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Dorfkonferenzen geben kleinen Orte eine Zukunft

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Das Bürgerhaus ist derzeit der einzige Ort in Frauwüllesheim, an dem die Bürger sich treffen können. Foto: S. Kinkel
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Die Menschen im Ort wünschen sich einen zusätzlichen Raum für kleinere Veranstaltungen. Knapp 90 Leute haben bei der Dorfkonferenz in Frauwüllesheim über die Zukunft des 700-Seelen-Dorfes diskutiert. Foto: S. Kinkel

Nörvenich. Mehr als jeder 10. Frauwüllesheimer ist an diesem Freitagabend Ende März in die Bürgerhalle des kleinen Dorfes gekommen. Ortsvorsteher Uwe Bobsin und Dr. Achim Siepen, Ratsmitglied aus dem Nörvenicher Ortsteil, haben für ihren Ort in Zusammenarbeit mit dem Kreis Düren eine Dorfkonferenz organisiert.

84 von rund 700 Bürgern haben daran teilgenommen und intensiv über die Probleme und die Zukunft ihres Dorfes diskutiert. Frauwüllesheim ist der 27. Ort im Kreis mit einer solchen Dorfkonferenz.

Vor neun Jahren, im April 2008, hat die erste Dorfkonferenz des Kreises in Golzheim stattgefunden. „Der ländliche Raum“, sagt Martin Weinberger, Leiter des Amtes für Kreisentwicklung und -straßen, „ist nicht so privilegiert wie die größeren Städte und steht auch nicht so im Fokus des Landes.“ Sehr häufig, ergänzt der Amtsleiter, seien die Bürger auf dem Land auf sich selbst angewiesen.

Weinberger: „Das Ehrenamt ist dort viel stärker ausgeprägt. Wir müssen dafür sorgen, dass der ländliche Bereich nicht weiter abgehängt wird, und die Menschen sich auch dort weiter wohlfühlen. Ein Mittel, um das zu erreichen, sind die Dorfkonferenzen.“ Häufige Probleme der Dörfer seien die schlechte Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr, die Breitbandversorgung und die Nahversorgung. Weinberger: „Das sind Schwierigkeiten, die größere Orte in der Form nicht betreffen.“

10.000 Euro stellt der Kreis Düren jedes Jahr für die Durchführung der Dorfkonferenzen bereit. Drei bis fünf solcher Werkstätten, die von externen Planungsbüros durchgeführt werden, können damit jedes Jahr finanziert werden. In der Regel gibt es ein Vorbereitungstreffen mit Kommunalpolitikern, Vereinsvertretern und Kirchenvertretern.

Die eigentliche Dorfkonferenz mit einer Dorfbegehung und einem Workshop findet immer an einem Wochenende statt. „Mir war es wichtig“, sagt Dr. Achim Siepen aus Frauwüllesheim, „die Stimmung im Dorf aufzunehmen. Ich wollte mit Hilfe der Dorfkonferenz herausfinden, wo die Menschen der Schuh am meisten drückt.“

Themen, die diskutiert worden sind, sind die Verkehrssituation, die trotz des Baus der Umgehungsstraße für viele Bürger immer noch angespannt ist, weil beispielsweise die L 327 von Eschweiler über Feld nach Jakobwüllesheim direkt durch ihren Ort führt. Es ging aber auch um die Zukunft des Sportplatzes, auf dem keine Fußballspiele mehr stattfinden, nachdem der SV Frauwüllesheim seine Mannschaften zurückgezogen hat, und die Bürgerhalle, dem einzigen Veranstaltungsort im Dorf. Siepen: „Natürlich macht ein Sportplatz ohne aktiven Spielbetrieb keinen Sinn. Einen Bolzplatz mit zwei Toren brauchen wir aber in Frauwüllesheim schon.“

Grundsätzlich, ergänzt der Christdemokrat, hätte die Dorfkonferenz einmal mehr gezeigt, dass die Dorfgemeinschaft in Frauwüllesheim funktioniere. Siepen: „Insgesamt habe ich mir aber mehr von der Veranstaltung versprochen, mehr konkrete Ergebnisse. Aber das ist vermutlich mit nur einem Treffen nicht zu schaffen.“

„Für mich“, ergänzt Nörvenichs Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU), „helfen Dorfkonferenzen den Bürgern, sich über die Prioritäten und Entwicklungsziele für ihre Dörfer abzustimmen und verloren gegangenes ehrenamtliches Engagement zu reaktivieren.“ In Eschweiler über Feld habe beispielsweise die Dorfkonferenz dazu geführt, dass sich ein Bürgerverein gegründet hat. „Und wir werden uns dafür einsetzen, dass die Dorfkonferenz von Frauwüllesheim ebenfalls Früchte trägt.“

In den anderen Kommunen, die schon mitgemacht haben, hat das durchaus funktioniert. In Drove haben elf Bürger nach der Dorfkonferenz das Projekt „Nachbarschaftshilfe“ ins Leben gerufen. Werktags sind dort zwischen 8 und 10 Uhr Helfer telefonisch erreichbar, um Tätigkeiten wie Fahrten zu Arztbesuchen, Hilfen im Haushalt und kleinere Reparaturen zu übernehmen.

In Jackerath (Gemeinde Titz) hat sich nach der Dorfkonferenz ein „Dorf-Forum“ gegründet, das sich die Verbesserung der Dorfstruktur auf die Fahnen geschrieben hat. „Die Dorfkonferenzen“, formuliert es Walter Weinberger, „haben einen Aktivierungscharakter. Es werden die Themen festgelegt, die für die Menschen wichtig sind und Strategien festgelegt, wie diese Themen bearbeitet werden können.“

Aus Sicht des Kreises Düren sind die Dorfwerkstätten durchaus ein Erfolg. Das erkennen Weinberger und seine Kollegen auch an den hohen Anmeldezahlen. „Wir hatten sogar schon Wartelisten, weil sich so viele Orte beworben haben“, sagt Weinberger. „Die Menschen in den kleineren Orten sind sehr aktiv und haben viele Ideen.“

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