DTV stellt das Leistungsturnen vorerst ein

Von: Carsten Rose
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Dieses Bild zeigt eine Sportart, die Dürens größter Vereine nicht wie in den vergangenen Jahren anbieten wird: das Leistungsturnen. Foto: dpa

Düren. Die lokale Sportszene hat ein Aushängeschild verloren: Der Dürener Turnverein (DTV) 1847, der größte Sportverein der Stadt, hat vor gut einem Monat seine Leistungsturngruppe aufgelöst. Interne Unstimmigkeiten haben auch Anteil daran, dass sich für die Rheinischen Meisterschaften, dem Saison-Höhepunkt am 8. Juli in Essen, nur drei Turnerinnen qualifiziert haben – 2016 waren es zehn. Was ist passiert?

Hintergrund: Trainer Manuél Heister, seit neun Jahren für die Leistungsturngruppe verantwortlich, und der Vorstand waren sich uneins über Vertragsinhalte. Am 8. Februar hat der DTV den 35-jährigen Trainer abgemahnt, weil er unter anderem ohne Genehmigung des Vereins Workshops und Sondertrainings auf eigene Rechnung in der vom DTV zur Verfügung gestellten Halle und mit vereinseigenen Geräten angeboten haben soll und dies den Anschein gehabt hätte, dass es sich um DTV-Angebote handele.

Heister widerspricht dem Verein in einigen Punkten („Ich werde für abgesprochene Dinge abgemahnt“) und hat daraufhin zum 30. April gekündigt, weil der Vorstand die Abmahnung nicht zurückgenommen hat und er das Verhalten als illoyal bezeichnet. Das geht aus E-Mails hervor, die der Redaktion vorliegen.

Weil der Verein kurzfristig keinen Nachfolger für den A-Lizenzler (höchste Lizenz) gefunden hatte, löste der DTV die weibliche Leistungsturngruppe zum 22. Mai auf. Das steht in einem Brief des Vorstandes der Turnabteilung an die betroffenen Eltern vom 1. Mai. Andere Turngruppen sind von der Entscheidung nicht betroffen.

Eltern und Turnerinnen wollten die Entscheidung nicht ohne Weiteres hinnehmen. Ihre Idee: ein neuer Verein, der die Hallenzeiten der ursprünglichen DTV-Leistungsturngruppe übernimmt. Der Vorstand lehnte ab; er bot aber an, dass die Turnerinnen das DTV-Startrecht behalten, um die erkämpften Ligaplätze nicht zu gefährden.

Das findet die Dürenerin Anna Tusinski, 19, die seit 15 Jahren beim DTV turnt, enttäuschend. Für sie steht fest, dass die Sportlerinnen die großen Verlierer der Differenzen zwischen Trainer und dem Verein seien. Weil Tusinski vor der Qualifikation zur Rheinischen Meisterschaft aufgrund der Querelen nicht wie gewohnt trainieren konnte, habe sie sich gegen eine Teilnahme entschieden, sagt sie. „Generell hat sich mein Leben von jetzt auf gleich verändert. Ich hatte sonst dreimal die Woche Training.“

Weiter meint sie: „An uns Turnerinnen wurde nicht gedacht. Ein neuer Trainer hätte keinen Sinn ergeben, weil Manuél mich seit neun Jahren trainiert. Ihm vertraue ich, wenn er mich auffangen muss. Vertrauen ist im Turnen sehr wichtig“, erklärt sie. „Wir wollten nur unter ihm weitermachen.“ Eine Alternative: Heister zu seinem neuen Verein (eventuell nach Euskirchen) zu folgen, wo er bereits vor Jahren tätig gewesen ist. Aber: „Jede Fahrt dauert eine halbe Stunde länger“, sagt Tusinski. Sie wisse nicht, ob sie das auf sich nehmen wolle.

Ähnlich sieht es Annette Hauser aus Nideggen. Ihre Töchter Nike, 9, und Anouk, 12, gehörten zu Heisters Schützlingen. Als Mutter hätte sie sich gewünscht, dass der DTV mehr an das Wohl der Kinder denkt. Sie sagt, dass es nicht so weit hätte kommen müssen. „Es ist an den Hallenzeiten gescheitert. Wir hätten sie mit dem neuen Verein auch befristet genommen, aber der Verein wollte sich keine Blöße geben.“ Sie bedauert auch stark, dass Jugendliche und Kinder, die lange miteinander trainiert haben, auseinander gebracht wurden.

„Chancen auf Treppchen“

Ihre Tochter Nike hätte bei den Rheinischen Meisterschaften bei regelmäßigem Training „Chancen auf ein Treppchen-Platz“. Sie ist mit dem Landesliga-Team mit nur einem Training in sechs Wochen am Samstag auf Platz drei (von acht) gelandet. Bis zu dem Wettkampf in Essen trainieren die drei Qualifizierten und sieben andere Turnerinnen privat bei Manuél Heister in einer Kreuzauer Turnhalle. Ob ihm jemand zu seinem neuen Verein folgt, wisse er nicht – ebenso wenig über die Zukunft der anderen mehr als 20 Turnerinnen.

Der Verein will sich auf Anfrage nicht äußern, weil es sich um Vereinsinterna handele. In jenem Brief vom 1. Mai bedauert der Vorstand der Turnabteilung die „Entwicklung für die Turnerinnen sehr, aber wir haben sie nicht herbeigeführt“. Auch geht daraus hervor, dass der DTV in Zukunft wieder „leistungsbezogenes Geräteturnen für Mädchen und Jungen“ anbieten möchte.

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