Drei in einem Boot - erfrischend respektlos

Von: Sylvia Dietl
Letzte Aktualisierung:
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Das „Bundeskabarett” hat einen Plan: Warten, bis das Wasser bis zum Halse steht und auf den Wogen der Konjunktur Foto: Dietl

Düren. Sie touren seit vier Jahren durch Deutschland: Das „Bundeskabarett” machte im Rahmen der Spaßgesellschaftsabende Station im Komm und präsentierte das Programm „Ein schwerer Fall”. Die drei Kabarettisten Sebastian Pufpaff aus Bonn, Henry Schumann aus Leipzig und der Rheinländer Martin Zingsheim gaben sich erfrischend respektlos, geistreich und humorvoll.

Sie fassten mit Wortwitz genüsslich in die ost-west-deutschen Wunden und lieferten sich dabei temporeiche, spritzige Wortgefechte.

„Seien Sie wie eine afghanische Straßensperre, explodieren Sie”, wünschte sich Pufpaff, der den sendungsbewussten Wessi mimte. Mit ihren hinreißend komödiantischen Aktionen und gekonntem Körpereinsatz schlugen sie beim Publikum voll ein. Die Kleinkunstbühne funktionierten sie um zur „MS Deutschland” und stellten verwundert fest, dass in Düren kein Wasser vor der Tür ist und sie mit dem Luxuskahn nun festsitzen. Kapitän Pufpaff, erfolgreich rabiater Unternehmer mit S-Klasse-Mercedes, brauchte jetzt eine „Mörderidee”, um das Schiff wieder in See zu steuern und bat seinen 1. Offizier, den sächselnden Jammer-Ossi Schumann, um Rat: „Früher haben sie doch auch aus einer Ravioli-Dose einen Fernseher gemacht!” Doch der Leipziger Henry Schumann fühlt sich immer noch als ewig betrogener Ossi und wünscht sich die Mauer zurück: „Das war die Freiheitsstatue nur andersherum.”

Furios, originell und mit kabarettistischem Tiefgang

Furios, originell und mit kabarettistischem Tiefgang rechnen der kapitalistische Wessi im schicken Armani-Anzug und der frustrierte Ossi im 15 Jahre alten Pullover miteinander ab. Kein Vorurteil, kein Klischee wurde ausgelassen -Êzum Vergnügen des Publikums. Zingsheim, der Matrosenpraktikant mit dem Ein-Cent-Job, steuerte Chansons am Piano bei und lieferte wunderbare Pointen mitten hinein in die turbulenten und hintergründigen Wiedervereinigungs-Dialoge. „Jedes großartige Land hat eine Wüste, und wir haben halt Sachsen-Anhalt”, stellte Pufpaff verächtlich fest und Schumann konterte: „Die DDR hat euch den grünen Pfeil gebracht - nur verstanden habt ihr ihn immer noch nicht.”

Mit einem Flatterband zogen sie eine „neue” Mauer durch das Komm. Das Publikum der einen Seite saß im Gummiboot, die andere Hälfte in der Yacht. Doch auch das ging nicht gut. So einigte sich das Trio „Bundeskabarett” auf das Motto: „Wir sitzen alle in einem Boot. Wir warten, bis uns das Wasser bis zum Halse steht und schwimmen dann auf den Wogen der Konjunktur davon”. Der humorvolle Dauerbeschuss wurde von den rund 60 Zuschauern umjubelt. Schade, dass nur wenig Publikum dieses kabarettistische Highlight wahrgenommen hat.
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