Arnoldsweiler - Direktvermarktung: Mehr Risiken, aber auch mehr Freiheit

Direktvermarktung: Mehr Risiken, aber auch mehr Freiheit

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Direktvermarkter: Viele Kunden von Heinz und Gaby Macherey kommen aus der Nachbarschaft.
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x. Fotos: Stephan Johnen

Arnoldsweiler. Manche Dinge kommen Heinz Macherey nicht in den Einkaufswagen. Kartoffeln aus Ägypten beispielsweise. Es mag daran liegen, dass der 56-Jährige Landwirt ist und mehr Erdäpfel anbaut als er essen kann. Doch das ist nicht der Grund: Sobald er den Hof verlässt, ist auch Heinz Macherey ein normaler Konsument, der für seine Familie Obst und Gemüse einkauft.

Dabei hat er Prinzipien – er setzt auf regionale und saisonale Produkte. Deswegen würde er nie Spargel aus Griechenland oder Erdbeeren an Heiligabend essen. Er kauft Ost und Gemüse, das nur wenig Zeit auf der Straße herumgegurkt wurde. Es ist kaum verwunderlich, dass sein Betrieb beim Infoportal „Eifel-Düren-Zukunft“ für Direktvermarkter auftaucht.

Federführend hat der Tierschutzverein für den Kreis Düren dort Lebensmittelproduzenten aufgelistet, die ihre regionalen Lebensmittel direkt vermarkten. Seit diesem Monat ist die Seite abrufbar. Der Bau einer Hähnchenmastanlage hatte im Kreis Düren eine Diskussion über Ernährung, Tierschutz und Wirtschaft ausgelöst. In einem Symposium entwickelten viele Organisationen und Gesprächspartner Ideen und Ansätze für die Zukunft der Landwirtschaft. „Daraus entstand die Initiative Eifel-Düren-Zukunft“, blickt Jürgen Plinz vom Tierschutzverein zurück. Ziel soll der Fortbestand einer bäuerlichen Landwirtschaft sein, bei der auch das Wohl der Tiere einen hohen Stellenwert einnimmt. Die direkte Vermarktung spielt eine zentrale Rolle.

Heinz Macherey, in vierter Generation Landwirt, ist auf diesen Kurs schon vor 23 Jahren eingeschwenkt. In der Vergangenheit hat er auch Produkte für Supermärkte angebaut. Die Sorten wurden vorgegeben, der Preisdruck nahm zu, aber immerhin konnte Macherey sicher sein, dass er seine Ernte auch verkauft bekam. „Wir sind ins kalte Wasser gesprungen“, sagt er.

Mancher Versuch, mit gewissen Produkten bei der Direktvermarktung Fuß zu fassen, sei gescheitert. Aber Heinz und Gaby Macherey haben nicht aufgegeben. „Wir haben Lehrgeld gezahlt“, sagt er. Bereut hätten sie die Entscheidung nicht. Trotz aller wirtschaftlicher Unwägbarkeiten habe der Schritt auch Freiheiten gebracht. Mit Baby Laura ist damals das erste der zwei Kinder zur Welt gekommen. Gaby Macherey entschied sich, ihre Stelle im Forschungszentrum Jülich aufzugeben und den eigenen Hofladen mit aufzubauen.

Heinz Macherey hat sich mittlerweile auf Kartoffeln spezialisiert. Er baut Sorten an, die er damals nicht hätte ziehen können. „Die Erträge sind geringer, aber die Kartoffeln schmecken prima“, sagt er augenzwinkernd. „Für manchen Supermarkt-Verkaufspreis könnten wir unsere Kartoffeln nicht produzieren“, fügt er hinzu. Seine Kunden seien bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. „Wir haben Glück, mitten im Dorf zu leben“, räumt Macherey ein. Er beliefert zwar einige Gaststätten, aber die meisten Kunden kommen aus dem Ort und der näheren Umgebung. Denen bietet er auch weitere Lebensmittel an: Eier holt er beispielsweise von einem Kollegen aus Jülich, Spargel und Erdbeeren aus dem Umland. „Wir tauschen uns aus“, sagt er.

Wie die Geschäfte laufen? „Es könnte mehr sein“, sagt Macherey. Er muss lachen: „Es könnte immer mehr sein.“ Die Direktvermarktung sei ein Auf und Ab, jeder Lebensmittelskandal mache sich bemerkbar, löse aber keinen Boom aus. Und dennoch: „Unter den neuen Kunden sind viele junge Familien“, berichtet Gaby Macherey. „Die Leute machen sich mehr Gedanken übers Essen.“ Ist es eine Trendwende? Heinz Macherey zuckt mit den Schultern. Wie heißt es so schön: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Heinz Macherey wartet noch ab.

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