Düren - Dr. Michael Winterhoff zeigt in Düren Auswege auf

Dr. Michael Winterhoff zeigt in Düren Auswege auf

Von: Bruno Elberfeld
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Dr. Michael Winterhoff stellte im ausverkauften Haus der Stadt seine Thesen vor. Foto: Elberfeld

Düren. Schon die ersten Gedanken des Referenten zeigten Eltern, Erziehern und Pädagogen im Haus der Stadt, dass vor ihnen am Rednerpult ein Mann stand, der wusste, worüber er sprach.

Dr. Michael Winterhoff, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, stellte seine Thesen zur Situation von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft vor. Seit vielen Jahren arbeitet Winterhoff nicht nur in einer eigenen Praxis, sondern auch in einer Einrichtung, in der Kinder mit Entwicklungsstörungen behandelt werden.

In seinen Büchern „Warum unsere Kinder Tyrannen werden”, „Tyrannen müssen nicht sein” und „Persönlichkeiten statt Tyrannen” stellt der Autor drei Thesen auf - das vierte Buch dieser Reihe ist in Arbeit.

These eins: Kinder dürfen nicht als Erwachsene behandelt werden, weil sie mit der Gleichstellung emotional überfordert sind. Wird das Kind als Partner auf gleicher Augenhöhe gesehen, könne keine kindgemäße Reifung einsetzen. Im Schul- und Kindergartenalter sind Sprache, Motorik sowie die soziale und emotionale Kompetenz noch nicht entwickelt wie bei einem Erwachsenen.

Möchte der Erwachsene, so lautet die zweite These, unbedingt von dem Kind geliebt werden, macht er sich unterwürfig, weil er keine Grenzen setzt, denn die Einsicht, ob die Zähne geputzt werden müssen oder nicht, ob die Aufgaben erledigt werden müssen oder nicht, dauert lange. „Hierfür ist die Zelle Zähneputzen zuständig”, erklärte der Referent, „und die muss viele Jahre lang trainiert werden.” Dieses Training aber müsse von den Erwachsenen geleitet werden. Schlimm sei auch, so die dritte These, wenn Erwachsene in enger Verbindung, in Symbiose, mit dem Kind leben. Es komme dann zur Machtumkehr, wobei das Kind keine Chance auf eine gesunde Entwicklung habe.

„Unser vornehmliches Ziel muss es sein, die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte aufzuhalten”, forderte der Psychiater. „Die Symptome kurieren zu wollen, daran herumzudoktern, sei falsch. Kinder und Jugendliche sollen gemäß ihres Alters wieder ganzheitlich gesehen werden. Pädagogische Konzepte oder gar Therapien helfen da nicht weiter und führen, sagte Winterhoff, in eine Sackgasse. Beurteilungen könnten nur durch Beobachtung erfolgen, Tests seien da eher fraglich.

Frustrationstoleranz aufbauen

Kinder müssen wieder das Nein des Erwachsenen akzeptieren lernen, um kontinuierlich eine Frustrationstoleranz aufzubauen, betonte Winterhoff. Ihnen müsse wieder etwas abverlangt werden. Zusätzlich gebe der Aufbau eines ordnenden Weltbildes Kindern und Jugendlichen Orientierung.

Das traditionelle Denken, in dem Kinder noch als Kinder erschienen, muss nach Aussage Winterhoffs wieder seinen Platz einnehmen. Aussagen von Kindern wie „Müssen wir heute wieder machen, was wir wollen?” zeigten in humorvoller Form die Verunsicherung vieler Heranwachsender.

Damit in der Öffentlichkeit das Kind nicht mehr als Tyrann erscheint, der Jugendliche nicht mehr nur als Komasäufer gesehen wird, müsse eine intensive Kommunikation zwischen allen Beteiligten her. Ein Fehler müsse wieder als Fehler benannt werden. Erzieher und Lehrer sollen sich, so forderte der Psychiater, verbünden und die Probleme öffentlich machen. Den Rahmen für eine Neuorientierung müsse letztlich die Politik bestimmen. „Wir müssen allen Kindern eine Chance geben, auch außerhalb der Familien einen Reifegrad zu erlangen.”

Eingeladen hatten zu der Veranstaltung das Jugendamt der Stadt Düren und der Arbeitskreis „Jugend- und Berufshilfe”. Unterstützt wurden die Veranstalter von den Vereinigten Industrieverbänden von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung.
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