Drei „Stolpersteine” gegen den Rassismus

Von: Franz Sistemich
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Die Namen von Mutter, Tochter und Sohn erinnern in Hochkirchen an das Schicksal der jüdischen Bevölkerung wahrend der Nazizeit. Foto: sis

Hochkirchen. „Die Verbrechen können nicht rückgängig gemacht werden. Aber wir entreißen die Opfer dem Vergessen, geben ihnen einen Namen und einen kleinen Ort zurück, erinnern daran, was geschehen ist und was passieren kann, wenn Rassismus, Antisemtismus und Hass in einer Gesellschaft beheimatet sind”, sagte am Wochenende Dr. Herbert Poensgen.

Eiskalt war es an diesem Morgen, als der Künstler Gunter Demnig drei „Stolpersteine” vor dem Haus an der Kirchstraße 5 in Hochkirchen im Beisein von Verwaltung, Politikern und Bürgern verlegte. In diesem Haus von Poensgens Großvater Johann lebte bis zum 2. Juli 1941 eine Jüdin mit zwei ihrer sieben Kindern zur Miete. An eben diesem Tag wurden Berta Schwarz, Tochter Emma und Sohn Moritz wie die übrigen jüdischen Einwohner Hochkirchens deportiert.

Die Mutter und ihre Kinder überlebten den Holocaust nicht: Berta Schwarz, 1862 geboren, starb am 10. Februar 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. Die 1892 geborene Emma Schwarz wurde an einen unbekannten Ort gebracht. Auch ihr Todesdatum ist nicht bekannt. Ihr sechs Jahre jüngerer Bruder Moritz gehörte zu den rund 2100 deutschen Juden, die in das Vernichtungslager Majdanek transportiert wurden. Er wurde am 12. Juli 1942 ermordet.

Zuflucht hatten Vater Philipp Schwarz, seine Frau und die beiden Kinder 1934 in Hochkirchen gesucht. Nur wenige Kilometer weiter war ihnen die die antijüdische Stimmung zu stark geworden. 1938 feierten die Eheleute Schwarz ihre Goldene Hochzeit. Wenig später der Vater. Sohn Moritz beerdigte ihn auf dem jüdischen Friedhof in Lüxheim. Anderen Kindern von Berta Schwarz gelang die Flucht, sie aber blieb in Hochkirchen. Gertrud Holstein, die Tante von Herbert Poensgen, erlebte als Jugendliche, wie eine Tochter die Mutter geradezu flehentlich bat, mit ihr zu fliehen - vergeblich. Die Mutter glaubte, der Spuk werde bald vorbei sein.
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