„Düren Kultur“: Im Land der aufgehenden Sonne

Von: Sandra Kinkel
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Zu Gast in Japan: Die Teilnehmer der „Wohnzimmer-Weltreise“ haben Sushi gegessen, Musik gehört und Origami gesehen. Foto: Sandra Kinkel
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Zu Gast in Japan: Die Teilnehmer der „Wohnzimmer-Weltreise“ haben Sushi gegessen, Musik gehört und Origami gesehen. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Narumi Matsybayashi ist aufgeregt. Die 62-jährige Frau wuselt durch ihr Haus im Dürener Stadtteil Rölsdorf und prüft noch ein letztes Mal, ob wirklich alles so ist, wie sie sich das vorstellt. Natumi Matsybayashi ist vor über 20 Jahren mit ihrem Mann aus Japan an die Rur gekommen – und hier heimisch geworden.

Am Dienstagnachmittag hatte sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Weltreise durch Wohnzimmer“ sechs Menschen aus Düren zu Gast, die sich sehr für Japan und die außergewöhnliche Kultur dieses Landes interessieren.

Der Dürener Kulturbetrieb „Düren Kultur“ hat sein Veranstaltungsjahr mit dem Thema „Heimat. Sehnsucht. Identität.“ überschrieben, die „Wohnzimmer-Weltreise“ passt perfekt zu diesem Motto. „Die Gastfreundschaft der ausländischen Bürger in Düren ist sehr groß“, sagt Dieter Bergheim, Fachbereichsleiter bei der VHS Rur-Eifel, der das Projekt betreut. „Wir hatten schon Reisen nach Ruanda und Tunesien. Albanien und Indien wird es auf jeden Fall noch geben. Frau Matsybayashi hat bei uns Origami-Kurse gegeben. Ich habe sie einfach angesprochen und sie gleich von der Idee überzeugt.“

Narumi Matsybayashi kommt aus der Gegend von Kyoto. „Für mich ist es sehr angenehm, in Deutschland zu leben. Dieses Land ist mir wirklich eine Heimat geworden. Trotzdem ist mir die japanische Kultur sehr wichtig. Ich finde es schön, dass es Menschen gibt, die sich dafür interessieren.“

Und die gibt es. Die Teilnehmerzahl bei allen „Wohnzimmer-Weltreisen“ ist begrenzt, die Nachfrage deutlich höher. „Ich muste immer Menschen absagen“, sagt Dieter Bergheim. „Diese Reihe kommt schon gut an.“

Wie die Gastgeber ihre „Reise“ gestalten, bleibt ihnen selbst überlassen. Narumi Matsybayashi hat in ihrem Wohnzimmer Kissen auf den Fußboden gelegt, dort soll ihre Reisegruppe Platz nehmen. „Bei vielen älteren Japanern ist es ganz normal, dass man auf dem Boden sitzt. Die Jüngeren haben schon Sitzmöbel.“

Das Wohnzimmer von Frau Matsybayashi ist dunkel, nur eine kleine Lampe auf dem Fußboden leuchtet in verschiedenen Farben, es riecht nach Räucherstäbchen. Aus dem CD-Spieler klingt Musik des japanischen Musikers Togi Hideki. Der Einstieg ist perfekt: Die Besucher kommen zur Ruhe, lassen sich ein auf den besonderen Nachmittag. Nach drei Musikstücken öffnet Narumi Matsybayashi eine weitere Tür, und jetzt – so scheint es jedenfalls – sind ihre Gäste endgültig in Japan angekommen.

Die Gastgeberin hat den Raum so dekoriert, wie die Japaner es zum traditionellen Mädchenfest („Hina-Matsuri“) tun, das immer am 3. März gefeiert wird. Auf einem treppenförmigen Regal, auf dem eine rote Decke liegt, stehen Puppen, die in traditionelle Kimonos gekleidet sind und die Kaiser, Kaiserin, Dienerinnen und Musiker in offizieller Hofkleidung darstellen. „Wir bitten bei diesem Fest um Glück und Gesundheit“, erklärt Frau Matsybayashi. „Eine Legende sagt zudem, dass das Mädchen einer Familie, das vergisst, alle Puppen vor der Nacht zum 4. März wegzuräumen, in diesem Jahr nicht heiraten wird.“

Es gibt aber nicht nur Puppen, Frau Matsybayashi hat Sushi und grünen Tee zubereitet. Auf dem Tisch liegen für jeden eine kleine Origami-Arbeit, ein Sushi-Rezept und eine Anleitung, wie das Essen mit Stäbchen funktioniert. Frau Matsybayashis Gäste kommen sehr schnell miteinander ins Gespräch. „Ich bin absoluter Japan-Fan“, sagt Anne Bachem. „Ich habe das Land vor drei Jahren auch schon einmal besucht.“

Woher ihre Liebe zu diesem Land kommt, kann Frau Bachem nicht wirklich erklären. „Irgendwann war die Faszination einfach da. Die japanische Kultur ist so vielschichtig, die können wir überhaupt nicht in Gänze verstehen. Aber sie ist sehr spannend.“

Genauso spannend findet Anna Bachem auch die Idee, einen Blick in fremde Wohnzimmer zu werfen. „Bei Leuten zu Hause kann man eine fremde Kultur noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel erfahren.“ Die Japan-Reise geht langsam zu Ende. Alle sind zufrieden, auch Narumi Matsyba-yashi.

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