Die Tollitätenfrage ist in Düren auf Jahre geklärt

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Die Organisation des Orchideensonntagszuges zählt zu den Hauptaufgaben des Festkomitees. Der Umzug kostet Jahr für Jahr rund 18 000 Euro – Wurfmaterial nicht eingerechnet. Foto: Archiv/Johnen

Düren. Peter Schmitz ist Karnevalist durch und durch. „Vielleicht liegt das daran, dass ich an Weiberfastnacht geboren bin“, erklärt der 61-Jährige, der seit drei Jahren an der Spitze des Festkomitees Dürener Karneval steht. Das Festkomitee feiert in dieser Session 6x11-jähriges Bestehen. 1950 wurde erstmals in Düren ein Festausschuss gegründet, der 1952 zum Festkomitee wurde.

Jörg Abels sprach mit dem Präsidenten über die kurze Session, die Aufgaben, Sorgen und Nöte des Festkomitees und die Zukunft des Dürener Karnevals.

Herr Schmitz, et jeiht widder loss. Freuen Sie sich auf die Session, auch wenn in fünf Wochen schon wieder alles vorbei ist?

Schmitz: Ich freue mich auf jede Session, egal ob sie kurz oder lang ist. Vor uns als Festkomitee liegen rund 120 Auftritte, bei denen wir das Prinzenpaar der Stadt begleiten. Ich freue mich auf den Sitzungskarneval, vor allem aber auch auf die vielen Besuche in sozialen Einrichtungen. Wenn man alten und kranken Menschen etwas Positives geben kann, hinterlässt das bleibende Eindrücke.

Ist eine so kurze Session nicht besonders stressig?

Schmitz: Sicher, aber das ist positiver Stress. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, für das Prinzenpaar beginnt mit der Proklamation ein Film, der erst Aschermittwoch endet. Während der Session steht man so unter Adrenalin, dass von Erschöpfung nichts zu spüren ist. Die Müdigkeit setzt erst nach Aschermittwoch ein. Dann hat man auch die Zeit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Das Festkomitee feiert in dieser Session 6x11-jähriges Bestehen. Was sind seine wichtigsten Aufgaben?

Schmitz: Das Festkomitee ist das Sprachrohr der aktuell 22 Dürener Karnevalsgesellschaften. Wir sind immer Ansprechpartner, wenn es irgendwo Schwierigkeiten gibt. Das Festkomitee organisiert die Wahl und Inthronisation der Tollitäten, koordiniert die Termine des Prinzenpaares in der Session und organisiert natürlich den großen Umzug am Orchideensonntag.

Stichwort Tollitäten: Gleich in ihrem ersten Jahr als Präsident mussten Sie damit leben, keinen Bewerber gefunden zu haben. Besteht die Gefahr, dass sich das noch einmal wiederholen könnte?

Schmitz: Ein ganz klares Nein. Für die kommenden drei Jahre liegen mir schriftliche Bewerbungen vor und auch darüber hinaus gibt es bereits Interessenten. Das freut mich außerordentlich.

Gibt es in Zukunft sogar Mehrfachbewerbungen?

Schmitz: Nein, mit mir wird es keine Kampfabstimmungen geben. Wenn sich ein Paar mehrere Jahre vorbereitet, muss es auch sicher sein können, das Amt übernehmen zu dürfen. Sollten sich mehrere Bewerber für ein Jahr melden, werden wir im Vorfeld nach einer Lösung suchen. Das klappt bisher hervorragend.

Das heißt, das Thema Dreigestirn in Düren ist endgültig vom Tisch?

Schmitz: Ja. Wir bleiben bei unserer Tradition, die einen Prinzen oder ein Prinzenpaar vorsieht. Ich würde mich auch über eine Prinzessin sehr freuen. Auch das wäre nach unserer Satzung möglich. Im Übrigen stimmt das immer wieder angeführte Argument, bei einem Dreigestirn würden für jeden nur ein Drittel der Kosten anfallen, überhaupt nicht. Die Kosten für Wurfmaterial und das Ornat bleiben, ein Bauern-Ornat ist sogar noch teurer als ein Prinzenkostüm. Allenfalls bei den Orden könnte ein Dreigestirn ein wenig sparen.

Apropos Kosten: Prinzenproklamation und Umzug kosten Jahr für Jahr Tausende Euro.

Schmitz: Richtig. Allein der Orchideensonntagszug kostet uns rund 18.000 Euro. Das Wurfmaterial nicht eingerechnet, das müssen die Gesellschaften und Zugteilnehmer selber finanzieren. Allein die Musikgruppen bekommen rund 13.000 Euro, dazu kommen Gebühren für Versicherungen und die Gema. Die Mitgliedsbeiträge der Gesellschaften und der auf verkaufte Sitzungskarten erhobene Zuggroschen würden dafür nicht ausreichen. Zum Glück haben wir mittlerweile wieder genügend Sponsoren, so dass wir die Kostenseite im Griff haben. Viel größere Sorgen bereiten uns die immer strengeren Auflagen des TüV und der Ordnungsbehörden.

Wie sehen Sie die Zukunft des Dürener Karnevals? Können 22 Gesellschaften auf Dauer überleben?

Schmitz: Aus meiner Sicht wird das schwierig. Für eine Stadt in der Größe von Düren sind 22 Gesellschaften eigentlich zu viel.

Hat der traditionelle Sitzungskarneval noch eine Zukunft?

Schmitz: Ich sehe zwei Probleme. Gesellschaften, die vielleicht 180 bis 200 Besucher anlocken, können bei Eintrittspreisen von 20 bis 25 Euro kaum ein Programm auf die Beine stellen, dass die hohen Erwartungen erfüllt. Dafür müssten sich schon drei Gesellschaften zusammenschließen und eine gemeinsame Sitzung organisieren. Das Problem dann aber ist die fehlende Veranstaltungshalle. Das Haus der Stadt ist für Veranstaltungen mit 600 bis 700 Besuchern zu klein. Eine Alternative gibt es momentan nicht. Vielleicht könnte sich im neuen Bismarck-Quartier eine solche ergeben. Das ist noch Zukunftsmusik.

Sind Nischen wie die „Buuresitzung“ der KG „Kick ens“ oder die „Närrische Akademie“ der Norddürener der richtige Weg?

Schmitz: Der Zuspruch der Besucher gibt den beiden Gesellschaften recht. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir den Sitzungskarneval attraktiver gestalten können. Dazu gehört aus meiner Sicht auch die Idee einer „ruhigen Sitzung“, bei der man zuhören muss und der Partycharakter nicht im Vordergrund steht. Eine wichtige Frage wird auch sein, wie können wir die jungen Leute wieder begeistern. Mir persönlich gefällt es auch sehr gut, dass immer mehr Gesellschaften ihren Sessionsauftakt mit einer Mundartmesse verbinden. Da lohnt es sich hinzugehen.

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