Draculas Geist wabert durch den Bergfried

Von: Hannes Schmitz
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Melanie Pukass, die deutsche Stimme von Halle Berry, begeisterte in ihren Parts beim Hörspiel „Dracula”, das im Rahmen der Burgfestspiele in Nideggen aufgeführt wurde. Vom Publikum gab es stehende Ovationen auch für Kai Schwind, bekannt als Sprecher unzähliger Hörbücher. Foto: Schmitz

Nideggen. Das Grauen kam nach acht. Kaum waren die letzten Sonnenstrahlen über dem wolkenverhangenen Himmel in den Eifeltälern rund um Nideggen versunken, nahm der Geist von Graf Dracula Besitz von der schaurig wirkenden Burg. Nebelschwaden waberten aus einigen Burgfenstern.

Im Innenhof zusammengekauerte Kapuzenmenschen in durchsichtige Capes gehüllt, denen der eine oder andere Schauer den Rücken hochkroch und die von leichtem Regen berieselt wurden. „Fleisch von meinem Fleische, Blut von meinem Blute”, erklang es diabolisch von der Bühne. Der Graf aus Transsylvanien war an seinem Bestimmungsort angekommen. Plötzlich eine weitere Stimme, einige Frauenköpfe zuckten verschreckt in die Höhe: Georg Clooney in der Gewalt des Vampirs? Und eine Weile später eine Frauenstimme, die die Männer unruhig machte: Halle Berry auch im Kreis der Untoten?

Geschlossene Augen

Nein, der erste Schrecken fiel ab, doch die gruselige Stimmung in der Rotlicht-Atmosphäre des Bergfrieds blieb. Die über 400 Zuschauer wurden beim „Dracula-Live-Hörspiel” in eine andere Zeit versetzt und begriffen nach einiger Zeit, dass der Genuss an dem Schocker sich dann bestens einstellte, wenn man mit geschlossenen Augen die „schrecklichen” Ereignisse um den „Fürsten der Dunkelheit” verfolgte. „Action” war nur zu hören, allerdings auf eine eindringliche Art.

Ausdrucksstarke Stimmen

Auf der Bühne tat sich wenig. Da stand ein erstklassiges Sprecherensemble vor den Mikrofonen, das seine ausdrucksstarken Stimmen auch Filmstars „leiht”. Sie standen an Pulten und lasen ihre Passagen aus den Textbüchern vor, aber weder eintönig noch monoton. Da wurde gewispert, geflüstert, genuschelt, gekreischt, gestöhnt und geschrien.

Ein Musiker, Dirk Wilhelm, lieferte den passenden Soundtrack und ein Geräuschemacher, Jörg Klinkenberg, zog alle Register seines Könnens: Kettenrasseln, Türknarren, Schritte auf Gehwegen, Vampirbisse. Papier wurde beschrieben oder eine Dampflok zog an, so dass sich der Zuhörer schon verwundert fragte, ob die Rurtalbahn im Tal zurück in die Vergangenheit fuhr. Alles Illusion: Erzeugt durch unzählige Utensilien, vom Sitzsack bis zu Obst und Gemüse. Die Mischung machte es.

Oliver Rohrbeck, vielen als die deutsche Stimme von Ben Stiller bekannt, und kreativer Kopf der Berliner „LauscherLounge” hatte Bram Stokers fantastische Geschichte in ein grandioses Hörspiel umgesetzt, das von hochkarätigen Sprechern wie Detlef Bierstedt, David Nathan, Erich Räuker, Kai Schwind und einer Sprecherin, Melanie Pukass, getragen wurde. Sie beschworen auf unglaubliche Art „den Geist Draculas”, ließen die Zuhörer drastisch das Geschehen spüren. Der berühmte Roman wurde zu einem inneren Film und machte die Geschichte um den britischen Anwalt Jonathan Harker sowie die Verfolgung des Blutsaugers durch Professor van Helsing und seinen Helfer zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Mit stehenden Ovationen belohnte das Publikum den Auftritt, der unter die Haut ging. So sehr, dass wohl mancher auf dem Heimweg im fahlen Lichte über nasses Kopfsteinpflaster zusammenzuckte, als der künstliche Bühnenschrei eines Käuzchens durch ein Original aus den Wäldern um die Burg abgelöst wurde.
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