Die Trampelpfade bleiben geschlossen

Von: Gudrun Klinkhammer
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Das Betretungsverbot der Wege gilt im „Kühlenbusch,“ einem Naturschutz- beziehungsweise Fauna-Flora-Habitat-Gebiet, bereits seit 1998, wie diese Schild im Wald zeigt; es wurde aber erst, viele Jahre später, zum Ärger der Bevölkerung umgesetzt. Foto: Gudrun Klinkhammer

Abenden. Die Frage, ob die seit einigen Monaten gesperrten Wege und Trampelfade im Kühlenbusch wieder reaktiviert werden können, erwies sich am Donnerstagabend während einer Bürgerversammlung als Nullrunde.

Entweder war die Idee aus Sicht der anwesenden Naturschützer, was den überwiegenden Teil der Trampelpfade anging, gar nicht machbar oder die Anwesenden zeigten an der Möglichkeit, einen kleinen Weg wieder in Betrieb zu nehmen, kein Interesse.

Erschwerend kam die Tatsache hinzu, dass der Eifelverein vor einigen Jahren 60 Prozent der Wege im Land entwidmet hat und diese seither auch nicht mehr pflegt, eben auch Wege im Kühlenbusch. Damit gab der Eifelverein gleichzeitig die Verkehrssicherungspflicht ab, ein neuer Träger für die Verkehrssicherungspflicht würde sich aufgrund der komplizierten Gesetzeslage bei einem Unfallhergang auch nicht so schnell finden lassen – wenn überhaupt. Keiner stand während der Versammlung auf und sagte: „Ich mache es.“

Eben um den Kühlenbusch, ein beliebtes Waldgebiet bei Abenden, gab es in den vergangenen Monaten hitzigen Ärger, Behörden ließen sich mit der Umsetzung des Landschaftsplans 15 Jahre Zeit und es wurde viel „Mist“ gebaut, was die Kommunikation anging, stellten Vertreter verschiedener Behörden fest.

Zu diesem umstrittenen Thema hatte die Verwaltung der Stadt Nideggen in der Festhalle nach Abenden eingeladen. Vor einigen Jahren kaufte der promovierte Diplom-Kaufmann Dr. Nils-Christian Hakert das private Anwesen Kühlenbusch samt mittig liegender Villa von der Familie Schoeller.

Da Hakert um die Problematik des Landschaftsschutzes wusste, holte er 2014 alle zuständigen Behördenvertreter an einen Tisch. Es kamen Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde und der Biologischen Station des Kreises Düren, der Stadt Nideggen, des Eifelvereins, Jagdpächter und der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft.

Während der Bürgerversammlung waren nun Martin Castor, Sachgebietsleiter Natur und Landschaft der Untere Landschaftsbehörde vor Ort, ebenso Kreismitarbeiter Lothar Gerhards, sachlich zuständig für das Gebiet der Buntsandsteinfelsen. Vertreter des Eifelvereins, Jäger und Förster hatten im Publikum Platz genommen, dort folgte auch Nils-Christian Hakert dem Geschehen.

Als Moderator verstand es der Nideggener Bürgermeister Marco Schmunkamp, die teilweise sehr emotional geführte, zweistündige Veranstaltung immer wieder auf eine sachliche Ebene zurückzuführen. Auch nahm er Schuld auf sich und seine Mitarbeiter, indem er sagte: „Es ist damals versäumt worden, über die Sperrungen sachlich die Politik und die Bevölkerung zu informieren.“

Dabei war Schmunkamp zur damaligen Zeit noch gar nicht Bürgermeister, die Schuld traf da wohl eher seine Vorgängerin. Was Schmunkamp bedauerte: „Es waren in den vergangenen Monaten so viele Falschaussagen unterwegs, vor allem in den sozialen Medien, das soll bei derartigen Sprengstoffthemen nicht wieder vorkommen. Das war uns eine Lehre.“

Fakt ist: Der Kühlenbusch ist ein ausgewiesenes Naturschutz- beziehungsweise Fauna-Flora-Habitat-Gebiet. Damit darf er nicht wie ein normales Waldgebiet betreten werden, sondern ausschließlich auf ausgewiesenen Wegen. Fakt ist aber auch, dass Wanderer und Mountainbiker kontinuierlich und verbotener Weise Pfade etwa als Abkürzungen im Kühlenbusch, dem „Hausberg“ der Menschen aus Abenden, benutzten und sogar immer noch benutzen.

Auf Bitten der Behörden machte Hakert diese Pfade dicht, was ihm und seiner Familie viel Ärger bis hin zu massiven Drohungen einbrachte. Er legte sogenannte „X-Holzfällungen“ an, ließ also mächtige Bäume über Kreuz auf die verbotenen Pfade legen. Eine gängige Maßnahme in einem Forst, Wege zu sperren.

Doch anstatt sich abschrecken zu lassen, sägten Unbefugte diese Pfade wieder frei. Daraufhin ließ Hakert haushohe Gestrüppwände aufstapeln, was viele Wanderer völlig vor den Kopf stieß. Die Crux, wie Gerhards ausführte: „Weil es sich um illegale Pfade handelte, durften wir auch keine offiziellen Hinweisschilder mit entsprechend erklärendem Text aufstellen.“

Das darf nur bei bis dato legalen Wegen passieren. Aus der Not heraus hängten die Beteiligten eher dilettantisch anmutende Zettel als Erklärung auf, was die Wanderer noch weiter auf die Palme trieb.

Der Landschaftsplan, der jetzt im Kühlenbusch endlich greift, wurde bereits 1998/99 aufgestellt. Theoretisch hätte er damals auch bereits umgesetzt werden müssen. Allerdings gibt es viele Stellen in den Gemeinden Kreuzau und Nideggen, die Lothar Gerhards mit seinen Kollegen in Hinblick auf die Umsetzung des Landschaftsplanes zu bearbeiten hat.

Der Staatswald und die Rather Felsen erhielten Priorität. Der Kühlenbusch schlief zunächst eine Art Dornröschenschlaf. Nun sollen auch hier Uhu, Wildkatze und diverse Spechtarten, wie gesetzlich verlangt, zunehmend geschützt werden.

Was einige der Anwesenden begrüßten: Der Wanderweg 37, wunderschön und vom Eifelverein gepflegt, wird im Kühlenbusch erhalten bleiben. Auf der anderen Seite wurde bedauert, dass Kulturgut verloren gehe sowie die Möglichkeit, auf liebgewonnenen Pfaden den Kühlenbusch zu beschreiten.

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