Diskussion: „Der Sicherheitsstatus von Tihange ist quasi gleich Null“

Von: km
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Düren. 92 Kilometer von Düren entfernt liegt das Atomkraftwerk Tihange in Belgien. Die umstrittene Anlage ist in die Jahre gekommen und weist erhebliche Sicherheitsmängel auf.

Aber wie unsicher ist der Atommeiler und was wären die Auswirkungen für die Region Düren, sollte sich ein Unfall ereignen? Zur Beantwortung dieser Fragen hatten die Bündnis-Grünen zu einer Diskussionsrunde in das „Komm“-Zentrum an der August-Klotz Straße in Düren eingeladen. Zu Gast waren Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer und Diplom-Ingenieur Horst Gasper, der sich vor allem mit der technischen Seite der Sicherheitsmängel beschäftigte.

„Wenn nahe der Grenze etwas passieren sollte, dann sind wir direkt betroffen“, betonte Krischer. „Diese Grenzproblematik macht Energiepolitik zu einem nationenübergreifenden Problem.“ Dazu zeigte er Prognosen der Universität Wien zu einer möglichen Verteilung der Radioaktivität nach einem Unfall. So sei die Region Aachen und Düren in verschiedenen Wetterszenarios die am stärksten betroffene Gegend. Vor allem bei Westwind, der hier nicht selten herrscht, würde die austretende Strahlung in die Region getragen.

Doch wie unsicher ist eigentlich der umstrittene Reaktor Tihange 2? Horst Gasper hat sich in seinem Arbeitsleben ausgiebig mit Druckbehältern, wie dem beschädigten in Tihange, auseinandergesetzt. „Die sogenannten Risse in der Schutzhülle sind eigentlich eine Aneinanderreihung von Hohlräumen im Werkstoff des Behälters“, erklärt er. „Für solche Druckbehälter gilt aber das Prinzip der Basissicherheit, das besagt, dass der Werkstoff in der gesamten Lebenszeit eine höchstmögliche Qualität haben muss. Das ist klar nicht der Fall.“

Anhand einer Berechnung erklärte der Diplom-Ingenieur, dass der 100 Millimeter dicke Sicherheitspuffer der Anlage durch die Hohlräume faktisch unwirksam sei. „Der Sicherheitsstatus des Druckbehälters ist damit quasi gleich Null“, so Gasper. „Jeder deutsche Ingenieur hätte den Betrieb sofort eingestellt.“

In einer Diskussion konnten die Zuhörer dann ihre Fragen an die Referenten richten. Thematisiert wurden unter anderem die persönlichen Konsequenzen für Bürger der Region im Ernstfall.

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