Düren - Dolmetscher sollen bei Flüchtlingen abkassiert haben

Dolmetscher sollen bei Flüchtlingen abkassiert haben

Von: hp
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Am Dürener Schöffengericht läuft momentan ein Verfahren gegen zwei Dolmetscher. Symbolbild: dpa/David Ebener

Düren. Ein nicht alltägliches Verfahren füllt derzeit einen Berg von Akten beim Dürener Schöffengericht. Die vielen Schriftstücke dürften gut und gerne zehn dicke Aktenordner füllen – vielleicht sogar ein Dutzend. Auf der Anklagebank sitzen ein 43-Jähriger aus Düsseldorf und eine 42-Jährige aus Köln.

Die Angeklagten stammen aus dem Irak, arbeiten als Dolmetscher und waren in der zweiten Jahreshälfte 2013 auch für Flüchtlinge tätig, die beim Ausländeramt des Kreises Düren aufschlugen. Das Honorar für ihren Einsatz habe, so war am Rande zu erfahren, der Staat Libyen bezahlt.

Die Staatsanwaltschaft hat das Duo wegen gewerbsmäßigen Betruges und Urkundenfälschung in insgesamt 35 Fällen angeklagt. Sollten sich die Vorwürfe der Anklageschrift bewahrheiten, dann hätten die beiden Dolmetscher im großen Stil getrickst, und teilweise unrichtige Angaben gemacht, um für Flüchtlinge Aufenthaltstitel zu erlangen. Die Staatsanwaltschaft spricht zudem von gefälschten Unterlagen und fiktiven Adressen. Je nach Dauer der Aufenthaltserlaubnis sollen die Übersetzer neben ihrem Honorar zwischen 500 und 1250 Euro kassiert haben. In der Summe kommt die Staatsanwaltschaft auf insgesamt rund 48.000 Euro.

Die Vorsitzende Richterin Christina Lange hatte zunächst damit gerechnet, dass die Angeklagten geständig sind. Im Gegenzug hatte sie ein Strafmaß in Aussicht gestellt, das zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Gleichwohl wies die Vorsitzende darauf hin, dass dies nicht ein Appell für falsche Geständnisse sein soll. Allerdings würde sich eine Hauptverhandlung mit zahlreichen Zeugen und der Würdigung umfangreicher Ermittlungsergebnisse sicherlich über mehrere Verhandlungstage hinziehen. Bekanntlich ist ein Geständnis immer strafmildernd.

Geständnisse blieben aber ebenso aus wie andererseits Signale der Staatsanwaltschaft, das Verfahren – möglicherweise gegen Auflagen – einzustellen. Die Verteidiger machten deutlich, dass eine Verurteilung für ihre Mandanten auch aufenthaltsrechtliche Konsequenzen hätte. Im Übrigen sagten die Rechtsanwälte, sie sähen ihre Mandanten weniger als Täter, sondern viel eher als Opfer.

In weiser Voraussicht, dass dieses Verfahren recht umfangreich wird, wurden zusätzlich zum erneuten Prozessbeginn am 16. Januar 2018 vorsorglich bereits fünf Fortsetzungstermine abgestimmt, die bis zum 20. März reichen.

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