„Die Stadt der Sonntagsarbeit“: 50 Jahre KAB St. Antonius

Von: Stephan Johnen
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„Der Sonntag muss ein Sonntag bleiben“, nennt Karl Heinz Wolf, Vorsitzender der KAB im Dürener Grüngürtel, eine zentrale Forderung des katholischen Verbandes. Foto: Stock/Ina Peek, Stephan Johnen
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Jakob van Kempen, Katharina Gerhards, Lieselotte von Ameln und Vorsitzender Karl Heinz Wolf (v. l.) laden zur Jubiläumsfeier ein.

Düren. Im Dürener Grüngürtel dauerte die Suche nach Mitstreitern nicht lange. Als in der damals noch selbstständigen Pfarre St. Antonius vor 50 Jahren zehn Personen zusammenkamen, um eine Gruppe der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) zu gründen, fiel es ihnen nicht schwer, die Gruppe zu vergrößern.

„Wir halten die Fahne der Arbeiter bei uns hoch“, sagt Lieselotte von Ameln mit Blick auf ihren Stadtteil und zwinkert. „Das ist heute so wie damals.“ 26 Mitglieder zählt die Gruppe, zu Spitzenzeiten waren es deutlich mehr. „Dass es uns noch gibt, ist ein kleines Ereignis. Viele andere Gruppen sind schon von der Landkarte verschwunden“, sagt Lieselotte von Ameln. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Gruppe und übernimmt auch im Bezirk Aufgaben. Das Jubiläum wird daher am Sonntag, 16. März, groß gefeiert.

„Ein Stück Familie“

Entstanden ist die KAB Mitte des 19. Jahrhunderts als Zusammenschluss von Arbeitervereinen. „Die Kirche gestattete es Katholiken damals nicht, Gewerkschaftsmitglied zu werden“, blickt Gruppenmitglied Jakob van Kempen in die Historie zurück. Die KAB, die zu Beginn Katholische Arbeiter-Bewegung hieß, trat für die Interessen der (katholischen) Arbeiter ein, organisierte Bildungsangebote und unterstützte die Mitglieder bei vielen Lebensfragen.

„Wir haben die gleichen Themen wie Gewerkschaften behandelt“, berichtet van Kempen. Als nach Ende des Zweiten Weltkriegs sich auch die christlichen Gewerkschaften dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) anschlossen, rückte vor allem die Bildungsarbeit bei der KAB in den Vordergrund. Auch soziale Projekte werden weltweit unterstützt. Im Grüngürtel finden beispielsweise regelmäßig Suppensonntage statt, deren Erlöse gespendet werden.

„Die KAB war aber auch immer ein Stück Familie“, betont Katharina Gerhards. Die 78-Jährige gehört zwar nicht zu den Gründungsmitgliedern im Grüngürtel, hält der Gruppe aber seit Jahrzehnten die Treue. Man kennt sich, man hilft sich, man feiert und trauert zusammen. „Viele junge Familien haben sich im Grüngürtel der KAB angeschlossen“, blickt Lieselotte von Ameln zurück.

Damals wie heute gibt es viele Freizeitangebote, Vorträge, Ausflüge – nur wurden die Familien mit der Zeit älter, die Kinder zogen weg, gründeten eigene Familien. „Viel Nachwuchs kam immer aus der Christlichen Arbeiterjugend“, sagt Lieselotte von Ameln. Doch auch dieser Verband teile das Schicksal vieler kirchlicher Organisationen: „Die Suche nach Nachwuchs wird immer schwieriger.“

„Dabei stehen wir für Themen ein, die aktueller denn je sind“, sagt Jakob van Kempen. Die KAB hat beispielsweise ein eigenes Rentenmodell entwickelt und spricht sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. „Nicht nur Erwerbsarbeit trägt eine Gesellschaft, sondern auch häusliche Arbeit und das Ehrenamt“, erläutert van Kempen.

Auch bei Fragen der Arbeitszeit und der Sonntagsarbeit vertritt die KAB eine deutliche Meinung: „Der Sonntag muss ein Sonntag bleiben“, fordert Vorsitzender Karl Heinz Wolf. „Der Kampf um den arbeitsfreien Sonntag ist topaktuell“, sagt er. Als Stadt der Märkte sei Düren auch „die Stadt der Sonntagsarbeit“.

Allzu düster möchte Jakob van Kempen die Zukunft des Verbandes und der Gruppe im Grüngürtel nicht sehen. „Soziales wird wieder neu gedacht“, sagt er. Arbeit sei mehr als Broterwerb. Nicht alles im Leben, was selbstverständlich erscheine, sei auch eine Selbstverständlichkeit: „Wenn wir nicht aufpassen stehen wir wieder da, wo wir vor 150 Jahren begonnen haben.“

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