Düren - Dieter Nuhr: „Am Ende wird das Publikum geheilt sein“

Dieter Nuhr: „Am Ende wird das Publikum geheilt sein“

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Dieter Nuhr, der mit ruhiger Stimme seine Weltansicht vor dem Publikum ausbreitet, ist in Düren ein gern gesehener Gast. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. Er gehört zu den beliebtesten Kabarettisten Deutschlands. 1960 in Wesel geboren, zog Dieter Nuhr als Vierjähriger mit seiner Familie nach Düsseldorf. Er studierte zunächst Kunst und Geschichte auf Lehramt in Essen, bevor er sich ganz der Bühne widmete. Am 25. Februar gastiert der 55-jährige Comedian in der Arena Kreis Düren mit seinem neuen Programm „Nur Nuhr“.

Mit unserer Mitarbeiterin Gudrun Klinkhammer sprach er über soziale Medien, das Zusammenspiel von Improvisation und Vorgabe auf der Bühne und Dinge, die ihn aus der Fassung bringen.

Ihr erstes Soloprogramm „Nuhr am Nörgeln“ ging 1994 über die Bühne. Wie hat sich Ihr Stil seither verändert? Sind Sie politischer geworden?

Nuhr: Nein, eigentlich nicht. Schon damals ging es in meinen Programmen um Gott, die Welt und die Gesellschaft, das hat sich unwesentlich geändert. Geändert hat sich meine Weltsicht, die ist sicher reifer geworden, aber das wäre ja auch traurig, wenn es anders wäre.

Sie bezeichneten die sozialen Kanäle wie Facebook und Twitter in einem Interview einmal als große Last, eine Kultur wie auf einem Schulhof. Sie haben inzwischen mehr als 571.000 Twitter-Follower und nahezu 500 000 Likes bei Facebook. Beantworten Sie Fragen und Kommentare da wirklich noch selber und sind die Tweets wirklich von Ihnen? Auch wenn es lästig sein mag, ist es nicht ein enormer Radius, ein enormes Wirkungsfeld?

Nuhr: Alles, was da unter meinem Namen steht, ist natürlich auch von mir. Ich lasse selbstverständlich niemand anderen in meinem Namen sprechen. Allerdings werde ich in Zukunft richtige Gedanken eher woanders äußern. Die angeblich sozialen Medien sind leider nur noch Schauplätze eines lautstarken Durcheinanderplärrens. Da hat sich eine Kultur des aggressiven Rumlärmens durchgesetzt. Man kann dort viel über die menschliche Natur lernen: Zivilisation ist nur eine dünne Kruste, und sie benötigt unbedingt die Haftbarkeit des Einzelnen. Das ist im Netz nicht gegeben.

Wie viel Improvisation beinhaltet ein Bühnenabend, den Sie gestalten und wie viel Vorgabe?

Nuhr: Unterschiedlich. Aber das Programm ist natürlich in erster Linie geskriptet. Wenn es noch neu ist, wie im Moment, ist der Anteil des Spontanen höher. Gut ist, wenn man den Unterschied nicht erkennt.

Zwei Stunden lang als Alleinunterhalter an einem Abend das Publikum bespaßen, fesseln und begeistern – wie halten Sie die Konzentration?

Nuhr: Ich kämpfe auf der Bühne selten gegen das Einschlafen. Da unten sitzen ein paar Tausend Leute. Da besteht dann schon ein gewisser Druck, nicht einzunicken. Ich präsentiere ja mich selbst als Person. Deshalb versuche ich, einen guten Eindruck zu machen und gebe mir Mühe. Ich finde die Idee aber grundsätzlich lustig, man könnte den Abend auch einfach mal schleifen lassen. Vielleicht probiere ich das mal aus.

Woher ziehen Sie immer neue Ideen? Und wie wird aus einer Idee ein Programmteil?

Nuhr: Eigentlich formuliere ich nur, was mir so durch den Kopf geht. Wenn mich ein Thema beschäftigt, ist es bühnentauglich. Und bisher war es eigentlich immer so, dass es dann auch ein Publikum gab, das sich für dieselben Themen interessierte.

Sie fotografieren leidenschaftlich gerne, gibt es weitere Hobbys?

Nuhr: Tennis. Ich bin auch noch sexuell aktiv. Und ich besuche gern den Fischmarkt in Tokio oder ein Kloster in Bhutan. Ich mag es, in der Fremde zu sein. Da erkennt man, dass auch der eigene Lebensentwurf bloß eine kulturell geprägte Willkürlichkeit ist.

Was wissen Sie über Düren?

Nuhr: Es verfügt über Länge, Breite und Höhe. Vom Wetter her ist es so lala. Und New York ist noch aufregender. Ansonsten bin ich ja immer nur zum Auftritt da, deshalb weiß ich nicht so viel. Angeblich hatte Karl der Große damals Düren als Hauptstadt der Bundesrepublik vorgesehen, aber zu deren Gründung kam es dann ja erst fast 1000 Jahre später. Schade.

Und was erwartet die Besucher Ihres Programms „Nur Nuhr“?

Nuhr: Ein lebensfreudiger Abend. Es wird viel gelacht. Es wird deutlich, dass der Mensch zwar Primat, aber als solcher den meisten anderen Tieren überlegen ist. Außerdem wird nebenher die Welt erklärt. Am Ende wird das Publikum geheilt entlassen. Was will man mehr?

Sie sagen, was Sie denken, Angriffe berühren Sie. Wie reagieren Sie sich ab?

Nuhr: Hauptsächlich durch Kopfschütteln. Fassungslosigkeit kommt bei mir zwar häufig vor, geht aber auch schnell wieder vorbei. Ich bin insgesamt gesehen sehr zufrieden. Da muss man selbst dümmlichste Anpinkeleien akzeptieren. So ist er halt, der Homo Sapiens.

Was bringt Sie aus der Fassung?

Nuhr: Dummheit an sich finde ich akzeptabel, wenn sie unabänderlich ist aufgrund von Beschränktheit. Selbstüberschätzung aber ist unverzeihlich. Wer sich beispielsweise selbst als Mitglied einer Herrenrasse feiert oder aus religiösen Gründen in die Luft sprengt, hat einen Grad an Bekloppheit erreicht, der für Vernunftbegabte nicht mehr zu ertragen ist. Die Erkenntnis der eigenen Beschränktheit finde ich sympathisch, Hochmut ist schäbig und macht mich fassungslos.

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