Düren - Dr. Dieter Kühn liest aus seinem Werk: „Das Magische Auge“ des Schriftsstellers

Dr. Dieter Kühn liest aus seinem Werk: „Das Magische Auge“ des Schriftsstellers

Von: Bruno Elberfeld
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Eine Leserin, die namentlich nicht genannt werden wollte, schenkte Dr. Dieter Kühn (l.) ein Porträt. Der Organisator der Lesung, Dr. Achim Jäger, packte mit an. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Dr. Dieter Kühns Autobiografie „Das Magische Auge“ lebt von eigenen Erinnerungen und von Informationen der Zeitgenossen oder der akribischen Recherche in Archiven. Das Buch ist lebendiger Geschichtsunterricht anhand von Kühns Leben. Der Schriftsteller las nun aus seinem Werk an einem seiner alten „Wirkungsorte“, dem Musiksaal des Stiftischen Gymnasiums, denn er selbst war nach dem Umzug der Familie nach Düren im Jahre 1949 Schüler des Stifts.

Noch gut kann der Schriftsteller sich an das Kontrolllämpchen, „das magische Auge“, im Radio erinnern, das seine Mutter und ihn, den kleinen Dieter, in schwaches Grün taucht. Mutter Helene hörte offenbar des Nachts während des Zweiten Weltkrieges verbotene Feindsender und wurde dabei von Sohn Dieter aufgeschreckt.

Das Buch beginnt mit seiner Geburt 1935 und endet 2012. Die Ereignisse vor und während seiner frühen Kindheit entnimmt er Erzählungen von Familienmitgliedern oder Zeitgenossen. Hier und da lässt der Autor die Philosophie zu Wort kommen: „Was war vor meinem Leben? Habe ich vor meiner Geburt in Köln-Lindenthal existiert, habe ich nicht existiert?“ Vor Jahren wurde er von einem jungen Mann auf der Straße gefragt, ob er an die Seelenwanderung glaube? Mit der Antwort Kühns „Ich bin schon gewandert“ musste der Neugierige sich zufrieden geben.

„Ich erblickte das Licht der Welt.“ Kühn hinterfragt diesen Satz nach dem Wahrheitsgehalt. Nach Kühn ist der Satz unwahr, weil das „Ich“ noch fehle. Der Mensch könne erst dann „Ich“ sagen, wenn genügend Synapsen im Gehirn geknüpft worden seien, und das dauere zwei bis drei Jahre.

Auf den Spuren von Geburt und Kindheit besuchte der Schriftsteller Orte, die mit ihm und seiner Familie zu tun hatten. Bekannte Straßen und Plätze in Köln werden dem Leser nahezu fotografisch vor Augen geführt. Die Geschichte der eigenen Familie liest sich für den Schriftsteller wie ein Krimi.

Dieter Kühn steigerte die Spannung noch einmal, als er den Umzug seiner Familie nach Düren im Jahr 1949 schildert. Die Kühns zogen in eines von 13 Häusern, die die Luftangriffe heil überstanden hatten. Loren auf Schmalspurschienen, gezogen von kleinen Dieselloks, transportierten den Schutt aus der Stadt.

Straßen und Gässchen zeigten sich allmählich. Manchmal konnten selbst Ortskundige nur ahnen, wo einzelne Gebäude vor dem 16. November 1944 gestanden hatten.„Es war, als ob Dämonen diese Stadt mit Abrissbirnen zertrümmert hätten“, erinnert sich Kühn. Mit der Zeit wurden die „gähnend leeren“ Grundstücke schnell mit auswechselbaren Häusern gefüllt. Dieter Kühns Sprache, geprägt von Hauptsätzen, aufgelockert durch humorvoll-witzige Metaphern, bleibt auch in seinem neuesten Werk distanziert. Er beobachtet als Ich-Erzähler, lässt Lesern und Hörern die Freiheit, herauszufinden, was der kleine Dieter, was der Abiturient Dieter in den jeweiligen Situationen gefühlt haben muss.

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