Die Stadt einmal mit anderen Augen sehen

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
7930965.jpg
„Re-Aktor“ haben Studenten der RWTH ihren Versuch überschrieben, in der Unterführung zum Haus der Stadt auf verborgene Qualitäten aufmerksam zu machen. Foto: Stephan Johnen

Düren. Die Bahnunterführung zum Haus der Stadt ist offiziell der hässlichste Ort der Stadt. Nun, das wäre etwas überspitzt formuliert, doch Studenten der RWTH Aachen haben den dunklen Tunnel als ziemlich beängstigend wahrgenommen, als sie sich im Rahmen eines Projektes in der Stadt umgesehen haben.

Dass die Bahnunterführung auch zum Kino, zum Café und zur Entspannungszone werden kann, zeigten die Studenten recht eindrucksvoll am Samstag. Sie machten an einem bisherigen „Unort“ auf verborgene Qualitäten aufmerksam.

Zu sehen gab es Filme aus dem Alltagsleben der Dürener, Impressionen von einem sonnigen Nachmittag an der Rur, Guckkästen mit vielen vielleicht im Alltag verborgenen Details aus der Stadt und ein Café samt Sitzgelegenheiten zum Gedankenaustausch.

Die „Re-Aktor“ getaufte Aktion unter Leitung des Lehrstuhls für Planungstheorie und Stadtentwicklung ist Teil des Masterplans Innenstadt. Zehn Gruppen à zwei Studenten hatten sich auf den Weg gemacht, die Stadt zu erkunden und unattraktive Orte zu finden. Da die Studierenden aus Bulgarien, Tschechien und Deutschland die Stadt kaum kannten, gingen sie mit großer Neugier und einer gewissen Unbefangenheit ans Werk. Das Konzept von Jan Dubský und Lucie Nmcová, aus dem Tunnel eine Entdeckungsröhre zu machen, erhielt bei einem internen Wettbewerb der Studenten den Zuschlag. Im zweiten Schritt arbeiteten alle Teams Hand in Hand, um das Konzept mit Leben zu füllen. Die Aktion sei ein Wechselspiel von Kunst, Architektur, Performance und Installation, erklärt Dr. Ulrich Berding von der RWTH. „Die Stadt kommt in virtueller Form zum Publikum und soll die Dürener herausfordern, ihre Umwelt neu zu entdecken.“

Ein Ansatz, den Baudezernent Paul Zündorf nur begrüßen kann. „Nur wenn wir lernen, Düren mit anderen Augen zu sehen, können wir es am Ende verändern“, ist Zündorf überzeugt, dass solche Aktionen die „langjährige Umsetzung“ des Masterplan-Prozesses bereichern. Die Aktion der Studenten sei ein symbolischer Impuls, eine Aufforderung, die Stadt einmal mit anderen Augen zu sehen und sich darüber auszutauschen. „Wir erleben heute, dass etwas Hässliches in etwas Schönes verkehrt worden ist“, sagte Zündorf. Es müsse gelingen, diese offene Diskussion auch an vielen anderen Stellen zu führen. „Ich sehe Düren da auf einem guten Weg“, bilanzierte der Baudezernent.

Dass es sich nicht um universitäre Spielereien und Fantastereien handelte, verdeutlichte Masterplan-Autor Dr. Harald Heinz. „Einige Elemente können wir durchaus konkret aufgreifen“, ist der Stadtplaner überzeugt. Ihm gefalle beispielsweise die Idee, den Tunnel indirekt zu beleuchten und die Wände zu Projektionsflächen zu machen. Er wünsche sich auch, dass die Kurzfilme, die die Studenten gedreht haben, künftig an verschiedenen Stellen in Düren zu sehen sind.

Mehr Kunst gibt es am Mittwoch, 2. Juli, beim Innenstadtforum im leerstehenden Ladenlokal Kölnstraße 41 ( „Fahrrad Gothe“) zu sehen. Schülerinnen der Angela-Schule haben kreative Ideen für die Innenstadt entwickelt. Beginn ist um 14 Uhr.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert