Drei Persönlichkeiten: Ein Dürener zieht als Büttenredner durch NRW

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Ihn gibt es als „Frauenversteher“... Foto: Frings
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Hauptberuflich arbeitet Franz-Josef Frings aus Derichsweiler am Finanzamt in Düren. Foto: Ines Kubat

Derichsweiler. Noch heute können viele nicht glauben, dass Franz-Josef Frings wirklich diese zweite, lustige Seite hat. Er, der Beamte, der seit Jahren beim Dürener Finanzamt arbeitet? „Viele gucken mich mit großen Augen an, wenn ich das erzähle“, sagt Frings.

Denn seit einigen Jahren zieht sich der Finanzbeamte regelmäßig die Feinstrumpfhose an, schlüpft in ein Dirndl und stülpt die schwarze Perücke über den Kopf; nicht zu vergessen etwas Lippenstift. Und schon wird aus Franz-Josef Frings „Et Lisbeth“, mit der er seit Jahren in die Bütt steigt und ganze Karnevals-Säle zum Lachen bringt.

Ob er schon immer ein Vollblut-Jeck war? Nein, Karneval war früher nicht so richtig sein Ding. „Ich habe Karneval eher in Maßen genossen“, sagt Frings, der in Derichsweiler wohnt.

Zu lachen gab es bei ihm dennoch immer etwas: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich eigentlich immer einen Spruch oder einen Witz auf den Lippen habe“, sagt er. Und so kam es auch, dass ihn seine Kollegen eines Tages einen kleinen Schubs gaben und überredeten, zur Weiberfastnachts-Feier auf der Arbeit den Büttenredner zu geben.

Premiere im Finanzamt

Nach etwas Bitten und Drängen gab sich Frings einen Ruck – ganz zur Freude des Publikums. Und auch er selbst entschied sich daraufhin, das Ganze etwas ernst anzugehen. Mit seiner Type „Lisbeth“ stellte er sich bei verschiedenen Vereinen vor, 2012 ging es dann mit Auftritten so richtig los.

Mittlerweile hat Frings Engagements aus ganz NRW; an manchen Abenden schon mal drei Auftritte hintereinander. Statt nur in der Session, ist er das ganze Jahr über unterwegs: So tritt er auf Hochzeiten, Geburtstagen, Firmenfeiern und natürlich Karnevalssitzungen auf – immer mit einem etwas angepassten Programm und immer mit seiner Frau an seiner Seite – der „Ex-Verlobten“, wie er sie gern mit einem Augenzwinkern nennt.

Dass sie ihn so unterstützt, findet er toll. „Ohne sie ginge es gar nicht“, sagt er. Allein schon, um in das Kleid der Lisbeth zu schlüpfen, brauche er ihre Hilfe, sagt er lachend. Sie ist mehr als nur Maskenbildnerin und Begleitung – sie ist auch sein kritischstes Testpublikum: „Jeden neuen Gag präsentiere ich ihr vorher, denn sie kann sehr gut abschätzen, ob das beim Publikum auch ankommen wird“, sagt er.

Mittlerweile tritt Frings nicht mehr nur als Lisbeth auf, er hat gleich mehrere sogenannte „Typen“ in petto: Dr. Pfusch und den Frauenkenner. Nur eine einzige Rolle zu spielen, das würde ihn langweilen. Das bedeutet, dass er drei komplette Programme im Kopf haben muss: Denn Zettel zum Spicken nimmt er nicht mit auf die Bühne, und einen Text lernt er auch nicht auswendig. Frings setzt eher auf freies Reden und Improvisation.

Auf der Bühne merke man sehr schnell, ob das Publikum sich unterhalten fühlt oder gelangweilt ist, erklärt er: Seine Darbietung als dralle Lisbeth sei immer noch am meisten gefragt. Vielleicht auch, weil seit jeher die Beziehung zwischen „Mann und Frau“ besonders gut ankäme. „Es ist ein Thema, das nie an Aktualität verliert.“ Für die Damen spricht dann „Et Lisbeth“ und nimmt die Männer auf die Schippe, die Frauen wiederum bekommen für ihre Eigenarten vom „Frauenversteher“ ihr Fett weg. „Ganz wichtig ist dabei, dass man sich in die Charaktere wirklich hineinfühlt.“ Und auch etwas Selbstironie schade einer Rede nie, sagt Frings.

Mit offenen Augen unterwegs

Neue Themen finde er überall: „Man muss mit wachen Augen durchs Leben gehen.“ Er verarbeitet Erlebnisse aus dem eigenen Leben, aber auch von Bekannten und Freunden. Zu manchen Gags – gibt er zu – habe ihn auch das Internet inspiriert: „Sonst fände man gar nicht ständig neuen Stoff. Das machen aber alle Redner so.“

Und er kennt viele Büttenredner, schließlich grast er so manche Karnevals-Sitzungen von Siegen über Düren bis in die Eifel ab – sogar in Köln spiele er nächstes Jahr. Darauf ist er besonders stolz, weil es so schwer sei, dort Fuß zu fassen: „Dort ist Karneval business“, sagt er, dort sei es auch Pflicht, auf Kölsch zu reden. In Düren greife er auf das heimatliche Platt zurück, weiter weg spreche er hochdeutsch, erklärt er.

Dass ihm sein Hobby eines Tages mal keinen Spaß mehr bereite, kann man kaum glauben, wenn man beobachtet, wie euphorisch Frings darüber berichtet: „Wenn das Publikum begeistert mitgeht, dann treibt mich das auch auf der Bühne an, noch besser zu werden.“ Dann zähle nicht die Gage, die man bekomme, sondern nur die Anerkennung für die Leistung. Ein tolles Gefühl sei das.

Er hat auch schon Anderes erlebt. „Es passiert immer häufiger, dass im Karneval die Gäste die Redner sehr respektlos behandeln.“ Sie würden nicht zuhören, sondern reden und stören. „Das ärgert mich manchmal schon sehr.“ Er glaube, dass lange Reden und viele Bütten vielleicht nicht mehr den Zeitgeist treffen. Und tatsächlich fahren immer mehr Vereine ihr Karnevalsprogramm auf ganz kleine Flamme runter: Einerseits, weil sie sich mit immer weniger Besuchern die Büttenredner nicht mehr leisten können. Andererseits, weil die Gäste immer weniger Interesse an den Reden zu haben scheinen. Diese Entwicklungen bereite seiner Branche natürlich Sorge. „Der Karneval wird sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern“, lautet Frings Prognose.

Bis dahin werden „Et Lisbeth“ und ihre zwei Kollegen weiterhin die Säle zum Lachen bringen. Und Frings wird weiter damit überraschen, dass unter dem Dirndl und der Perücke tatsächlich ein Finanzbeamter steckt. Denn die haben ja bekanntermaßen keinen Humor. Oder doch?

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