Kreis Düren/Vettweiß - Dietmar Nietan: Selbst für Martin Schulz immer erreichbar

Dietmar Nietan: Selbst für Martin Schulz immer erreichbar

Von: Jörg Abels
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Einen Tag lang nimmt sich SPD-Bundestagskandidat Dietmar Nietan Zeit, um jede Kommune im Kreis Düren zu besuchen. Das Programm bestimmt der Ortsverein. In der Gemeinde Vettweiß standen unter anderem ein Besuch der Feuerwehr, der Kita „Tummelkiste“ in Disternich und Haustürwahlkampf auf dem Programm. Foto: Jörg Abels
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Einen Tag lang nimmt sich SPD-Bundestagskandidat Dietmar Nietan Zeit, um jede Kommune im Kreis Düren zu besuchen. Das Programm bestimmt der Ortsverein. In der Gemeinde Vettweiß standen unter anderem ein Besuch der Feuerwehr, der Kita „Tummelkiste“ in Disternich und Haustürwahlkampf auf dem Programm. Foto: Jörg Abels
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Einen Tag lang sich SPD-Bundestagskandidat Dietmar Nietan Zeit, um jede Kommune im Kreis Düren zu besuchen. Das Programm bestimmt der Ortsverein. In der Gemeinde Vettweiß standen unter anderem ein Besuch der Feuerwehr, der Kita „Tummelkiste“ in Disternich und Haustürwahlkampf auf dem Programm. Zwischen zwei Terminen ist das Smartphone Nietans wichtigster Begleiter. Foto: Jörg Abels
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Einen Tag lang sich SPD-Bundestagskandidat Dietmar Nietan Zeit, um jede Kommune im Kreis Düren zu besuchen. Das Programm bestimmt der Ortsverein. In der Gemeinde Vettweiß standen unter anderem ein Besuch der Feuerwehr, der Kita „Tummelkiste“ in Disternich und Haustürwahlkampf auf dem Programm. Zwischen zwei Terminen ist das Smartphone Nietans wichtigster Begleiter. Foto: Jörg Abels
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Einen Tag lang sich SPD-Bundestagskandidat Dietmar Nietan Zeit, um jede Kommune im Kreis Düren zu besuchen. Das Programm bestimmt der Ortsverein. In der Gemeinde Vettweiß standen unter anderem ein Besuch der Feuerwehr, der Kita „Tummelkiste“ in Disternich und Haustürwahlkampf auf dem Programm. Zwischen zwei Terminen ist das Smartphone Nietans wichtigster Begleiter. Foto: Jörg Abels

Kreis Düren/Vettweiß. Auf sein Smartphone kann Dietmar Nietan im Wahlkampf nicht verzichten; auch nicht an diesem Tag in der Gemeinde Vettweiß. Als Schatzmeister der Bundes-SPD und damit Mitglied des engsten Führungszirkels der Partei muss der 53-jährige Dürener immer erreichbar sein, im Zweifelsfall sehr schnell auf E-Mails aus der Berliner Parteizentrale reagieren. Aber der Ton ist ausgeschaltet. In der Regel nimmt Nietan Anrufe mit einem flüchtigen Blick zur Kenntnis und ruft zwischen zwei Terminen zurück.

Beim Besuch der Firma Composition X aber ist das anders. Während Geschäftsführer Arnd Lemhöfer das Tätigkeitsfeld des Vertriebsspezialisten für Sprengstoffentschärfungstechnik skizziert, zeigt ihm der Blick aufs Handy-Display, dieser Anrufer kann nicht mal ebenso weggedrückt werden: „Entschuldigung, der Martin ruft an!“, sagt Nietan zur Entschuldigung und verlässt den Raum. Den Bundesvorsitzenden und Kanzlerkandidaten lässt auch ein Bundes-Schatzmeister nicht mal eben warten, schon gar nicht, wenn Martin Schulz in Rage ist. Was den Kanzlerkandidaten so verärgert hat, verrät Nietan wenig später. Es war eine live im Internet übertragene Diskussionsrunde der Lübecker Nachrichten, bei der sich die Verlagsgeschäftsführerin bei Schulz über den Mindestlohn für Zeitungsboten beklagte.

Das Pikante: Über die parteieigene Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) ist die SPD auch am Verlag der Lübecker Nachrichten beteiligt. „Und die Geschäftsführerin weiß ganz genau, dass es CDU-Fraktionschef Volker Kauder war, der die von Andrea Nahles (Bundesarbeitsministerin, SPD, Anm. d. Red.) vorgeschlagene fünfjährige Übergangsregelung für Zeitungsboten verhindert hat“, erklärt Nietan, der für die SPD Gesamttreuhänder der DDVG ist.

Am Telefon mit Martin Schulz und weiteren Genossen muss nun blitzschnell das weitere Vorgehen abgestimmt werden. Minuten später kehrt Nietan zurück: „Viele Grüße vom Kanzlerkandidaten“, sagt er freundlich in die Runde, auch wenn er innerlich kocht.

Zuhören, ins Gespräch kommen

Der Tag in der Gemeinde Vettweiß ist für Nietan einer von 15 Tagen, die er sich trotz regelmäßiger Verpflichtungen in Berlin gezielt für Besuche in den Kommunen seines Wahlkreises reserviert hat. „Das Programm organisiert immer der jeweilige Ortsverein“, betont der Dürener. „Da rede ich nicht rein.“ Nietan trifft auf die unterschiedlichsten Menschen, in Vettweiß auf einen irakischen Flüchtling und seinen Betreuer, auf die Vertreterin einer Elterninitiative, die aus der ehemaligen Grundschule Müddersheim einen Kindergarten machen wollen, und die Verantwortlichen der Festhalle Gladbach.

Nietan hört zu, kommt ins Gespräch, gibt praktische Tipps, sagt Unterstützung zu ohne etwas zu versprechen, was er vielleicht nicht halten kann, und versucht, Politik zu erklären. Dass er als Außenpolitiker, immer wieder betonen muss, in diesem oder jenem Bereich kein Experte zu sein, nimmt ihm niemand übel, im Gegenteil: Die Ehrlichkeit macht ihn sympathisch.

„Wenn die Menschen nachher sagen, der Nietan ist einer, mit dem man reden kann, der nicht abgehoben ist, bin ich schon zufrieden“, betont der Berufspolitiker. Und mit diesem Ziel fährt er auch zu den Menschen, die ihn zum Kaffee einladen, der zweiten Säule seines Wahlkampfes. Rund 40 Mal heißt es bis zum 24. September für Nietan „Sie machen den Kaffee, ich bringe den Kuchen mit“.

Dass er auch mit diesen gut einstündigen Treffen nur wenige Menschen erreicht, ist ihm bewusst. Er hofft aber auf die multiplizierende Wirkung der Begegnungen vor Ort. Er will für den Wähler greifbar sein. Deshalb gehört für ihn auch in Vettweiß Klinkenputzen dazu. Mit einer Rose und einem Kandidateninfo in der Hand von Haus zu Haus zu gehen, ist für ihn immer noch das „effektivste Mittel“ – auch wenn sich die Gespräche oft nur auf ein kurzes Hallo und eine kurze Vorstellung beschränken. Denn Nietan weiß: „Am späten Nachmittag, wenn die Menschen gerade von der Arbeit kommen, wollen sie nicht lange gestört werden.“ Ausufernde Reden wären da kontraproduktiv.

Dietmar Nietan wird aller Voraussicht nach auch dem kommenden Bundestag angehören, auch wenn er sich keine Illusionen macht, den Wahlkreis Düren wie 1998 und 2002 noch einmal direkt gewinnen zu können. „Dafür müsste die SPD insgesamt schon bei 38 bis 40 Prozent liegen.“ Nietan ist auf der Landesliste der SPD mit Platz 9 gut abgesichert. Trotzdem hat er ein klares Ziel vor Augen, für das er sich ins Zeug legt. „Mein Erststimmenergebnis soll besser sein als das Zweitstimmenergebnis der SPD im Kreis Düren.“ 2013 hat er das mit 34:30 Prozent geschafft, lag aber 16 Prozentpunkte hinter Thomas Rachel (CDU).

Begonnen hatte der Tag in der Gemeinde Vettweiß für Nietan in Disternich, genauer gesagt in der Awo-Kita „Tummelkiste“. Mit der Jugendhilfepolitik im Kreis Düren groß geworden, ist der 53-Jährige sofort in seinem Element, zeigt großes Verständnis für die Probleme des Trägers in Personalfragen, fordert ein modulares System mit Aufstiegschancen auch für Geringqualifizierte, wenn sie die notwendige Empathie im Umgang mit den Kleinsten mitbringen und überträgt diese Forderung gleich auch noch auf den Pflegebereich.

Dass er Zeit findet, einigen Kindern vorzulesen, ist für Nietan selbstverständlich. Seit Jahren beteiligt er sich am bundesweiten Vorlesetag. Die Kinder haben Spaß. „Nur: Wenn die wählen dürfen, bin ich in Rente“, sagt der Dürener mit einem Augenzweinkern, um direkt wieder ernst zu werden. „Mit 70 werde ich sicherlich nicht mehr im Bundestag sitzen.“

Beim Besuch der Freiwilligen Feuerwehr macht Nietan deutlich, dass er von Steuersenkungen nichts hält. „In einer Zeit hoher Steuereinnahmen, müssten wir eigentlich für schlechte Zeiten investieren“, betont er – in Straßen und Schienen zum Beispiel, in Schulen, den Breitbandausbau im ländlichen Raum, den Katastrophenschutz und die finanzielle Ausstattung der Kommunen.

„Wenn wir jetzt nicht mehr für die Kommunen tun, werden wir ein Problem mit der Demokratie bekommen“, steht für ihn fest. „Denn um den Mangel zu verwalten, wird sich in Zukunft niemand mehr im Gemeinderat engagieren.“ Nur finanziell gut gestellte Kommunen könnten Anreize auch für das Ehrenamt Feuerwehr setzen, etwas gegen die beengten Platzverhältnisse tun, die auch die Vettweißer beklagen.

Sieben Termine in sieben Stunden

Nach sieben Stunden mit sieben sehr unterschiedlichen Terminen und „spannenden Gesprächen“, wie Nietan selber sagt, geht der Tag in Vettweiß für ihn zu Ende. Von Feierabend kann so kurz vor der Bundestagswahl jedoch noch längst keine Rede sein. Noch einmal ist an diesem Abend des Bundesschatzmeister Dietmar Nietan gefordert. In Engelskirchen im Oberbergischen Kreis sollte eigentlich SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sprechen. Weil der aber kurzfristig absagen musste, springt der Dürener ein. Seine SPD-Bundestagskollegin Michaela Engelmeier zu unterstützen, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

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