Drei Profis im Gespräch: Von viel Geld, viel Talent und noch mehr Willen

Letzte Aktualisierung:
gerhardt
Profi-Sport aus und in Düren: Yannick Gerhardt aus Kreuzau kickt heute beim VfL Wolfsburg... Foto: Sven Hoppe/dpa
13737656.jpg
...Jaromir Zachrich spielt seit sechs Jahren bei den SWD Powervolleys... Foto: G. Jansen
13738159.jpg
...und Kai Schäfer gehört seit 2015 zum Team des 1. Badminton-Clubs Düren. Foto: S. Robertz

Düren. Drei Männer, drei Profisportler: Unsere Zeitung hat Fußballer Yannick Gerhardt, Volleyballer Jaromir Zachrich und Badminton-Spieler Kai Schäfer zum Interview gebeten. Nicht dabei war Handballprofi Simon Ernst aus Birkesdorf. Der 22-Jährige wäre zwar gerne dabei gewesen, ist aber im Augenblick mit der Nationalmannschaft beim Vorbereitungslehrgang auf die Weltmeisterschaft in Frankreich, die am 11. Januar beginnt

 Im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Sandra Kinkel wurde vor allem eins deutlich: Alle drei eint die große Liebe zum Sport.

Wie sieht ein normaler Trainingstag bei Ihnen aus?

Kai Schäfer: Wir gehen um 8 Uhr, manchmal auch schon um 7.30 Uhr für eine Stunde in den Kraftraum.

Jaromir Zachrich: Um 7.30 Uhr?

Schäfer: Ja, weil die meisten von uns pünktlich in der Uni sein müssen. Nach dem Krafttraining wird eine Stunde trainiert. Am Nachmittag haben wir noch mal für anderthalb Stunden Training.

Zachrich: Wir haben um 9 Uhr oder 9.30 Uhr unser erstes Training. Danach gehen die meisten zur Arbeit oder zur Uni, bevor ab 17 Uhr wieder trainiert wird. Das Nachmittagstraining dauert zweieinhalb bis drei Stunden.

Yannick Gerhardt: Wir haben einmal in der Woche zwei Trainingseinheiten, ansonsten trainieren wir einmal am Tag.

Woran liegt das? Sind Fußballer nicht so belastbar?

Gerhardt: Nein, das sicher nicht. Aber natürlich sind Volleyball und auch Badminton sehr physische Sportarten. Ich würde gerne viel mehr Krafttraining machen, habe aber das Gefühl, dass ich dann zu unbeweglich werde. Im Fußball kommt es sehr auf Schnelligkeit, aber gleichzeitig auch auf Ausdauer an.

Zachrich: Bei uns ist Ausdauer nicht so entscheidend, dafür aber beispielsweise die Sprungkraft.

Schäfer: Jede Sportart hat ihre eigenen Anforderungen. Bei uns kommt es besonders auf Schnellkraft an. Badminton ist ein sehr trainingsintensiver Sport.

Gerhardt: Trainiert Ihr häufig Spielformen?

Schäfer: Ja, wir trainieren sehr häufig zwei gegen einen. Dabei arbeitet man eigentlich immer an seinem Tempo-Maximum.

Zachrich: Wir machen morgens eine Technikeinheit, trainieren Dinge wie Aufschlag und Annahme. Abends ist unser Training sehr nah am Spiel.

Gerhardt: Während der Saison üben wir zu Beginn der Woche verschiedene Ballbesitzformen und machen 15 Sprints hintereinander, um wirklich explosiv zu werden. In den letzten Tagen vor einem Spiel beginnen wir mit der Spielvorbereitung. Dann spielen wir auch zwei gegen eins, außerdem spielt die A- gegen unsere B-Elf.

Zachrich: Macht Ihr auch Videoanalysen vor Euren Spielen?

Schäfer: Ja, wir gucken uns unsere Gegner vor jedem Spiel genau an.

Gerhardt: Wir machen immer donnerstags eine Videoanalyse. Unser Club hat dafür eine eigene Abteilung, bei der jeder genau die Szenen aus vergangenen Spielen anfordern kann, die er sich noch einmal anschauen möchte.

Zachrich: Im Volleyball wird die taktische Analyse auch immer komplexer. Man muss jeden Angreifer des Gegners kennen, und es ist auch wichtig zu wissen, wie die gegnerische Mannschaft sich zum Ende eines Satzes verhält.

Gerhardt: Bei Euch kommt es sehr extrem auf die Psyche an, oder?

Zachrich: Total. Wir müssen in einem Satz 25 Tore schießen, um ihn zu gewinnen. Das ist schon ein großer Unterschied zum Fußball.

Herr Zachrich und Herr Schäfer, ärgern Sie sich manchmal, dass ein Profi-Fußballer ein Vielfaches von einem Profi-Volleyballer und einem Profi-Badmintonspieler verdient?

Zachrich: Nein, absolut nicht. Ich mache meinen Sport nicht, weil ich damit reich werden möchte, sondern weil ich damit meinen Traum leben kann. Natürlich sind die Summen schon ungerecht verteilt, aber das liegt doch nicht an den Sportlern. Fußball hat einen Marktanteil von 80 Prozent. Das ist aber kein Grund, neidisch zu sein.

Schäfer: Ich sehe das ganz ähnlich. Neid verspüre ich auf gar keinen Fall. Mein Sport macht mir jede Menge Spaß. Das ist genau das, was ich machen möchte. Badminton und meine Aktivitäten in der Nationalmannschaft ermöglichen mir, in der ganzen Welt umherzureisen. Und das ist doch toll.

Herr Gerhardt, wie bewerten Sie die unterschiedliche Bezahlung?

Gerhardt: Dass ich mit dem Fußball so viel Geld verdienen kann, ist natürlich ein überragender Nebeneffekt. Aber ich bin nicht Profi geworden, weil ich unbedingt viel Geld verdienen wollte. Im Gegenteil: Ich bin von Kindesbeinen an einen sehr langen und anstrengenden Weg gegangen. Ich habe mein Leben dem Fußball gewidmet und auch auf sehr viele Dinge verzichtet. Disziplin ist absolute Grundvoraussetzung, wenn man es im Sport zu etwas bringen möchte. Und das macht genau den Unterschied: Ich habe viele Leute gesehen, die sicherlich mehr Talent hatten als ich, aber eben nicht bereit waren, beispielsweise auf Partys zu verzichten. Für mich war immer jedes Erfolgserlebnis schöner, als feiern zu gehen.

Zachrich: Wir sind halt zu 100 Prozent Leistungssportler. Die kritische Phase ist meiner Meinung nach die Pubertät. Da kristallisieren sich die Unterschiede heraus. Talent allein reicht nicht, es kommt auch auf den Willen an.

Schäfer: Da habe ich es besser. Ich bin kein Typ, der gerne feiern geht. Ich würde mir aber manchmal wünschen, im Sommer Urlaub machen zu können.

Warum geht das nicht?

Schäfer: Ich habe Ende Mai zwei Wochen frei und über Weihnachten eine Woche. Zachrich: Bei uns ist das ganz ähnlich, zumindest, wenn man auch für die Nationalmannschaft spielt. Und für alle, die das nicht tun, ist der Sommer voll mit Studium und Hausarbeiten.

Herr Gerhardt, Sie sind 22 Jahre alt, sind sehr bekannt und verdienen viel Geld. Trotzdem machen Sie den Eindruck, sehr bodenständig zu sein. Wie schaffen Sie das? Wurden Sie irgendwie auf den Reichtum und das große Medieninteresse vorbereitet?

Gerhardt: Nein, vorbereitet wird man darauf nicht. Ich denke, jeder Spieler ist für sich selbst verantwortlich. Bei mir haben auch meine Eltern sehr großen Anteil daran, dass ich nicht abgehoben bin.

Herr Zachrich und Herr Schäfer, gibt es denn gar nichts, um das Sie Yannick Gerhardt beneiden?

Zachrich: Noch mehr Zuschauer wären schon schön.

Schäfer: Auf jeden Fall. Bei unserem jüngsten Heimspiel waren rund 150 Zuschauer. Und das war für Dürener Verhältnisse schon echt viel.

Gerhardt: Ihr habt recht. In der ausverkauften Allianz-Arena in München zu spielen, ist schon sehr geil. Grundsätzlich möchte ich sagen, dass die große mediale Aufmerksamkeit im Fußball Segen und Fluch gleichermaßen ist.

Können Sie das etwas näher erklären?

Gerhardt: Naja, wenn es bei einem Spiel nicht so gut gelaufen ist, bekomme ich unzählige Kommentare auf meiner Facebook-Seite und manchmal auch eine schlechte Presse.

Zachrich: Liest Du das alles?

Gerhardt: Wenn es nicht gut läuft, versuche ich, nichts zu lesen. Ich vertraue dann lieber auf meine engsten Kontaktpersonen, von denen ich weiß, dass sie mir die Wahrheit sagen.

Herr Zachrich, werden Sie manchmal im Supermarkt auf das Spiel vom vergangenen Wochenende angesprochen?

Zachrich: Das kommt vor. Es ist ja seit einigen Jahren die Strategie unseres Vereins, die Spieler in Düren anzusiedeln, auch damit es den Kontakt zu den Fans gibt. Kritik, aber auch Lob kommen bei mir ungefiltert an. Ganz ehrlich: Am Tag nach einer schlimmen Niederlage bleibe ich am liebsten zu Hause.

Gerhardt: Das ist bei mir ganz genauso.

Herr Schäfer, Sie leben in Saarbrücken und kommen nur zu den Heimspielen nach Düren. Werden Sie auf der Straße erkannt?

Schäfer: In Düren nicht. Und ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass ich noch nie durch Düren gegangen bin. Ich hatte aber einmal ein Spiel in China, das dort live im Fernsehen übertragen worden ist. Nachmittags bin ich von vielen Leuten auf der Straße erkannt worden.

Bei den Powervolleys und dem 1. BC Düren wird sehr viel Arbeit von Ehrenamtlern geleistet. Beim VfL Wolfsburg vermutlich nicht.

Gerhardt: Nein, Profi-Fußballvereine sind mit Wirtschaftsunternehmen vergleichbar. Je höher ich im Fußball gekommen bin, desto größer und professioneller ist auch das Team drum herum geworden. Bei Wolfsburg arbeiten beispielsweise vier Physiotherapeuten.

Zachrich: Vier Physiotherapeuten? Großartig.

Würden Sie sich die für die Powervolleys wünschen?

Zachrich (lacht): Vier nicht unbedingt, wir sind ja nicht so viele Leute wie die Fußballer. Aber zwei wären schon toll.

Herr Schäfer, wie viele Physiotherapeuten stehen Ihnen bei einem Spiel zur Verfügung?

Schäfer: Überhaupt keine.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Zachrich: Ich studiere im Augenblick Deutsch und Sport auf Lehramt und kann mir durchaus vorstellen, später als Lehrer vor einer s Schulklasse zu sehen. Ich kann mir dagegen nicht vorstellen, Volleyball in der zweiten oder dritten Liga zu spielen, dafür ist mir der Leistungsgedanke zu wichtig. Wenn ich mit dem aktiven Sport aufhöre, höre ich auch wirklich definitiv auf.

Schäfer: Das weiß ich noch nicht. Ich hoffe aber sehr, dass ich bis Mitte 30 weiter Badminton spielen kann.

Gerhardt: Ich hoffe natürlich auch, so lange wie möglich Fußball spielen zu können, weil ich mir keinen schöneren Job vorstellen kann. Ich studiere aber auch neben dem Sport, weil ich es wichtig finde, mich auch mit anderen Dingen zu beschäftigen und etwas für den Kopf zu tun. Ich kann heute noch nicht sagen, was nach dem Fußball sein wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert