Django Asül im Komm: Rigorose Politsatire und Comedy mit Tiefgang

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Er bot messerscharfes politisches Kabarett mit Comedy-Einlagen: Django Asül bot einen fantastischen Abend im Komm. Foto: Schmitz
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Er bot messerscharfes politisches Kabarett mit Comedy-Einlagen: Django Asül bot einen fantastischen Abend im Komm. Foto: Schmitz

Düren. Ein wortkarger Revolverheld war er nicht, und der Keller im Komm bot nicht wirklich Asyl vor der Sichtweise eines Django Asüls. In Western-Manier duellierte er sich mit der Politik und ihren Begleiterscheinungen. Seine Sprache war seine Waffe, er zog schnell und feuerte seine Salven aus niederbayerisch-türkischem Witz, Slapstick und spontanen Einfällen ab.

Er war ein „Django unchained“, ein los geketteter, zeitweise entfesselter Wortakrobat, der die Kunst des klassischen Polit-Kabaretts genauso beherrschte wie die Stand-up-Comedy. So gab es prompte Lacher beim Publikum, aber auch Glucksen mit Zeitverzögerung, weil man bei dem Tempo seiner Verbalattacken erst einmal nachdenken musste.

Sein Programm „Paradigma“ war rigorose Politsatire, lässige Comedy mit einigen Tiefgründigkeiten, witzigen und originellen Formulierungen und manch abstrusen Schlussfolgerungen, wie sie nur aus dem tiefsten Süden der Republik kommen können. So hat er in bayrischen Schulklassen festgestellt, dass „die eine Hälfte grantig und die andere migrantig“ sei, enttarnte Sudoku als „Kreuzworträtsel für Analphabeten“, glaubte, dass es in Nordrhein Westfalen mit Blick auf Schavan für einen Doktortitel ausreichte, „wenn es in der Doktorarbeit keinen Rechtschreibfehler gab“. „Sie ist Deutschlands Antwort auf Lance Armstrong“ grummelte er. Und mit bösem sarkastischen Unterton beim Umgang mit der NSU „Braun ist das neue Weiß“.

Vor einem NPD-Verbot empfahl er aus Testzwecken die FDP zu verbieten, um so „Sinnlosigkeit nachzuweisen“. Bösartig und fies gab er sich manchmal und ließ einen durch seine scharfzüngige Schonungslosigkeit erschaudern. Seiner unverfrorenen Direktheit stellte er fast liebevolle Züge gegenüber, wenn er genüsslich aus der Sicht seines Vaters seine türkische Mentalität auf die Schippe nahm. Er nahm kein Blatt vor den Mund, wenn er austeilte, stieß sich an Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn, dem „das Maskuline einer Renate Künast fehle“, machte einen Abstecher zu Manfred Rommel, ein Vorgänger im Amt, dessen „Vater Reiseleiter in Nordafrika war“, hatte in einem Atemzug Mitleid mit Steinbrück, dem man vorwerfe, dass „die SPD keinen Kanzlerkandidaten“ hätte, startete Richtung Hauptstadt, „wo das geistige Tiefflugverbot über Berlin aufgehoben worden sei“ und der neue Flughafen „schön längst wegen des Länderfinanzausgleichs dem Seehofer gehört“, der durch „konstante Flexibilität besticht.“

 

Mit hochgezogener Augenbraue und gerunzelter Stirn zog er im angefressenen Stammtischton über EU-Politik („die Caritas für Europa“) und Griechenland („Nix anderes als Mecklenburg-Vorpommern mit Costa Cordalis“) her, sinnierte im tief blickenden Fußballer-Jargon über die These, dass alles mit allem zusammenhänge und brachte es auf den Punkt: „Wenn man sich am Sack ein Haar ausreißt, tränt das Auge.“ Und beim Publikum kullerten die Tränen und das Zwerchfell bebte. Django war einfach formidabel.

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