Die Staatsgewalt darf gestreichelt werden

Von: Stephan Johnen
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Freundlich, aber bestimmt: Polizei-Reiter wie Melanie Breitmoser und André Boeken zeigen in der Innenstadt eindrucksvoll Präsenz. Foto: Johnen

Düren. Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich Melanie Breitmoser nicht beklagen. Passanten, die die junge Frau sehen, bleiben stehen, recken die Köpfe. Wenn die 32-Jährige in Menschenmengen unterwegs ist, bildet sich für sie stets eine Gasse.

Die Kommissarin ist das, was mit jung, dynamisch und erfolgreich beschrieben werden kann. Und wenn sie lacht, bekommt sie rote Bäckchen. Dass Kommissarin Melanie Breitmoser allerdings automatisch alle Blicke auf sich zieht, liegt nicht daran, dass auf Dürens Straßen nur Machos unterwegs sind.

Es liegt an Flavius.

Das Dienstpferd der Polizistin misst 1,90 Meter im Stockmaß - und lässt selbst den neben der Kommissarin reitenden größeren Kollegen klein aussehen. „Das Auftreten ist eine klare Ansage”, formuliert es der Kollege, Oberkommissar André Boeken freundlich, aber bestimmt. Wenn die Beamten der Landesreiterstaffel im Einsatz sind, stelle sich der Respekt vor dem berittenen Arm des Gesetzes ganz von alleine ein. Vermutlich spielt dabei auch der Respekt vor Hinterläufen der Pferde eine Rolle. Sehen und gesehen werden - so könnte das Motto der Reiter heißen. Sie selbst drücken es anders aus, bürokratischer. Sie nennen es Präsenzstreife.

„Im Rahmen von Konzeptionen zur Kriminalitäts- und Verkehrsunfallbekämpfung unterstützt die Reiterstaffel Rheinland die Kreispolizeibehörde Düren”, heißt es dazu ganz offiziell aus Düsseldorf. Dort übrigens steht der Stall von Flavius, dort sind Melanie Breitmoser, Andr Boeken und ihre Kollegen stationiert (siehe Infokasten). Präsenz zeigen sie hingegen überall im Rheinland: bei Fußballspielen, Großdemos - und auch in Düren, nicht nur zur Kirmeszeit.

Ein echter Einsatz sei die Reise an die Rur, kein Urlaub! Höchstens eine Entspannung für die Pferde, die sich nach Tagen auf Kopfsteinpflaster und Beton in den Großstädten durchaus eine Schicht in Parkanlagen und am Rurufer verdient haben. „Immer, wenn uns jemand Schönwetter-Polizisten nennt, antworte ich: ,Wir dürfen arbeiten, Sie müssen frei haben´”, sagt Oberkommissar Boeken.

Zum Alltag gehört ebenso der Dienst bei Regen und Eiseskälte - und der Einsatz Mitten in Menschenmassen. Massen, in denen nicht immer Harmonie und ungetrübte Freude herrscht. „Da ist ein Pferd soviel wert wie eine ganze Hundertschaft”, weiß Melanie Breitmoser aus ihrem Dienstalltag. Auflösen, Zusammentreiben, Abschirmen: Reiterstaffeln sind vor allem ein taktisches Instrument der Polizei.

Und dieses Instrument lässt sich auch in Düren einsetzen. Von Mai bis September sind die berittenen Polizisten an der Rur regelmäßig im Einsatz. Dort, wo die Beamten der Reiterstaffel auftauchen, überlege es sich ein Krimineller immer zweimal, ob gerade wirklich der richtige Zeitpunkt für kriminelle Handlungen ist, versichert André Boeken. Nicht nur die gefühlte Sicherheit nehme zu. „Es geht nichts über die Ausstrahlung eines Pferdes.”

Zumal die Reiter gerade in Parkanlagen mobiler sind und einen besseren Überblick haben als ihre Kollegen im Streifenwagen. Notfalls wird auch in der Stadt galoppiert, wie zuletzt in Aachen, wo berittene Polizisten einen Einbrecher verfolgten - und stellten. Der Strafzettelblock steckt ohnehin in der Uniformtasche, gleich neben dem Beutel mit Mohrrüben für die Dienstpferde. Ja, auch berittene Polizisten verteilen Knöllchen an Autofahrer und Fußvolk.

Die Reiter haben jedoch noch einen weiteren Auftrag - direkt aus dem Ministerium. Innenminister Dr. Ingo Wolf attestierte den Staffeln einen hohen Einsatzwert. Und sieht sie zugleich als Sympathie- und Werbeträger. „Wir sind nicht die Bösen”, sagt Kommissarin Melanie Breitmoser. Die Resonanz aus der Bevölkerung auf die Einsätze der Reiter sei meist „sehr positiv”.

Während bei den Kollegen im Streifenwagen kaum jemand stehenbleibt, um das Gefährt zu bewundern, wollen bei der Reiterstreife vor allem Kinder das Pferd am liebsten streicheln. Die Polizei - dein Freund und Streichelzoo? Nein. Melanie Breitmoser schüttelt mit dem Kopf. Das heißt, etwas bürokratischer, „Präsenzstreife mit Bürgergespräch”.
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