Die Standards bei knapper werdenden Mitteln halten

Von: bugi
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Will im Bereich der Gewerbeansiedlung aktiv Interessenten werben: Bürgermeister Joachim Kunth. Foto: Burkhard Giesen

Vettweiß. Die Zeit des Kuschelns ist für den Vettweißer Bürgermeister Joachim Kunth (CDU) definitiv vorbei. Im Wahlkampf war es, als er und sein Gegenkandidat von der SPD das Kuscheln quasi zum Prinzip erkoren hatten.

Man hatte ähnliche Vorstellungen, wie die Kommune sich entwickeln sollte, übereinstimmende Ziele, gab sich freundlich im Umgangston, griff sich gegenseitig nicht an, schätzte sich. Dann kam der Wahlabend, Kunth setzte sich bei den Bürgern durch und machte sich an die Arbeit. Er strukturierte die Verwaltung neu, brachte den ersten Haushalt ein. Seitdem ist der Umgangston im Rat rauer, und die SPD nutzte die Gelegenheit, ihn mehrfach scharf zu attackieren.

Setzen ihm die persönlichen Angriffe zu? Zumindest lässt er sich nichts anmerken und konzentriert sich lieber auf die Arbeit. Die Abläufe in der Verwaltung hat er gestrafft, vier Fachbereiche in zwei Dezernate umgewandelt. „Fachbereichsleiter, die für drei Ämter zuständig waren, mussten regelmäßig zu drei Besprechungen“, erklärt Kunth. „Das hat Kraft und Zeit gekostet. Jetzt gibt es jeden Freitag eine Besprechung mit zwei Dezernenten, um die Marschrichtung vorzugeben.“ Effizienter soll die Verwaltung arbeiten. Bei einer knappen Personaldecke muss sie das auch.

Kunth betrachtet die Verwaltung als Dienstleister für den Bürger. Er selbst hat eine wöchentliche Sprechstunde eingeführt. „Die Bürger stehen da fast schon Schlange. Einige kommen vorbei, um sich über Baugrundstücke zu informieren. Andere fragen nach einem Job. Natürlich kommen auch Leute mit Beschwerden. Es war aber auch schon einer da, der einfach nur ‚Guten Tag‘ sagen wollte“, erzählt Kunth. „Wenn ich Menschen weiterhelfen kann, hat sich meine Wahl schon gelohnt“, sagt er.

Hat sich Kunth früher rund um die Uhr für Vereine engagiert, macht er das jetzt einfach nur auf anderer Ebene – für die Bürger. Ein Job, der viel Zeit kostet. Die Einbringung des Doppelhaushaltes, die Unterbringung von Flüchtlingen, die Umstrukturierung der Verwaltung – sein Terminkalender war in den ersten Monaten so gut gefüllt, dass er Arbeit mit nach Hause nehmen musste, damit sie nicht unerledigt blieb. „Den Katastrophenschutzplan lese ich dann auch schon mal abends bequem auf dem Sofa, statt hier im Büro im Anzug“, sagt er schmunzelnd. Und fügt schnell hinzu: „Meine Frau achtet mit darauf, dass die Familie nicht zu kurz kommt.“

Freizeit wird für Kunth in den kommenden Jahren dennoch ein knappes Gut bleiben. Die Gemeinde muss die Steuern deutlich anheben, und Kunth steht ein einschneidender Spagat bevor. „Wenn wir es schaffen, die Standards in der Gemeinde in den nächsten fünf Jahren zu halten, ist ein großes Ziel erreicht“, formuliert er und listet auf: Friedhöfe und Schulen erhalten, Kitas ausbauen, neue Baugebiete schaffen, Gewerbetreibende nach Vettweiß locken. Auch Standards halten kostet Geld, das die Kommune nur noch begrenzt zur Verfügung hat, eine ehrgeizige Aufgabe also.

Anpacken will er sie dennoch. Zum Beispiel bei den Gewerbeflächen. „Natürlich wird sich ein Logistikunternehmen nicht in Vettweiß ansiedeln, zumal uns auch die großen Flächen fehlen“, erklärt Kunth. Stattdessen will er aktiv um Mittelständler werben, Angebote erarbeiten.

Das Thema günstiges Bauland für junge Familien ist da eher schon ein Selbstläufer. Baugrundstücke sind in Vettweiß schnell vergriffen. Hier ist es Kunth wichtig, Neubürger zu integrieren: „Ich will ein entsprechendes Anschreiben erstellen. Wer zum Beispiel nach Gladbach zieht, soll dann auch eine Liste der Ansprechpartner und Vereine vor Ort bekommen.“ Der Bürgermeister Joachim Kunth agiert da nicht anders, als der Vereinsmensch – direkte Ansprache ist der schnellere Weg, Bürger zu erreichen. Das will er künftig einmal im Monat auch bei Ortsbegehungen umsetzen. Die hatte er sich fest vorgenommen, im vollen Terminkalender aber bisher noch nicht unterbringen können.

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