Hochkirchen - Dreharbeiten in Hochkirchen: Liebesfilm rund um den Starfighter

Whatsapp Freisteller

Dreharbeiten in Hochkirchen: Liebesfilm rund um den Starfighter

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
8197419.jpg
„Witwenmacher“: Diese Schauspieler stehen für einen Film über die Starfighter-Abstürze vor der Kamera. In diesen Flugzeugen starben in den 60er viele deutsche Piloten. Foto: RTL, privat

Hochkirchen. 116 Piloten haben im Starfighter ihr Leben verloren. 292 der von der Bundeswehr bestellten 916 Flugzeuge stürzten ab. Das seinerzeit modernste Kampfflugzeug ging daher Mitte der 60er Jahre als „Fliegender Sarg“, „Schöner Tod“ und „Witwenmacher“ in die Geschichte ein.

Schnell wurde Kritik laut: an der Entscheidung des damaligen Bundesverteidigungsministers Franz Josef Strauß, am Flugzeug Lockheed F-104, genannt Starfighter.

Der Fernsehsender RTL greift diese Geschichte nun auf und in seinem Auftrag dreht „Zeitsprung Pictures“ unter dem Titel „Witwenmacher“ einen Film, der in den 60er Jahren spielt. Inspiriert von der Vergangenheit wird darin die Geschichte einer großen Liebe erzählt. „Es geht um den Kampf einer alleinerziehenden Pilotenwitwe gegen das übermächtige Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Militär“, heißt es in einer Beschreibung des Senders.

Hochkirchen im Scheinwerferlicht

Ein Teil dieser Geschichte spielt in Hochkirchen, einem kleinen Dorf in der Gemeinde Nörvenich. Im Geschäft der Familie Uhlemann, um genau zu sein. „In Nörvenich drehen wir in einem Tante-Emma-Laden. Er spiegelt die Siedlung wider, in der die Pilotenehepaare leben. Vor allem die Frauen treffen sich hier immer wieder – wenn auch durch Zufall – und kommen ins Gespräch“, erklärt Claus Richter von RTL.

„Im Laden wurden alle Artikel aus den Regalen geräumt, die es damals noch nicht gab“, erzählt Karl-Heinz Jansen der Dürener Zeitung, denn Pressevertreter dürfen das Filmset nicht besuchen. Auch moderne Fahrzeuge werden in dem Film nicht zu sehen sein, stattdessen parkt ein VW-Käfer vor dem Ladenlokal.

Das Bild in Hochkirchen wurde am Montag von einem Großaufgebot von Lieferwagen und Lastern bestimmt. Verpflegungs-, Requisiten- und Garderobenfahrzeuge belegten den Parkplatz am Sportplatz. Nicht nur im Ladenlokal, auch auf einer Straße standen Dreharbeiten an. Mit dem Drehort in Hochkirchen rücken die Kamerateams in die Nähe eines Platzes, an dem ebenfalls Piloten starben: In Oberbolheim stürzte im Januar 1962 ein Starfighter kurz nach dem Start vom Fliegerhorst Nörvenich ab. In 22 Jahren stürzten 37 Starfighter des „Boelcke“-Geschwaders ab. 17 Piloten starben.

Umstritten und doch beliebt

Der Starfighter war höchst umstritten, aber: „Für Piloten war er zugleich das schönste Flugzeug, dass man fliegen konnte“, erinnert sich Hardy Helbig. Der Dürener hat viele Jahre im Cockpit des Kampfflugzeugs gesessen. Der Starfighter, erzählt Helbig, sei ein Flugzeug gewesen, das keinen Fehler verziehen habe. „Es war wichtig, die Grenzen genau zu kennen. Sich und die Maschine zu überschätzen war lebensgefährlich“, beschreibt er. Ich habe mich in dem Flugzeug aber immer wohl gefühlt.“

Der ehemalige Pilot wird sich den Film anschauen und hofft darauf, dass der Film den Starfighter auch historisch einordnet: Vor allem kurz nach der Einführung des Starfighters in den 60er Jahren sei es in Deutschland zu vielen Unglücken mit tödlichem Ausgang gekommen.

Dennoch: „Er war in den 60er Jahren ein Quantensprung“, beschreibt Helbig. Das Hochleistungsflugzeug habe die Propellermaschinen abgelöst, es sei Neuland für die Luftwaffe gewesen. Allerdings sei es als „Schönwetter-Abfang-Jäger“ konzipiert worden. Die Bundeswehr habe es dann aber als „Allwetter-Jagdbomber“ nutzen wollen. Und das habe zunächst nicht funktioniert. Technische Verbesserungen und bauliche Veränderungen, zum Beispiel an den Schleudersitzen, hätten dann dafür gesorgt, dass in den späteren Jahren nicht mehr Unglücke mit dem Starfighter passiert seien als mit anderen Flugzeugtypen auch.

Auch der Dürener Bruno Sieben (64) hat den Starfighter gesteuert, wurde in Arizona, USA, ausgebildet. Auch er weiß, dass der Starfighter hundertprozentige Konzentration erforderte. An seinem ersten Tag in den USA starb ein erfahrener Pilot, er selbst hat gefährliche Situationen erlebt. „Diese muss man verarbeiten und hinter sich lassen. Wer sich mit Angst ins Cockpit setzt, ist viel größerer Gefahr ausgesetzt“, weiß der ehemalige Starfighter-Pilot, der in Nörvenich stationiert war und mit dem Flugzeug sogar schon mal über 2000 km/h schnell geflogen ist. Bei den Piloten war der Starfighter trotz der Unglücke beliebt – Stoff für einen weiteren Film.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert