Digitale Notfallakte: Pilotprojekt geht in entscheidende Phase

Von: Jörg Abels
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Vergangenheit und Zukunft: Die digitale Patientenakte könnte bei Notfallpatienten schon bald die klassische Papier-Akte ablösen. Den Zugang erhalten nur registrierte Ärzte über ein Barcode-Ticket, das der Patient von seinem Hausarzt erhält. Fotos: Stock/imagebroker/privat, Collage: DZ
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Facharzt Ulrich Driessen hat die ersten digitalen Notfallakten angelegt, weitere folgen. Foto: Abels

Langerwehe/Düren. Wenn ein schwer kranker Patient als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert wird, haben die Ärzte in der Notaufnahme nicht selten ein Problem: Sie kennen die Vorgeschichte des Patienten nicht, haben keine Angaben über Diagnosen, den aktuellen Medikamentenplan, etwaige Unverträglichkeiten und Allergien.

Im Idealfall ist der Hausarzt noch erreichbar, oder aber der Patient selbst und Verwandte können weiterhelfen. In jedem Fall aber geht wertvolle Zeit verloren, vor allem nachts, an Wochenenden und an Feiertagen, weil die Patientenakte des Hausarztes nicht sofort im Krankenhaus verfügbar ist.

Datenschutz hat höchste Priorität

Das muss in Zukunft nicht mehr sein, sollte die digitale Notfallakte Standard werden. Seit 2007 arbeitet die „Dürener Arbeitsgemeinschaft für integrierte Versorgung“ (Dagiv) in einem vom Land NRW und der EU geförderten Pilotprojekt unter Wahrung höchster Datenschutzstandards an der Entwicklung und Einrichtung einer einrichtungsübergreifenden Patientenakte.

Nach dem elektronischen Arztbrief, der mittlerweile bereits mehr als 4000 Mal im Monat mit Befunden zwischen Fach- und Hausärzten im Raum Düren verschickt wird, hat der Langerweher Facharzt und Dagiv-Vorstand Ulrich Driessen die nächste Runde des Projekts eingeläutet.

Um eine gesicherte Weiterbehandlung schwer kranker Patienten auch während des Praxisurlaubs sicherzustellen, hatte er bereits im vergangenen Herbst erstmals digitale „Vertretungsakten“ angelegt, auf die der Vertretungsarzt mit Einverständnis des Patienten zugreifen konnte. Jetzt hat er begonnen, digitale Notfallakten anzulegen.

„Eine solche Akte wird nach schriftlicher Einverständniserklärung des Patienten vom Hausarzt angelegt, verschlüsselt und signiert auf Hochsicherheitsrechner der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein in Düsseldorf gespeichert“, erklärt Driessen das Verfahren, das bereits bei den Arztbriefen zum Einsatz kommt. Als „Zugriffschlüssel“ erhält der Patient ein „Barcode-Ticket“.

„Nur ein bei der KV für dieses Verfahren zugelassener Arzt kann dann auf die Akte zugreifen, wenn der Patient ihn vorher mit dem Ticket autorisiert hat.“ Driessen spricht von einem Verfahren, das unter Aufsicht des Landesdatenschutzbeauftragten entwickelt wurde und absolut sicher sei – anders als die auch schon einmal angedachte Speicherung persönlicher Krankheitsdaten auf einer viel zu leicht auslesbaren Gesundheitskarte, ganz abgesehen vom rechtlich bedenklichen Versenden der Daten per Fax, das bei Eingabe einer falschen Nummer woanders landen kann.

Driessen betont, dass eine digitale Notfallakte natürlich nicht für jeden Patienten angelegt werden muss. Er selber hat bislang mehrfach erkrankte Patienten ausgewählt, die immer wieder als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Und weil sich Notfälle nach seinen Angaben zu mehr als 60 Prozent außerhalb der Praxisöffnungszeiten ereignen, ist er überzeugt, dass die elektronische Notfallakte bei Risikopatienten sogar lebensrettend sein kann.

Daher kann er bei seinen Kollegen nur für das neue Verfahren werben, auch wenn der zusätzliche Aufwand bislang noch nicht von den Kassen bezahlt wird. „Mit maximal 15 Minuten pro Patient ist der Zeitaufwand aber überschaubar.“

Driessen kündigt an, dass in den kommenden Wochen 20 Arztpraxen im Raum Langerwehe und Kreuzau mit der für das neue Verfahren benötigten Technik ausgerüstet werden. Der Aufwand sei überschaubar. Benötigt würden nur ein Barcode-Gerät und ein Labeldrucker.

Das Krankenhaus Düren hat seine Notfallambulanz bereits mit dem benötigten Lesegerät ausgestattet, die Krankenhäuser in Birkesdorf und Lendersdorf sollen in Kürze folgen, kündigt Driessen an.

„Wir haben dieses Projekt von Beginn an mit angeschoben und sind nun begeistert, dass es in der Praxis funktioniert“, erklärt Dr. Gereon Blum, Geschäftsführer des Krankenhauses Düren. „Die Notfallakte ermöglicht uns eine deutlich bessere Vernetzung mit den niedergelassenen Ärzten rund um die Uhr, also auch wenn die Praxen nicht geöffnet sind. Für die Versorgung der Patienten ist das ein großer Schritt nach vorne. Wir wünschen uns deshalb, dass sich bald möglichst viele Arztpraxen daran beteiligen.“

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