Die Stimme ist das Instrument des Wortakrobaten

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
8932204.jpg
Dr. Achim Jaeger (links) und sein Gast Bas Böttcher freuten sich auf die Veranstaltung im Stiftischen Gymnasium, in der der Wortakrobat mit Lauten, Silben, Wörtern und Sätzen jonglierte. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. An altehrwürdigem Ort, da wo vor Jahrzehnten den Schülern noch Begriffe aus der Lyrik wie Trochäus oder Daktylus, Jambus oder Hexameter beim Erlernen von Latein und Alt-Griechisch beigebracht worden war, stand jetzt – zum Vergnügen vieler Schülerinnen und Schülern, vieler Lehrerinnen und Lehrern – ein Mann, der die deutsche Sprache neu erfindet, sich dabei aber auch bei den Vorgaben der antiken und klassischen Lehrmeister bedient.

Bas Böttcher jongliert auf der Bühne mit Sprache, dichtet und verdichtet eigene Texte, macht aus Lauten, Silben, Wörtern und Sätzen Musik, lässt verbal Melodien erklingen, die so nur wenige Zeitgenossen gehört haben. Böttcher war eine Zeit lang in einer Band, als Sänger. „Ich habe mich da immer geärgert“, bekennt er, „dass ich kein Instrument spielen konnte. Mein Instrument war meine Stimme.“

Viele Gäste im Musiksaal des Gymnasiums „Am Altenteich“ werden diese Entwicklung des Bühnenkünstlers für gut befunden haben, hat sie doch einen Wortakrobaten und Wortschöpfer hervorgebracht, der national und international zwischen Paris und Berlin, San Francisco und Peking hin- und herpendelt, um den Menschen zu zeigen, was Sprache, was die deutsche Sprache leisten kann.

Bas Böttcher, vor Jahren schon einmal in Düren als Gast in „Der langen Nacht der Poesie“, will mit seiner Kunst die Lyrik den Menschen wieder näher bringen. „Ich möchte, dass das Wort wieder gefeiert wird“, überlegt der Poet, „sich wieder dort ansiedelt, wo es hingehört, damit es Menschen zum Nachdenken animiert.“

Der Wortkünstler scheut bei seinem Tun nicht vor großen Namen und poetischen Denkmälern zurück. Fontanes „Herr von Ribbeck auf Ribbeck“ nimmt er als Vorlage, voller Respekt, macht aus dem Birnbaum einen Apfelbaum, transferiert die Verse in seine Sprache. „Wenn der Apfel herabfällt, macht das doch wohl Laune“, ist Böttcher überzeugt.

Verstärkt wird das Hörerlebnis durch den atemlosen Vortrag, durch Gestik und Mimik untermalt, eines guten Schauspielers würdig, nicht zu vernachlässigen die geglückten Binnenreime, Wortspiele, Alliterationen oder doppeldeutigen Darstellungen, die die Hörer in einen kreativen „Nach-Denk-Modus“ versetzen.

Bas Böttchers Textaufbauten erinnern an das Spielen mit Legosteinen. Die Steine können hier oder da eingesetzt werden. Das geht mit Wörtern auch: aus Tagtraum wird Traumtag, aus Lustwolle Wolllust. Böttcher präsentierte viele Möglichkeiten, wie man gerade zusammengesetzte Wörter (Komposita) verändern kann. Besonders die anwesenden Schüler beklatschten den Text „Loblied aufs Fehlermachen“. „Ohne das Falsche kein Richtiges!“, philosophierte der Wortkomponist.

Vor der Veranstaltung hatten Bas Böttcher und Organisator Dr. Achim Jaeger, Deutschlehrer, mit Oberstufenschülern zwei Workshops erfolgreich durchgeführt.

Ermöglicht wurde die Veranstaltung „Die verkuppelten Wörter“ mit Bas Böttcher im Rahmen der Reihe „Lesung und Gespräch“, die 2014 zehn Jahre alt wird, durch die Unterstützung der Bürgerstiftung Düren und des Fördervereins des Stiftischen Gymnasiums.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert