Düren - Drei Männer für ein schönes Christfest

Drei Männer für ein schönes Christfest

Von: Anne Wildermann und Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
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Vielleicht haben diese drei Männer auch auf Ihre Festtage Einfluss: Mario Heiden (von links) ist Bäckermeister und sorgt für Gebäck, Metzgermeister Wilhelm Beyer bereitet den Braten vor, und Paketbote Rolf Meyer bringt die Geschenke. Foto: Rose (2), Wildermann/Collage: Hans-Gerd Classen

Düren. Es ist Heiligabend, das dreitägige Weihnachtsfest kann beginnen. Nur: in welcher Abfolge? Erst Essen, dann Bescherung, oder andersherum? Wie dem auch sei, in den meisten Fällen gelingt beides nicht ohne fremde Hilfe. In der folgenden Geschichte erzählen drei Männer davon, wie sie sich – wie viele andere Menschen selbstverständlich auch – bis Samstagnachmittag hinein in den Dienst für ein gelungenes, gesegnetes Fest stellen.

Paketbote: Dienst in Turnschuhen

Rolf Meyer, 53, bleibt gelassen, auch wenn er am Samstag, am 24. Dezember, noch etliche Pakete zu den Kunden bringen muss. „Ohne Routine ist das nicht zu schaffen“, sagt der Paketbote, der seit 35 Jahren bei der Post angestellt ist und seit 25 Jahren im Dürener Grüngürtel Pakete ausfährt.

Die stressige Weihnachtszeit begann für ihn bereits Anfang November. „Man merkt es besonders daran, wenn schlechtes Wetter ist. Dann sind die Leute meist zu Hause und bestellen Produkte im Internet“, sagt Meyer und sortiert Pakete, Tüten und Päckchen in seinem gelben Transporter, die als nächstes zum Kunden gebracht werden müssen.

Sein Bezirk besteht zu 70 Prozent aus Privatkunden. In der Weihnachtszeit liefert er 50 Prozent mehr Pakete aus: täglich zwischen 200 und 250. Meyer arbeitet an sechs Tagen die Woche. „Ein guter Zusteller braucht in der Regel für ein Paket zwei Minuten“, meint der Teamleiter für den Bezirk Düren. Damit will er sagen: Mit dem Paket den Wagen verlassen, zum Kunden gehen, klingeln, die Sendung überreichen und wieder zurück zum Transporter. Meyer selbst hat für sich ausgerechnet, dass er an einem Tag im Schnitt 25 Kunden in einer Stunde schafft. „Ich sage immer: Paketzusteller sind wie Akkordarbeiter.“ Während Meyer das sagt, räumt er weiter in seinem Transporter herum.

Der Bote trägt bequeme Turnschuhe, in denen er schnell unterwegs ist. Vor allem, weil es in manchen Häusern keinen Lift gibt, und Meyer die teilweise kiloschweren Pakete in den vierten Stock bringen muss. „Es gibt im Prinzip nichts, was nicht mit der Post verschickt wird“, sagt er und lacht – Möbel und Autoreifen gehören auch dazu. Früher war noch ein Plausch mit den Nachbarn drin – heute sitzt ihm die Zeit im Nacken.

Vor einem Jahr hat er mehr als 300 Sendungen am 24. Dezember ausgeliefert. Meyer ist davon überzeugt, dass es am Heiligabend mindestens genauso viele werden. 15 Uhr soll Schluss für ihn sein, das hat sein Arbeitgeber vorgegeben. Wenn bis dahin nicht alle Pakete ausgeliefert sein sollten, liegt es in seinem Ermessen, ob er diese noch zu den Kunden bringt oder nicht. „Letztes Jahr habe ich es auch pünktlich geschafft, das klappt auch dieses Mal“, sagt Meyer zuversichtlich. Mit seiner Routine wird das funktionieren.

Metzger: bis zu 600 Portionen

Wilhelm Beyer, 53, ist sei 35 Jahren als Metzger tätig und Filialleiter der Fleischerei Weyermann an der Dürener Wirtelstraße. Wenn er über das Weihnachtsgeschäft spricht, fällt in einem der ersten Sätze ein Wort doppelt: kurzfristig. „Es wird immer kurzfristiger geplant, also auch kurzfristiger bestellt – das ist seit sieben, acht Jahren schon so. Es werden auch immer mehr fertige Essen bestellt, die nur noch kurz in den Ofen müssen.“ Bei den Stammkunden indes, da brauche Beyer nicht mehr nachfragen. Einmal klassischer Braten, immer klassischer Braten.

Die Zeiten, in denen Mitte November die Bestellungen für Weihnachten eingingen, seien vorbei – heutzutage habe die Fleischerei in der Regel 14 Tage Zeit. In der Regel heißt, dass es auch Ausnahmen gibt, Stichwort: kurzfristig. „Die letzten Bestellungen kommen auch am 23. Dezember spätnachmittags“, erzählt Beyer, und man könnte vermuten, dass so etwas einen erfahrenen Meister ob der generellen Mehrbelastungen dieser Tage ärgern könnte. Aber nein, Beyer bleibt gelassen, leichtes Achselzucken, freundliches Lächeln: „Man kann es Leuten nicht krumm nehmen, man sieht von außen ja nicht, wie viel Arbeit hinter einem Essen steckt.“

Früher seien manche Gerichte so besonders gewesen wie sie heute zum Alltag gehören würden, erzählt Beyer. Lachs zum Beispiel, der werde ja mittlerweile das ganze Jahr über gegessen. „Es ist alles so normal geworden, das ist ein bisschen schade, finde ich“, sagt Beyer, und sein immer freundliches Lächeln wird von einem Hauch Nostalgie in der Stimme begleitet. Hummer, der „fix und fertig“ sein sollte, oder Straußenfleisch gehörten noch in die Kategorie „exotisch“.

Am  Freitag und Samstag bis etwa 15 Uhr haben Beyer und seine Crew gut 500 bis 600 Portionen zubereitet. Dass bei dieser Menge auch mal etwas vertauscht wird, das „passiert immer Mal“, sagt Beyer, der dann auch mal zum Last-Minute-Paketboten umsatteln muss, um die Gerichte frei Haus auszutauschen. „Die Kunden müssen zufrieden sein, man bekommt auch immer mal was zurück an der Tür“, erzählt Beyer, bei dem es Samstagabend Gans aus der eigenen Haltung gibt. Um das Kochen kümmere er sich aber nicht, das mache seine Frau, „ich mache die ganze Arbeit vorher“, sagt Beyer mit seinem typischen Lächeln.

Bäcker: Planung nicht regelbar

Mario Heiden, 52, ist Bäckermeister, Chef der Dürener Feinbäckerei Hillemacher, und sorgt für den Nachtisch und die Zwischenmahlzeiten über die Weihnachtstage. Der Heilige Abend habe für die Bäckerei am Freitag um 20 Uhr angefangen, weil ein Ofen „ja nur so viele Quadratmeter hat wie er eben hat“, sagt Heiden.

Die Zeiten hätten sich auch in seinem Handwerk geändert, sagt er, es werde nicht mehr so viel bestellt, es solle „alles einfach da sein“, und es werde mehr spontan gekauft. „Das kennen alle Handwerksbetriebe im Lebensmittelhandel“, sagt Heiden, der sich aber an individuelle Bestellungen erinnert: künstlerische Nikolaus- und Weckfrauen, gerne auch in reizender Ausführung. „Ideen gibt es viele . . .“

Was die Braten für Metzger sind, sind für Bäcker in der Region die Printen. Heiden sagt, dass die Nachfrage stetig sinke und sich Richtung Lebkuchen verlagere – wohl weil dieser weicher sei.

Redet Heiden über seine Produkte, die rein durch Handarbeit erzeugt werden, klingt der größte Stolz bei den Bethmännchen durch. „Die macht keiner mehr, weil's keine Maschine gibt“, sagt Heiden. Das Walnuss-große Gebäck aus „Marzipan, Mandeln und geheim mit Schokofüßen“ würde viel Zeit kosten, aber gut über die Theke gehen. „18 Kilo Rohmasse reichen für dreieinhalb bis vier Tage“, sagt Heiden, in der Vorweihnachtszeit sei die Nachfrage größer als das Angebot – ein Ofen hat eben nur eine gewisse Größe. Und: Alle anderen Waren müssen auch gebacken werden, das tägliche Brot nicht zu vergessen.

Seit Nikolaus gebe es keine geregelte Planung mehr. Die Produktion von Butterplätzchen sei schwer festzulegen, Spritzgebäck könne immer zwischendurch gebacken werden, weil es nicht stehen muss – andere Massen wie der Zimtteig (24 Stunden) schon. „Deswegen ist die Außentemperatur bei uns wichtig, drei Grad können in der Backstube einen Riesenunterschied ausmachen“, erklärt Heiden, der nicht weiß, wann er selbst das letzte Mal Gebäck gegessen hat und sich zu Weihnachten nur eines wünscht: „Eine Mütze Schlaf.“

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