulklassen der Cornetzhofschule würden zum 1. August 2014 an die Bürgewaldschule wechseln.

Die Bürgewaldschule ihrerseits bliebe als Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen erhalten. Bedingung dafür wäre eine Auflösung des bisherigen Schulbezirks der Cornetzhofschule zugunsten der Schule im Dürener Norden. Gleichzeitig ist eine Kooperation mit der Hauptschule Birkesdorf geplant, auch die Ausweitung von Ganztagsangeboten könne die Schule attraktiver machen.

„Wir haben einen vorzeigbaren und zukunftsfähigen Vorschlag auf den Tisch gelegt“, wertete Paul Larue die bisherigen Überlegungen, die nun in den politischen Gremien aller beteiligten Kommunen diskutiert werden sollen. Für alle Schulen biete dieses Vorgehen „Perspektiven“. Ein Entwurf wurde bereits zur Einschätzung an die Bezirksregierung Köln geschickt.

„Wir schnüren gemeinsam in Düren ein Startpaket für Inklusion – mit einer Absicherung“, sagte Cornetzhof-Schulleiterin Barbara Kuhn-Röhl. „Ich finde es gut, dass wir uns auf den Weg gemacht haben“, urteilte Bürgermeister Paul Larue.

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