Dreifacher Triumph für Dürener Louis-Braille-Schule für blinde Kinder

Von: nh
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LVR-Schuldezernent Michael Mertens (2. v. l.) und Dürens Bürgermeister Paul Larue (r.) gratulierten mit Insa Backe und Wolfgang Franz den Gewinnern der NRW-Endausscheidung des Vorlesewettbewerbs. Foto: N. Holthoff

Düren. „Geil!” Bei Melissa Geray entlädt sich die Anspannung, war sie doch reichlich nervös und hatte „viel Bammel vor dem unbekannten Text.” Die Schülerin komplettierte den Dreifach-Triumph der Louis-Braille-Schule beim „Heimspiel” in der Stadtbücherei.

Mit ihr, Tim Böttcher und Larissa Tepelmann stellte die Rheinische Förderschule an der Meckerstraße am Dienstag beim Punktschriftlesewettbewerb NRW die Sieger in allen drei Gruppen.

Die beiden sehbehinderten Mädchen werden das Land im April bei der Bundesausscheidung während der Leipziger Buchmesse vertreten.

Blinde junge Leute aus sechs Schulen (Bielefeld, Düsseldorf, Münster, Köln, Soest und Düren) nahmen an dieser Endausscheidung teil, die zum zweiten Mal von der Louis-Braille-Schule durchgeführt wurde. „Voriges Jahr waren es nur drei.

Man sieht, dass dieser Wettstreit bei den Teilnehmern gut ankommt und zum Mitmachen motiviert”, freute sich Wolfgang Franz, Leiter der Dürener Schule.

Aus den Klassen 5/6 sowie 5-7 waren je vier Teilnehmer am Start, wobei die Jüngsten nur einmal antraten, um einen bekannten Text vorzutragen, während die Älteren zusätzlich ein unbekanntes Stück bewältigen mussten; dies galt auch für die beiden Teilnehmerinnen der Klassen 7-10.

„Setz dich bequem und aufrecht hin, atme tief durch und entspanne. Wir warten auf dich und hören gut zu”, gab Franz den Kandidaten mit auf den aufregenden Weg, auf dem sie von Angehörigen und Lehrern begleitet wurden.

Die „Kleinen” lasen aus der bekannten „Malschule”, die Größeren aus „ Fünf Freunde und die verschwundene Biolehrerin” und die Großen aus „Pippi beim Kaffeeklatsch”.

Die unbekannten Texte drehten sich um Louis Braille, den Erfinder der Blindenschrift, dessen 200. Geburtstag sich in diesem Monat jährte, sowie um „Im Chat war er noch süß”.

Die Textblätter mit einer Hand fixiert, gleiten drei Finger der anderen Hand über die Punktschrift, ertasten die Worte, fügen sie zu Sätzen zusammen.

Im Saal ist es mucksmäuschenstill. Zwischendurch huscht ein Lächeln über die Gesichter der Vortragenden: Der Satz gerade ist lustig. Oder eine „Stolperfalle” gemeistert. Am Schluss jedes Vortags brandet lautstark Beifall auf.

Einige haben sich tage-, andere sogar wochenlang auf diese NRW-Endausscheidung vorbereitet, den bekannten Text immer und immer wieder gelesen.

Nach zwei Stunden rauchten die Köpfe der Jury-Mitglieder Wolfgang Franz, Insa Backe (WDR Lilipuz), Sonderschullehrerin Tina Lorig sowie Rolf Herfs (Selbsthilfe Blinde).

„Es war teilweise sagenhaft schwer, weil die Teilnehmer äußerst eng beieinander lagen”, bekannte Franz. Alle hätten „toll vorgelesen, laut und deutlich gesprochen”. Franz: „Die Leistungsdichte war super und das Niveau deutlich höher als im Vorjahr.”

Die Siegerehrung nahmen Dürens Bürgermeister Paul Larue und Michael Mertens, Dezernent für Schule und Jugend im Landschaftsverband Rheinland, vor. Für alle Teilnehmer gab´s eine Urkunde und ein Hörbuch, die Gewinner der drei Gruppen erhielten zusätzlich ein Jahres-Abo einer Blindenzeitschrift.
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