Die Tiertafel Düren: Leckerlis und Snacks auf Rädern

Von: Anne Wildermann
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Tierfreund und Fahrer Bodo Mattonet ist seit 15 Jahren aktiv im Tierschutzverein Düren. Seit August 2016 macht er die Futter-Tour für Katzen und Hunde durch Düren, da ein Kollege wegen schwerer Krankheit seit Längerem ausfällt. Hündin Laika (kleines Bild) wird immer von ihren Besitzern zur Tiertafel mitgenommen. Dort wird sie mit kleinen Snacks von Frauchen versorgt. Foto: Wildermann
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Ina Karl und ihr Vater Franz-Georg aus Birkesdorf kommen einmal im Monat zur mobilen Tiertafel.

Düren. Irgendwie ist Ina Karl (40) da so hinein gerutscht. In die Tierpflege, wie die schlanke Frau mit schwarzem Top und einer langen goldfarbenen Kreuzkette um den Hals sagt. Früher päppelte die Birkesdorferin Hunde und Katzen in der Freizeit auf, inzwischen macht sie das in Vollzeit.

Privatpersonen wissen, dass die Tiere bei Karl gut aufgehoben sind und laden sie dort regelmäßig ab. Vor allem die, die keiner mehr haben wolle, sagt sie mit trauriger Stimme. „Ich bin natürlich auch auf Spenden angewiesen oder auf Ratenzahlung, wenn ein Tier eine lebenswichtige OP beim Tierarzt benötigt“, sagt sie. Damit sie zumindest einmal im Monat kostenlos an Futter und Knabbereien für die Vierbeiner kommt, geht sie seit eineinhalb Jahren zur Tiertafel Düren. Anders als bei der Tafel, die Lebensmittel an einkommensschwache Menschen stationär ausgibt, kommt die Tiertafel zu ihren Klienten in die Ortschaften.

Die große Tour macht an diesem sonnigen Frühlingstag ab 13 Uhr Bodo Mattonet (80). In einem weißen Kastenwagen, auf dem zwei große Werbesticker prangen, ein Kaninchen und ein grauer Papagei, steht er auf dem Parkplatz eines großen Tiernahrungsladens in Düren. Die Flügeltüren des Autos stehen offen, auf der Ladefläche stehen schwarze Kisten, in denen an die 30 weißen Tüten mit Tierfutter lagern.

Zwischen ihnen sitzt Mattonet, schlank, bekleidet mit Jeans, weißer Cappy, blauer Zipperjacke und einem Ringordner auf den Knien. Einige Klienten sind bereits da und halten Mattonet ihre farbigen Berechtigungsausweise entgegen. Zu den Unterlagen gehören die Impfpässe der Tiere oder Karten vom Tierregister, Einkommensnachweis, Rentenbescheid, Hartz-IV-Bescheid oder ein Beleg dafür, dass die betroffene Person Aufstocker ist. So wie eine 59-jährige Klientin aus Düren, die ihren Namen nicht nennen will. Sie geht seit drei Jahren zur Tiertafel und holt dort Futter für ihre drei Hunde und einen Pflegehund.

Sie ist in Begleitung zweier Freundinnen, die ebenfalls anonym bleiben wollen. „Ich weiß noch, als die Tiertafel das erste Mal hierher kam, waren nur zwei Leute dort“, erinnert sich die 59-Jährige. Durch Mundpropaganda seien es immer mehr Kunden geworden. „Es ist definitiv eine Hilfe für uns. Es gab eine Zeit, in der ich aus gesundheitlichen Gründen nicht viel arbeiten konnte. Ich hatte zwei Monate einen enormen Engpass bezüglich der Finanzierung des Tierfutters. In dieser Zeit war die Tiertafel eine gute Unterstützung für mich“, erzählt die Frau und trägt mit ihren Bekannten die schweren Tüten zum Kofferraum eines Kleinwagens.

Die zehnjährige Labradormischlingshündin Laika ist der einzige tierische Kunde an diesem Tag. Herrchen und Frauchen nehmen sie immer mit, denn nachdem Herrchen die Bürokratie mit Mattonet geklärt und er die Futtertüten ausgegeben hat, verwöhnt Frauchen Laika mit ein paar kleinen Hundesnacks. Artig sitzt der Hund vor seiner Besitzerin und kaut auf den Futterstangen herum.

Die Nahrung wird von einer Stiftung gekauft, die zum Dürener Tierschutzverein gehört. Mit dem Hersteller der Futtermittel hat die Stiftung eine Vereinbarung getroffen: die Etiketten werden entfernt. Daher sind vor allem die Hundedosen nackt. Mitglied ist Mattonet beim Tierschutzverein seit 15 Jahren und als Fahrer bei der Tiertafel ist er seit einem Jahr tätig. Er vertritt einen Kollegen, der schwerst erkrankt ist. „Mit 63 Jahren bin ich bei den Stadtwerken in Pension gegangen, für den Tierschutz war ich schon immer aktiv, und bevor ich meiner Frau zu Hause auf die Nerven gehe, beschäftige ich mich“, sagt Mattonet und lacht. Dabei ziehen sich seine Augen hinter der Brille zu kleinen Schlitzen zusammen.

Wenn er Leerlauf zwischen den Kunden hat, raucht er eine Zigarette. Da er früher Handballer war, kam er erst spät zum Rauchen. Aber mit 80 Jahren wolle er sich das Laster auch nicht mehr abgewöhnen. Mattonet hat nicht nur ein Herz für fremde Tiere, sondern auch für seine eigenen. Zu Hause warten auf ihn der 15 Monate alte Schäferhund Hajo und sein Papagei Charlie, der schon 40 Jahre auf dem Buckel hat. „Charlie kann sogar sprechen. Er sagt ‚Mama‘ und ‚Gute Nacht, Jung!“ , erzählt Mattonet.

Wie viele Kunden zur Tiertafel kommen, ist nach seinen Angaben unterschiedlich. Mal sind es an einer Station drei, mal elf. „Sie kommen nicht regelmäßig. Viele von ihnen sprechen auch nicht sonderlich viel. Ich denke schon, dass es dem einen oder anderen unangenehm ist“, sagt Mattonet. Dass nicht viel gesprochen wird, eben nur das Nötigste, stört den Rentner nicht. Er selbst sagt von sich, dass er ruhig und zurückhaltend sei. „Ich mache das hier kurz und bündig“, fasst er zusammen.

Ina Karl ist an diesem Ausgabetag mit ihrem Vater Franz-Georg (69) da. Der hat zwei Katzen und bezieht seit einem Jahr die Nahrung von der Tiertafel. Karl selbst kümmert sich um drei Hunde. „Alles Notfälle, die zu mir gekommen sind“, sagt sie. Ihre Tochter hat ebenfalls drei Hunde. 2016 hatte Familie Karl zeitweise neun Katzen in Obhut. „Natürlich ist es anstrengend, aber ich kann die Tiere nicht zurücklassen. Die Leute schaffen sich welche an und übernehmen letztlich keine Verantwortung für sie, wenn es hart auf hart kommt“, sagt Karl erbost.

Mattonet hat noch eine Station an diesem Tag vor sich: Kreuzau. Dort gibt es nur eine Kundin und die soll laut des Rentners seit Wochen nicht mehr kommen, um Futter abzuholen. „Keiner weiß, was mit ihr ist. Ich fahre dennoch hin,“ sagt er. Schließlich könne er seine Kunden und den Tierschutzverein nicht sitzenlassen.

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