Dieter Nuhr in der Arena: Ohne Deko und mit einem Rollcontainer

Von: Axel Keldenich
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„Zugabe“ im Foyer der Arena: Dieter Nuhr signierte geduldig Bücher für sein Publikum. Während seiner Show bekamen nicht nur Veganer und Vegetarier ihr Fett ab, sondern auch die AfD, Trump, Le Pen, Putin und Wilders. Foto: Axel Keldenich

Düren. Es war „Nur Nuhr“, aber für 2406 Zuschauer und -hörer reichte dieser ja auch nur scheinbar abfällige Titel, um in die Arena Kreis Düren zu pilgern. Gleich vorneweg: Deutschlands Top-Kabarettist Dieter Nuhr belohnte alle Gekommenen mit einem erwartet pointenreichen und ausgedehnten Programm.

Gleich zu Beginn stellte er sich uninformiert und fragte in die Arena „Irgendwas passiert heute? Ist Merkel gut von Trump zurück?“, um dann gleich ein Zwiegespräch mit einem Paar zu beginnen, das noch seine Plätze in der ersten Reihe suchte und nicht auf Anhieb fand: „Nehmen Sie ruhig Platz oder sitzen Sie gar nicht in der ersten Reihe. Ja, ja, die 37 auf der Karte hat nichts zu sagen. Wieso so spät? Ach so, keinen Parkplatz gefunden. Kam ja auch ganz plötzlich, der Termin heute Abend. Und ich Depp fahr extra früh los.“ Und als „Belohnung“ dann: „Okay, ich geh noch mal raus und komm wieder rein. Dann haben Sie das Gefühl, nichts verpasst zu haben.“

Sprach’s, tat’s und hatte von der ersten Minute an das Auditorium im Griff – stehend auf einer Bühne ohne jegliche Dekoration und mit nur einem Rollcontainer und einem Tablet-Halter sowie dem Handmikrofon. Er sei schon dabei, den Jahresrückblick für 2017 vorzubereiten, ließ Nuhr wissen und rekapitulierte, was von Neujahr bis zum Frühlingsbeginn so alles schon passiert war. Natürlich ging es dabei um Politik mit Trump, Putin, Wilders, Le Pen, der AfD und der Pegida, die allesamt ihr Fett weg bekamen.

Aber er fand auch Anderes erwähnenswert, wie etwa die Forderung nach der Schaffung einer behördlichen Sexberatung und -hilfe für Senioren. In typischer Nuhr-Manier deutete er hier offensichtliche Gags nur an, ließ das Thema dann in der Luft hängen und das Publikum seine Schlussfolgerungen selber ziehen. Ähnlich ging er den Vergleich der heutigen Eltern samt Erziehungsmethoden mit dem, was er als Kind erlebt hatte, an. Der Altersschnitt im Publikum garantierte dabei mehrfachen Szenenapplaus.

Zwischen diesen unterhaltsamen und komischen Elementen griff Nuhr aber auch immer wieder in ernsteren Passagen Missstände auf. Ob religiöse Fanatiker, Fremdenhasser, Diktatoren in aller Welt, gegen sie alle rief er sein Publikum zu Wachsamkeit und Widerstand auf. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch, dass auf vielen Kanälen nur noch Negatives verbreitet werde und gute Nachrichten nur selten weitergegeben würden.

In harmloserer Art und Weise machte er sich dann wieder über übertriebenes Vegetarier- und Veganertum lustig, hielt überzogen agierenden Gutmenschen den Spiegel vor oder machte sich über die Bundeswehr lustig. „Wenn die uns mit ihrem kaputten Material gegen den IS verteidigen sollten, gäbe es nur eine Möglichkeit: Bei Erfurt soll es noch ein Bataillon geben, das über eine Gulaschkanone verfügt. Damit könnte man den Feind mit Schweinefleisch beschießen.“

Nach knapp zweieinhalb Stunden Programm, anhaltendem Applaus und einer Zugabe signierte Nuhr dann im Foyer der Arena Kreis Düren noch sein neues Buch, so dass, wer wollte, ihm noch einmal aus nächster Nähe zunicken konnte.

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